Tram nicht unter Zeitdruck

Straßenbahn nach Lohfelden: Entscheidung über Machbarkeitsstudie fällt im Herbst

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Fährt die Straßenbahn künftig nach Lohfelden?

Lohfelden / Kassel. In diesem Frühjahr wollen KVG und die Stadt Kassel Pläne für einen Weiterbau der Straßenbahn nach Waldau präsentieren. Damit rückt auch eine mögliche Tramanbindung für Lohfelden wieder ins Blickfeld.

Während sich viele Lohfeldener bereits eine Meinung gebildet haben (siehe TagesThema oben), halten sich die Politiker die Entscheidung offen. Erst im Herbst wollen sie entscheiden, ob eine mögliche Trasse überhaupt untersucht werden soll. Zu Beginn dieses Jahres hat es ein erstes Sondierungsgespräch zwischen Lohfelden und KVG gegeben. „Wir haben aber keinen Zeitdruck“, sagte Bürgermeister Michael Reuter der HNA. Falls sich Kassel für den Bau der Tram nach Waldau entscheide, dann werde die frühestens im Jahr 2016 fertig sein.

Ein möglicher Anschluss von Lohfelden würde erst dann realisiert. Zuvor werde man Nutzen und Kosten gründlich analysieren. Im Mittelpunkt müsse dabei die Frage stehen: „Bringt es was für die Lohfeldener, für die Nutzer?“, sagt das Gemeindeoberhaupt. Der Gemeindevorstand werde bis zu den Haushaltsberatungen im September eine Vorlage erarbeiten. Die Lohfeldener Gemeindevertreter müssten dann eine Grundsatzentscheidung fällen, ob man in eine neue Planung einsteige. Denn klar ist: „Die alte Planung von 1998 kann man nicht mehr übernehmen“, sagt Reuter. Das sieht man auch in der Kasseler KVG-Zentrale so.

„Wir ziehen nichts aus der Vergangenheit aus der Schublade“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad, „eine ganz neue Planung ist nötig.“ Diese Aussage dürfte in Lohfelden mit großem Interesse aufgenommen werden. Denn dort hatten sich vor zehn Jahren, als erstmals Pläne zur Straßenbahnanbindung diskutiert wurden, die potentiellen Anwohner der Trasse mit lautstarkem Protest zu Wort gemeldet. Der Regional Verkehrsverein Lohfelden, Nachfolger der damals gegründeten Bürgerinitiative gegen die Straßenbahntrasse, begleitet auch die neu aufkeimende Tram-Diskussion bereits kritisch. Das Thema könnte in den kommenden Wochen in den Ausschüssen der Gemeindevertretung eine Rolle spielen.

Die diskutieren über die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans von 1993, der sich auch mit der Straßenbahn beschäftigt. Der Entwicklungsplan wird am Donnerstag, 25. März, in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung (19 Uhr, Bürgerhaus) eingebracht. Eine Entscheidung für oder gegen die Straßenbahn wird auf keinen Fall gegen die Gemeinde Lohfelden getroffen. Nur die Gemeinde kann den Startschuss für das weitere Verfahren geben. Sie müsste KVG und NVV mit einer Vorstudie beauftragen, in der die wirtschaftliche und technische Machbarkeit untersucht werden. Die Kosten für die Studie muss die Gemeinde tragen. Von Holger Schindler

Das sagen NVV und KVG

„Wir versprechen uns von einer Tram-Anbindung positive Effekte“, sagt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Grundsätzlich stelle der NVV fest, dass Straßenbahnen von den Fahrgästen lieber und häufiger genutzt werden als Busse. „Für eine Gemeinde dieser Größenordnung ist die Tram auf jeden Fall interessant“, sagt Herms. Geprüft werden müsse konkret, was für Lohfelden sinnvoll sei. Man befinde sich noch ganz am Anfang des Entscheidungsprozesses. Auch die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) sieht großes Potenzial bei der Straßenbahn: Die Erfahrungen mit Baunatal und im Lossetal hätten gezeigt, dass man mit der Tram deutlich mehr Menschen für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs motivieren könne als mit dem Bus, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Straßenbahnen seien schneller. Außerdem sei ihre Fahrweise ruhiger, und die Fahrgäste hätten mehr Platz. Ab dem Jahr 2013 werde die KVG nur noch Niederflurbahnen einsetzen. Diese Fahrzeuge seien komfortabler und erheblich leiser als frühere Bahnen. Zu den Kosten für die Tram könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen. (hog)

Das sagen die Gegner

„Wir sind in der Lage, wieder zu agieren und die Bevölkerung schnell für das Thema zu sensibilisieren“, sagte Vorsitzender Jürgen Kirchner bei einer Sitzung des Regional Verkehrsvereins Lohfelden Ende Februar. Vor einer Entscheidung müssten auf jeden Fall die Bürger befragt werden, „in welcher Form, das überlasse ich der Kreativität des Gemeindevorstandes“. Eine Straßenbahn durch Lohfelden zu verhindern, sei weiter das erklärte Ziel des Vereins, der derzeit 39 Mitglieder hat. Er geht davon aus, dass schnell weitere Mitglieder hinzukommen, wenn das Thema Straßenbahn wieder verstärkt diskutiert werde. Eine Straßenbahn für Lohfelden sei „finanzieller Humbug“, so der Gegner weiter. Die Tram sei nicht notwendig, und für die Gemeinde werde es viel teurer. Denn die Busse müssten als Zubringer weiter fahren und auch bezahlt werden. Als Kompromisslösung kann sich Kirchner nur zwei Möglichkeiten vorstellen: entweder die Straßenbahn endet am Waldauer Weg Höhe Freibad Lohfelden. Oder sie wird weiter durch Lohfelden bis Vollmarshausen und Söhrewald gebaut. „Eine Einzellösung nur für die Lohfeldener Ortsteile Ochshausen und Crumbach macht keinen Sinn“, so Kirchner zur HNA. (hog)

 

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