300 Besucher bei Info-Veranstaltung im Fuldataler Forum 

Umstrittenes Schienenprojekt bei Kassel: Viel Wut auf die Bahn

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Unbequemer Wendepunkt: Der Schienen-Güterverkehr soll den hier abgebildeten Kasseler Rangierbahnhof künftig umfahren können, um die Strecke Paderborn-Halle attraktiver zu machen. Dafür muss aber die Nordkurve Kassel gebaut werden. 

Zur ersten Informationsveranstaltung zur sogenannten "Nordkurve Kassel" der Deutschen Bahn kamen 300 Menschen, die meisten von ihnen aus Fuldatal, Espenau und Vellmar.

Sie wären als Anwohner direkt von dem umstrittenen Schienenprojekt betroffen. Dass es kein Spaziergang werden würde, das hatten sich die Verantwortlichen der DB Netz AG vermutlich im Vorfeld der Veranstaltung bereits gedacht. Aber es fühlte sich dann doch etwas an wie eine Inquisition, wie die drei Herren auf der Bühne des Fuldataler Forums in Ihringshausen standen und den etwa 300 Besuchern versuchten, ihre vielen Fragen zur „Kurve Kassel“ zu beantworten. Und Fragen hatten die Anwesenden, die nicht nur aus Fuldatal, sondern auch aus Espenau und Vellmar gekommen waren, reichlich.

Deutsche Bahn Sprecher: "Offen reden"

„Wir wollen keine Missverständnisse, wir wollen ganz offen reden und voneinander lernen.“ So hatte Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter für das Land Hessen der Deutschen Bahn, den Sinn dieser Informationsveranstaltung zu Beginn umrissen. Man sei offen für Ideen der Bürger und wolle diese gerne mit in die weiteren Diskussionen und zu den Runden Tischen mitnehmen, die folgen werden. Denn die Planungen für die Nordkurve stecken noch in den Kinderschuhen. Es war die erste Informationsveranstaltung in der „frühen Öffentlichkeitsbeteiligung“, wie es die DB Netz AG beschreibt, und es war schnell klar, dass das Projekt bei den betroffenen Anwohnern auf wenig Gegenliebe stößt.

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Konkret geht es darum, zwei Güterzugstrecken nördlich von Kassel so zu verbinden, dass sie nicht jedes Mal zum Rangierbahnhof in der Stadt fahren müssen. Rund 40 Minuten Fahrzeit sollen dadurch gespart werden. „Das ist gut für die Umwelt und für den Menschen“, sagte Vornhusen. Und natürlich gehe es auch darum, mehr Verkehr auf die Schienen zu bringen. 

Deutsche Bahn: Strecke zwischen Immenhausen, Kassel und Wilhelmshausen

Entstehen soll die Strecke irgendwo im Dreieck zwischen Immenhausen, Kassel und Wilhelmshausen. Der Bund habe die Notwendigkeit dieses Projekts im Bundesverkehrswegeplan 2030 festgelegt, erklärte Gerd-Dietrich Bolte, hessischer Chefplaner der Deutschen Bahn. Im Suchraum seien derzeit drei mögliche Korridore angedacht (siehe Grafik), aber es könnten noch weitere hinzukommen, und es gäbe bisher auch keine Vorzugsvariante, beteuerte Bolte auf mehrfache Nachfragen aus dem Publikum.

Die genaue Streckenführung, der Lärm- und Rüttelschutz sowie die Frage, wie viele Güterzüge mehr pro Tag über die Neubaustrecke fahren würden, beschäftigten die Zuhörer. Zufrieden mit den Antworten waren die Anwesenden nicht. „Ich fühle mich verkaspert, das Internet hat mir mehr Infos gegeben als Ihre Veranstaltung“, rief ein aufgebrachter Mann aus dem Publikum. „Das Vertrauen in die Deutsche Bahn ist nicht groß“, sagte auch Werner Persch aus Fuldatal und erntete dafür viel Applaus.

Vornhusen erklärte, dass man sich noch in einer sehr frühen Phase befinde, in der es noch keine konkreten Antworten gäbe und bat um Geduld. Aber eins sei klar: „Der Güterverkehr wird kommen, so oder so. Es kommt nur darauf an, wie elegant wir es lösen.“

Auch interessant: Kürzere Fahrtzeiten - Bund treibt neues System für bessere Zuganschlüsse voran

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