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Ganztagsbetreuung stellt Landkreis Kassel vor Herausforderungen

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Von: Michaela Pflug

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Personal gesucht: In der Nachmittagsbetreuung soll es auch Hausaufgabenhilfe geben.
Personal gesucht: In der Nachmittagsbetreuung soll es auch Hausaufgabenhilfe geben. © Sebastian Gollnow/dpa

Der Anspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 stellt den Landkreis Kassel schon jetzt vor Herausforderungen. Es müssen neue Räume her und mehr Personal.

Kreis Kassel – Viele Grundschulen beenden mittags den Unterricht. Allerdings endet für viele Erziehungsberechtigte dann noch nicht der Arbeitstag. Damit alle Kinder in Zukunft auch am Nachmittag sicher betreut werden, gibt es darauf ab 2026 stufenweise einen Rechtsanspruch. Darauf bereitet sich der Landkreis schon jetzt vor. Denn der erwartet, dass 2026 85 Prozent der etwa 8000 Schüler dieses Recht in Anspruch nehmen. Und dafür fehlen bisher Personal und Räume.

Der Landkreis als Träger der Schulen habe sich schon auf den Weg gemacht, sich auf diesen Rechtsanspruch vorzubereiten, sagt Silke Engler. „Aber bisher sind wir noch mit angezogener Handbremse gefahren.“ Man habe auf detaillierte Vorgaben des Landes Hessen gewartet. Die wird es nicht geben. Der Bundesgesetzgeber habe bereits klare Vorgaben für die Länder gemacht, heißt es auf Nachfrage vom Hessischen Kultusministerium. Diese seien verbindlich, sodass es keine Ländergesetzgebung gibt. Im Schulgesetz, dessen Novelle aktuell die Gremien durchläuft, würde – wie bisher – die Ganztagsbetreuung geregelt, Träger bekommen weitere Kompetenzen.

Im Landkreis hatte man befürchtet, dass eine Betriebserlaubnis und eine Fachpersonalpflicht wie in Kitas eingeführt wird. „Das macht es uns leichter“, sagt Engler. Sonst sei man mit den Kommunen auf der Suche nach Erzieherinnen in Konkurrenz getreten und Räume hätten strengere Vorgaben erfüllen müssen. „Natürlich werden wir trotzdem auf Qualität bei der Betreuung achten“, versichert sie. Aber auch jetzt seien immer noch Fragen offen, zum Beispiel, wie viel Eltern für diese Betreuung zahlen.

Eine Herausforderung bei der Planung der Nachmittagsbetreuung ist die Auslastung. Während sich Schülerzahlen mithilfe der Geburtenstatistik einigermaßen deutlich prognostizieren lassen, sei das bei der Auslastung schwieriger. „Hier handelt es sich um Glaskugelguckerei“, sagt Engler. Der Bedarf sei nicht an allen Orten gleich und die Auslastung werde auch nicht überall gleich schnell steigen. Aber man brauche für die Planung eine Datengrundlage. Denn bis ein Bau fertig ist, dauere es mehrere Jahre. „Ich halte nichts von einer Salamitaktik“, erklärt Engler.

Wenn jetzt geplant oder gebaut werde – zum Beispiel in Wolfhagen oder Niederkaufungen – dann bedenke man die Ganztagsbetreuung – auch wenn Räume womöglich nicht gleich ausgelastet seien. Denn Klassenräume allein reichten nicht. Kinder, die über Mittag bleiben, müssen zum Beispiel auch essen. Außerdem solle, wenn möglich, an einem Ort betreut und beschult werden. „Es gilt: Kurze Beine, kurze Wege“, sagt Engler. Allerdings heiße das nicht, es würden ab 2026 alle Kinder nachmittags in Schulgebäuden betreut: „Es wird eine Priorisierung geben müssen.“ Deshalb ermittele man auch so viele Daten. „Wir wollen die Ressourcen gerecht verteilen und gleichwertige Verhältnisse schaffen.“

Noch ist gar nicht klar, wie genau die Situation vor Ort aussieht. Es gibt 12 Grundschulen im Landkreis, die bereits zertifizierte Ganztagsschulen sind oder dem Betreuungsprogramm „Pakt für den Nachmittag“ angehören. Das heißt aber nicht, dass es an anderen Schulen keine Betreuung am Nachmittag gibt. Die wird dann aber zum Beispiel von Fördervereinen, anderen Trägern und Kommunen angeboten. „Da kommen die Bürgermeister ins Spiel“, sagt Engler. Diese werde man demnächst kontaktieren. Es gehe darum, zu eruieren, welche Angebote es genau gibt, wo man zukünftig Synergien nutzen kann.

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