Hohe Hürden erschweren Genehmigung

Gemeinden aus dem Kreis Kassel kämpfen für Zebrastreifen

+
Hier wünschen sich viele Espenauer einen Zebrastreifen: In der Goethestraße in Hohenkirchen gilt Tempo 30 und es gibt in Höhe der Sporthalle eine Fahrbahnverengung mit Insel. Trotzdem fahren den Bürgern viele Autos zu schnell. 

Einen Zebrastreifen, den wünschen sich Anwohner aus gleich drei Gemeinden im Landkreis Kassel. Doch so einfach ist das nicht, es gibt hohe rechtliche Hürden zu nehmen.

Espenau hat knapp 5000 Einwohner aber keinen einzigen Zebrastreifen. Was erstaunlich ist, wenn man sich zum Beispiel die Goethestraße im Ortsteil Hohenkirchen anschaut. 

An dieser einen Straße liegen zwei Einkaufsmärkte, eine Sporthalle, Tennisplätze, ein Kindergarten und eine Schule sowie eine Seniorenanlage. Fußgänger gibt es also reichlich. Wer als Autofahrer hier entlang fährt, sollte vorsichtig sein.

Espenau: Anwohner schildern, dass Autofahrer keine Rücksicht nehmen

„Uns haben aber vermehrt Menschen angesprochen, dass die Autofahrer wenig Rücksicht nehmen auf die Fußgänger“, sagt Susanne Baberuxki, Fraktionsvorsitzende der FWG Espenau. Trotz 30er-Zone und der Verengung der Straße mit einer Verkehrsinsel in Höhe der Grundschule. Deshalb hat nun die Gemeindevertretung den Gemeindevorstand damit beauftragt zu prüfen, ob es möglich ist, diese Verengung zusätzlich mit einem Zebrastreifen zu versehen.

Denn wer meint es reiche, einfach einen Eimer Farbe zu kaufen, weiße Streifen auf den Boden zu ziehen und ein Schild aufzustellen, der irrt. In Deutschland gibt es dafür Regelungen. Auf den Straßen gelten „die Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen“ und die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung“. Und die machen ziemlich viele Vorgaben. 

So dürfen Fußgängerüberwege nur angelegt werden:

  • innerhalb geschlossener Ortschaften
  • auf Straßen, wo maximal 50 gefahren werden darf
  • an Stellen, wo nur ein Fahrstreifen je Fahrtrichtung überquert werden muss
  • nur dort, wo auf beiden Fahrbahnseiten ein Gehweg oder ein weiterführender Fußweg vorhanden ist.

Aber: In Tempo-30-Zonen sind laut der Richtlinie Fußgängerüberwege in der Regel entbehrlich, auch wenn das der Bürger, wie in Espenau, vielleicht anders sieht. Obendrein gibt es noch genaue Vorschriften, wie viele Fahrzeuge und Fußgänger den Straßenabschnitt durchschnittlich pro Stunde passieren müssen, damit ein Fußgängerüberweg bewilligt wird.

Auch Zebrastreifen für Kaufungen abgelehnt - Anwohner fordern erneute Prüfung

Das trifft auch auf die Niester Straße in Kaufungen zu, wo ähnlich viel los ist wie an der Goethestraße in Espenau: Hier ist eine Wohnsiedlung mit vielen Familien, deren Kinder die Straße als Schulweg nutzen. Dazu kommen eine Tramhaltestelle und die alte Ziegelei. 

Im Jahr 2015 hatten Kaufunger bereits vehement einen Zebrastreifen nahe der Ziegelei gefordert. Ohne Erfolg. Der Grund: die Mindestzahlen seien nicht erreicht worden. Das wollten Anwohner nicht auf sich sitzen lassen und haben erneut eine Prüfung gefordert. Das Verfahren läuft derzeit.

Auch in Söhrewald wurde der Kampf um den Zebrastreifen verloren

Und manchmal hilft auch alle Gegenwehr nichts: Wie schwierig es ist, in einem Ort einen Zebrastreifen, Tempo 30 oder eine Ampel einzurichten, zeigt das Beispiel Söhrewald. Im Ortsteil Eiterhagen wollten Bürger den Kreuzungsbereich der Landesstraßen von Söhrewald und Quentel sowie nach Empfertshausen sicherer machen. Diese Straßen sind die Hauptverkehrsadern des Dorfes. 

Trotz Unterschriftenaktionen, mehreren Anträgen im Parlament und Schreiben an den Landkreis konnte keiner der drei Vorschläge umgesetzt werden. Lediglich zwei Fahrbahnteiler machen heute das Überqueren der Straße einfacher, da sich Fußgänger nur auf jeweils eine Richtung des Verkehrs konzentrieren müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.