Jetzt fehlen Kellner und Köche

Gastronomen fahren Betrieb nach dem Lockdown langsam wieder hoch

Beschicken den Biergarten der Niester Königs-Alm: die Service-Kräfte Lea Amthauer (von links), Tine Gerlach und Tom Bornscheuer.
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Beschicken den Biergarten der Niester Königs-Alm: die Service-Kräfte Lea Amthauer (von links), Tine Gerlach und Tom Bornscheuer.

Die Gastronomiebetriebe und Hotels in der Region haben wieder geöffnet. Trotzdem läuft der Betrieb bei den meisten erst langsam an. Vor allem fehlendes Personal ist ein Problem.

Kreis Kassel – Die Sonne scheint, die Inzidenzzahlen sinken und in den Biergärten, Restaurants und Cafés im Landkreis Kassel ist wieder Betrieb. Doch es ist noch nicht wieder alles beim Alten. Denn in den vergangenen Monaten waren viele Betriebe komplett geschlossen oder durften nur wenige beruflich Reisende beherbergen. In dieser Zeit konnten nicht alle Mitarbeiter weiter beschäftigt werden, einige haben sich einen neuen Job gesucht. Wir haben bei Betrieben in der Region gefragt, ob Personalmangel herrscht.

Zum Löwen Lohfelden

55 Beschäftigte hatte Hans-Jürgen Fehr noch vor der Pandemie. Jetzt arbeiten noch 30 als festangestellte Kräfte im Hotel und Restaurant Zur Post und in der Veranstaltungslocation Löwenhof. „Wir waren gezwungen, Aushilfen zu kündigen“, sagt Fehr. Manche wären jetzt in einer Art Standby-Modus, andere hätten sich bereits etwas anderes gesucht. Es müsse sich zeigen, wie viele zurückkommen. Das mache das ohnehin herausfordernde Gastronomiegeschäft noch zäher, sagt Fehr.

Königs-Alm Nieste

„Wir können uns nicht beschweren“, sagt Denise Seeger beim Thema Personal. Schließlich seien alle 16 festangestellten Arbeitskräfte der Niester Königs-Alm noch da – und auch die Aushilfen stünden zur Verfügung, sagt die Geschäftsführerin. Manche hätten sich zwar etwas zum Überbrücken gesucht, seien aber wieder an Bord. Dennoch habe sie ein Personalproblem, sagt Seeger. „Wir suchen händeringend Servicekräfte und Köche.“ Diese Jobs wolle schlichtweg kaum jemand machen.

Trotzdem reiche das Personal aus, um die Gäste gut zu bedienen – auch in den vergangenen Tagen, als neben Gästen aus der direkten Umgebung auch viele Besucher aus Kassel gekommen waren. „Unsere Mitarbeiter sind froh, dass sie jetzt wieder arbeiten können“, sagt Seeger.

Waldhotel Schäferberg

Im Gegensatz zu vielen anderen hatte das Waldhotel Schäferberg in Espenau auch während des Lockdowns durchgehend geöffnet, wegen der Geschäftsreisenden und dem Außer-Haus-Betrieb, sagt Geschäftsführer Axel Brandt. „Das war ein Lichtblick für die Mitarbeiter.“ Trotzdem war der Großteil der 50 festangestellten Mitarbeiter und der 20 Teilzeitkräfte in Kurzarbeit. Die allermeisten der 22 Aushilfen, die vor Corona im Waldhotel beschäftigt waren, konnten aber nicht weiterbeschäftigt werden, sagt Brandt.

Er hofft, dass auch von ihnen wieder viele zurückkehren werden, „und dass man wieder Studenten oder Schüler findet, die sich Geld dazuverdienen wollen“. Gesucht hat Brandt bisher noch nicht, denn das Geschäft ziehe erst langsam wieder an. Das Hotel mit seinen über 110 Zimmern, dem Restaurant und der großen Terrasse ist erst zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet. Deshalb seien auch noch nicht alle der festangestellten Mitarbeiter aus der Kurzarbeit voll zurück.

Glashaus Lohfelden

Die Frage nach dem Personal treibt Faruk Akyol gerade weniger um. „Ich mache mir mehr Gedanken, wie wir organisatorisch Veranstaltungen mit bis zu 100 Gästen über die Bühne bringen können.“ Akyol führt mit seinem Geschäftspartner Robert George Cogal das Glashaus in Lohfelden – dort finden Feiern wie Hochzeiten und Tagungen statt. „Wir versuchen, ein Schnelltestzentrum einzurichten und überlegen, wie wir Warteschlangen vermeiden“, sagt er. Gleichzeitig stehe sein Telefon kaum still: Anfragen, Absagen, Terminverschiebungen – es sei viel zu tun, zumal sich die Bestimmungen ständig änderten. „Aber wir bleiben dran.“

Das sagt die Dehoga zu den Öffnungen nach dem Corona-Lockdown

„Wir waren schon immer sehr anfällig, was das Personal angeht“, sagt Oliver Kasties, Geschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen. Doch das Problem habe sich nun verschärft. Viele Beschäftigte seien in andere Branchen abgewandert. Die Betriebe müssten zusätzlich durch die Hygieneauflagen administrative Aufgaben übernehmen. Viele würden jetzt aber auch über neue Konzepte nachdenken. „Um dem Mangel entgegenzuwirken, denken sie zum Beispiel über mehr Ruhetage nach, um nur die effizienten Tage zu bespielen“, sagt Kasties. Seine Einschätzung: Das bleibt so. „Man denkt eher in Kompaktheit als in Wachstum, baut Stärken aus und eliminiert Schwachstellen.“

Das sagt die Agentur für Arbeit

Im Mai waren bei der Agentur für Arbeit 50 Stellen im Landkreis Kassel im Gastgewerbe offen. Das sind nur acht mehr als im Mai 2020. „Der Unterschied zum ersten Corona-Jahr ist gar nicht so groß“, sagt Detlef Hesse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Kassel. Das liege auch daran, dass in diesem Bereich viel über persönliche Kontakte vermittelt und gar nicht gemeldet würde. „Gerade im Bereich der Servicekräfte ist das der Fall“, sagt Hesse. Über die Agentur für Arbeit würden eher Fachkräfte wie zum Beispiel Köche oder Hotelfachpersonal gesucht. Ob es eine Abwanderung von Personal aus der Gastronomie in andere Berufsfelder gibt, ist statistisch nicht erfasst.  (Amira El Ahl und Moritz Gorny)

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