Ein moderner Blick auf die Vergangenheit

Zwei Studenten haben Ausstellungskonzept für Museum Währungsreform erstellt

Hier wurde Geschichte geschrieben: Die Kunststudenten Philip Scholz (von links) und Paula Kehl haben für den 2. Vorsitzenden des Museumsvereins Dietmar Bittner ein Konzept zur Umgestaltung des Museums entworfen.
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Hier wurde Geschichte geschrieben: Die Kunststudenten Philip Scholz (von links) und Paula Kehl haben für den 2. Vorsitzenden des Museumsvereins Dietmar Bittner ein Konzept zur Umgestaltung des Museums entworfen.

Zwei Studenten der Kunsthochschule Kassel haben ein Ausstellungskonzept für das Museum Währungsreform in Rothwesten erarbeitet, um die Geschichte des Hauses und seine Bedeutung für die Entwicklung der Bundesrepublik modern zu präsentieren.

Fuldatal – In einem abgedunkelten Bus erreichten die elf Männer am Abend des 20. April 1948 das Haus Posen in Rothwesten. Mitten im Wald lag das Haus, umgeben von einem vier Meter hohen Stacheldrahtzaun. Wo sie waren, wussten die Männer nicht. Alles war dunkel – und genau so war es gewollt.

Dieses Gefühl der Dunkelheit, gepaart mit dem Dunkel der Nachkriegszeit und der großen Not, in der sich die Menschen in Deutschland damals befanden, sind der Ausgangspunkt für ein neues Raumkonzept, dass die Studenten Paula Kehl und Philip Scholz von der Kunsthochschule Kassel für das Museum Währungsreform in Fuldatal-Rothwesten erstellt haben. Ihr Ziel ist es, die Besucher durch die Umgestaltung auf eine emotionale Reise durch die damalige Zeit mitzunehmen. Sie sollen den Ort erleben, an dem die deutschen Finanzexperten unter der Leitung des US-Ökonoms Edward A. Tenenbaum die Details der Währungsreform ausarbeiteten. „Man soll als Besucher in die Zeit eintauchen“, erklären Scholz und Kehl.

Bisher falle das sehr schwer, sagen Scholz und Kehl. Grund sei die schiere Masse der Exponate, die in zwei Räumen im Haus Posen ausgestellt werden. „Man hat sofort alle Exponate im Überblick und wird erschlagen von der Menge“, sagt Scholz. Zudem ist das Leitsystem veraltet und die Informationen werden fast ausschließlich textlich vermittelt. „Uns war am Anfang gar nicht so bewusst, worum es genau geht“, sagt Kehl. Erst nach der Recherche sei ihnen die enorme Bedeutung des Ortes bewusst geworden.

Dass die Ausstellung „aus museumspädagogischer Sicht bisher eine Katastrophe ist“, wie der 2. Vorsitzende des Museumsvereins Währungsreform, Dietmar Bittner, sagt, liege auch daran, dass das Museum von Bundeswehrsoldaten eingerichtet wurde und nicht von Museumspädagogen. Umso mehr hat er sich über das Angebot der Studenten gefreut, unentgeltlich ein Ausstellungskonzept zu erarbeiten.

Auf die Idee kamen Kehl und Scholz während der Semesterferien. „Wir wollten gerne privat ein Projekt umsetzen“, sagt Scholz. Durch Zufall kam der Kontakt zu Bittner zustande und die Idee war geboren, das Museum zu einem modernen Ort zu machen, an dem sich Kinder und Jugendliche ebenso in die damalige Zeit versetzen können wie Senioren.

Auf 70 Seiten haben Kehl und Scholz ausgearbeitet, wie man das Museum so gestalten kann, dass sich der Besucher auf eine Reise in die Vergangenheit begibt. „Es geht natürlich auch um den politischen Hintergrund der Zeit“, sagt Bittner, der von dem Konzept der Studenten begeistert ist: „Es ist absolut stimmig, was sie entworfen haben.“ Ihr Plan sieht vor, die Räume in je zwei Themenwelten zu teilen. In seinem eigenen Tempo soll der Besucher das Museum erkunden, Sitzmöglichkeiten sollen geschaffen werden und auch die Interaktion soll eine große Rolle spielen, was gerade für Kinder und Jugendliche wichtig sei. „Aber ohne Digitalisierung und eine Umstellung geht das nicht“, sagt Bittner.

Da passte es perfekt, dass der Museumsverein von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) mit 100 000 Euro für den digitalen Ausbau der Gedenkstätte im Haus Posen gefördert wird. Das Geld soll laut Bittner für die digitale Grundausstattung des Museums genutzt werden. So sollen zum Beispiel eine Web-App eingerichtet und ein Zeitzeugenprogramm gestartet werden. Zudem sollen die Exponate digital erfasst werden.

„Wir können nicht alles auf einmal machen“, sagt Bittner. Der Verein sei auf Spenden angewiesen und setze viel in Eigenleistung um. Aber er hofft, dass sich Menschen finden, die das Projekt der Studenten überzeugt und die den Umbau unterstützen wollen.

Kontakt: bittner.fuldatal@gmx.de (Amira Sayed El Ahl)

Der Eingang: Das Dunkel der Zeit soll sich im Eingangsbereich widerspiegeln. 2

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