Filialsterben

Geldgeschäfte im Landkreis Kassel wandern ins Internet - Banfilialen schließen

Standorte der Banken und Sparkassen im Landkreis Kassel

Kreis Kassel – Wer kein Internet hat und nicht mobil ist, dem fällt es immer schwerer, seine Geldgeschäfte zu regeln. Denn das Filialnetz der Banken und Sparkassen wird immer dünner.

So müssen beispielsweise Volksbank-Kunden aus St. Ottilien, einem Ortsteil von Helsa, mittlerweile 15 Kilometer weit fahren, um zur nächsten Zweigstelle in Kaufungen zu gelangen.

In den vergangenen drei Jahren haben fast 60 Bankfilialen im Landkreis geschlossen. Um einige Beispiele zu nennen: 2017 hat die Sparkasse Kassel 36 Filialen von 81 geschlossen, 30 davon im Landkreis, sechs in der Stadt. An diesen Standorten gibt es seitdem keinen Schalter mehr, nur ein Selbstbedienungs-Automat (SB) ist geblieben. Die Raiffeisenbank Baunatal hat zu Beginn des Jahres 11 Filialen geschlossen, vor allem im Süden und Osten des Altkreises. Dort können Kunden seitdem kein Geld mehr abheben.

Der Service, der vor Ort weg fällt, wandert ins Internet. Die Kommunikation erfolgt am Telefon und online – auf Wunsch sogar per Videotelefonie. Darüber hinaus sind Beratungszentren an manchen Orten erhalten, aufgerüstet und gebündelt worden, teilen die Institute mit. Die Sparkasse bietet mittlerweile auch individuelle Beratungen bei Kunden Zuhause an.

Mit dem neuen Konzept reagiere man auf das geänderte Nutzerverhalten, sagte Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse, Ingo Buchholz. Der Trend gehe zum Online-Banking per Smartphone und Computer.

Die Bankinstitute setzen auf Online-Banking und schließen Filialen. Die Filiale der Volksbank Kassel Göttingen in Denn-/Dittershausen (Fuldabrück) schließt im Februar.

Ein Sprecher der Volksbank Kassel-Göttingen bestätigt, dass viele Ältere immer öfter die neuen, digitalen Wege und immer seltener den Service in den Filialen nutzen. Auch die SB-Automaten würden seltener genutzt. Das sei auch der Grund für die Schließung einer weiteren Filiale in Fuldabrück, die im Februar ansteht.

Trotzdem haben gerade ältere Menschen ein Problem mit dem Filialsterben, sagt Tilo Küthe, Bürgermeister in Helsa. Dort gibt es seit Jahresbeginn keine VR-Bank mehr. „Viele Ältere arbeiten noch mit Bargeld und Online-Banking ist für sie gerade am Anfang kompliziert.“ Hinzu kommt die schlechte Internetversorgung, über die viele Helsaer seit Jahren klagen.

Mit dem Filialsterben haben sich mittlerweile einige alternative Angebote entwickelt. Manche Supermärkte wie Rewe bieten bei einem Einkauf ab einem Mindestwert an der Kasse auch Geldabhebungen an. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es seit 2009 die sogenannte Überlandsparkasse: Ein Bus fährt in zehn Orte, in denen es keine Zweigstelle mehr gibt. Die Sparkasse Kassel plant kein ähnliches Modell. Sie ist in jeder Kommune mit einem Beratungsangebot vertreten, versichert eine Sprecherin.

Hohe Kosten für Bankautomaten

Bankautomaten zu betreiben ist teuer. Zwar möchten die befragten Kassen und Banken dazu keine Zahlen nennen. Ein Sprecher bestätigt aber, dass sich damit kein Geld verdienen lässt. Laut der Arbeitsgemeinschaft Geldautomaten (AGG) kostet ein Automat in der Anschaffung 20 000 Euro. Danach fallen Wartungsarbeiten und Entstörungen an. Laut AGG liegen die Betriebskosten eines Automaten in Deutschland jährlich zwischen 10 000 und 19 000 Euro.

Termin: Die Sparkasse bietet am 26. Februar von 16.30 bis 18 Uhr im Beratungscenter Baunatal eine Info-Veranstaltung für Senioren zum Online-Banking an. Anmeldung unter Tel.0561 /4992151

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