Glasfaser statt Funk: Goetel übernimmt Kasseler Internetanbieter ACO

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Der Verbreitung von ACO im Landkreis Kassel: In insgesamt 72 Ortsteilen in 24 Gemeinden bietet die ACO als Breitband-Anbieter Internet via Funk an. 

Kreis Kassel. Ein weiterer Akteur schlägt auf dem nordhessischen Breitbandmarkt auf. Die Göttinger Firma Goetel hat zum 1. November den Kasseler Netzanbieter ACO-connect übernommen.

ACO hat Kunden im gesamten Landkreis und hatte mithilfe der Breitbandoffensive des Landes Hessen in den Jahren 2009 bis 2012 flächendeckend Funktechnologie für Internet installiert. Goetel will den Netzausbau in Nordhessen weiter vorantreiben und die Versorgung der Kunden verbessern, sagt Geschäftsführer Silas Bittmann. Dabei setzt Goetel klar auf Glasfaser.

„Netze auf Funkbasis sind nicht mehr so zukunftsfähig“, sagt Bittmann. Bereits kurzfristig solle, da wo möglich und dringend nötig, Glasfaser verlegt werden. „Momentan sind wir dabei diese Brennpunkte zu ermitteln“, so Bittmann. Dazu führe man Gespräche und stehe in Kontakt mit Bürgermeistern und Kommunen. Auch sei man dabei zu eruieren, welche Fördermöglichkeiten es gibt. „Aber darauf werden wir jetzt nicht warten“.

Die Kapazitäten, etwa im Bereich Tiefbau, seien bereits da, um Projekte kurzfristig umzusetzen und flächendeckend Glasfaser bis zum Kasten (FTTC) zu legen, damit seien rein rechnerisch dann schon Geschwindigkeiten von 250 Mbit/s möglich. Trotzdem bittet Bittmann um Verständnis, dass erst einmal Gespräche stattfinden und Genehmigungen eingeholt werden müssen. Zu gegebener Zeit sollen dann auch Haushalte angeschrieben werden, Neukunden akquiriert und Bürgerversammlungen stattfinden.

Denn: „Mittelfristig wollen wir die Infrastruktur auch so ausbauen, dass es Glasfaser bis ins Haus gibt“, sagt Bittmann. Die FTTH-Technologie ermöglicht deutlich schnellere Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabyte pro Sekunde für Privatkunden. Für einen so großen Netzausbau werde viel Kapital benötigt.

„Diese erheblichen Investitionen hätte die ACO alleine nicht mehr leisten können.“ Auch Goetel hatte dieses Kapital bis letztes Jahr nicht. Hinter Goetel steht aber seit November 2017 der Hamburger Investor Adiuva Capital. Dieselbe Adiuva, die mithilfe von Goetel auch die Netcom-Tochter und den hauptsächlich auf Funk setzenden Breitbandversorger OR Network kaufen will. „Adiuva verfolgt eine langfristige Wachstumsstrategie“, so Bittmann. Dazu gehöre es Werte zu schaffen und die Region zu stärken. Damit einher gehe auch ein klares Bekenntnis zum Standort Kassel, der weiter bestehen soll.

Als Beispiel für den Erfolg der Unternehmensstrategie führt Bittmann den Ausbau der Goetel und der Breitband-infrastruktur in Südniedersachsen an. Dort würde es sehr gut laufen und viele Projekte seien bereits angestoßen. Auch unternehmensintern setze man auf Expansion, alleine im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der Mitarbeiter von 15 auf 30 verdoppelt.

Zu den ACO-Bestandskunden sagt Bittmann: „Bei den Produkten bleibt erst einmal alles beim Alten“. Bereits sehr bald solle sich allerdings der Service verbessern. Dabei hoffe man auf Synergien durch die Verschmelzung von Goetel und ACO. „Wir sind uns bewusst, dass die ACO da vielerorts verbrannte Erde hinterlassen hat, unser Ziel ist daher ganz klar, die Kundenzufriedenheit zu verbessern.“

Hintergrund

ACO hat in den Jahren 2009 bis 2012 in Kooperation mit 24 nordhessischen Kommunen die Breitbandversorgung ausgebaut. Laut ACO-Internetseite war dazu eine Investition von über 7,5 Millionen Euro notwendig, in die auch Eigenmittel geflossen seien. Gegründet wurde ACO von Klaus Peter von Friedeburg. Friedeburg sei im gegenseitigen Einverständnis aus dem Unternehmen ausgeschieden und nur noch als externer Berater mit im Boot, wie Goetel-Geschäftsführer Silas Bittmann mitteilt. Die Goetel wurde 1998 gegründet, einer der ersten Kunden war im Jahr 2000 die Stadt Göttingen. Seit November 2017 gehört die Goetel zur Adiuva Capital. Die Hamburger Gruppe ist auf das Investment in mittelständischen Unternehmen spezialisiert. Adiuva Capital, hinter der die Verlegerfamilie Bauer steht, ist laut eigenen Aussagen derzeit an 13 Unternehmen aus verschiedenen Branchen beteiligt. Diese beschäftigen rund 3000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von über 200 Millionen Euro. 

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