„Gas geben, ganz ehrlich“

Glasfaserausbau in Niestetal: Kundenakquise von Götel läuft noch zwei Wochen

Niestetal – Gut zwei Wochen vor dem Ende der Kundenakquise am Freitag, 7. Februar, ist immer noch nicht klar, ob der Internetanbieter Götel in den Niestetaler Ortsteilen Heiligenrode und Sandershausen das Glasfasernetz ausbauen wird.

Technisch geht es dabei um Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (FTTH) mit Übertragungsraten bis zu 1000 MBit pro Sekunde.

Bei der vorerst letzten Informationsveranstaltung zum geplanten Breitbandausbau machte Götel-Mitarbeiter Markus Schaumburg zwar keine konkreten Angaben zum aktuellen Stand der Kundenakquise, sagte aber vor den 250 Besuchern im Rathaus deutlich: „Gas geben, ganz ehrlich.“

Markus SchaumburgGötel-Mitarbeiter

Tatsächlich fordert die Götel, dass rund 40 Prozent der Niestetaler bis zum 7. Februar einen Internetvertrag mit zweijähriger Mindestlaufzeit abgeschlossen haben – das sind 611 Aufträge für Heiligenrode und 717 für Sandershausen. Werde diese Quote nicht erreicht, werde Götel nicht ausbauen, „weil das ganze Vorhaben dann nicht mehr wirtschaftlich wäre“, sagte Schaumburg. Das Problem dabei: Weil in Heiligenrode Ende der 1980er-Jahre von der Deutschen Post noch dicke Fernsehkabel aus Kupfer verlegt worden waren, ist dieser Ortsteil bis heute mit schnellem Internet versorgt (Unitymedia, bis 400 MBit pro Sekunde).

Der Leidensdruck dort ist also nicht so hoch wie in Sandershausen, „wo ja in einigen Bereichen immer noch digitale Steinzeit herrscht“, sagte Bürgermeister Marcel Brückmann. So sei nachvollziehbar, dass die Sandershäuser ein größeres Interesse an einem Glasfaserausbau zeigten. Doch sei damit das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen: Zum einen betrachtet Götel beide Ortsteile isoliert. Werde die 40-Prozent-Quote nur in Sandershausen erreicht, werde die Götel auch nur dort ausbauen. Zum anderen ist es möglich, dass in Sandershausen die 40-Prozent-Quote sogar weit überschritten wird, sodass ein mögliches Quotendefizit in Heiligenrode mit einem Quotenüberhang aus Sandershausen kompensiert werden kann. „Auch dann können wir schauen, ob wir beide Ortsteile ausbauen“, sagte Schaumburg. In Sandershausen müssten dann 50 bis 60 Prozent zusammenkommen.

Brückmann hofft darauf, dass auch in Heiligenrode eine ausreichend hohe Akquisequote erreicht wird. Niestetal habe dann die Möglichkeit, bundesweit zu den ersten Kommunen zu gehören, die flächendeckend mit Glasfaser versorgt sind. „Falls die Götel doch nicht in Niestetal ausbaut, bleibt völlig unklar, wann Niestetal wieder solch eine Chance bekommt.“

Mit Blick auf Heiligenrode bemerkte Schaumburg, dass das aktuell vorhandene Unitymedia-Kupfernetz zwar jetzt noch zufriedenstellende Übertragungsleistungen biete, „dennoch werden Kupferkabel sehr bald an ihre Leistungsgrenzen stoßen.“ Grund sei, dass das Internet in immer mehr Lebensbereiche Einzug halte.

„Zum Beispiel Smart-Home: Mehr und mehr Haushalts- und Multimediageräte brauchen einen Internetanschluss“, sagte Schaumburg. Solche Geräte würden nicht nur in der Anzahl mehr, „sondern auch immer häufiger genutzt“. Das klassische Fernsehen werde zunehmend durch Streamingdienste und Mediatheken abgelöst. Heimarbeitsplätze machten hohe und stabile Bandbreiten erforderlich – gerade bei kaufmännischen, technischen oder gestalterischen Berufen. „Ein Kupferkabel stößt dann an Grenzen, ein Glasfaserkabel nicht.“

Götel hat ein eigenes Bauunternehmen

Die Firma Götel baut ihr Glasfasernetz in etwa 60 Zentimeter Tiefe aus. Das hat den Vorteil, dass bei Straßen- und Gehwegarbeiten oder bei Arbeiten an Versorgungsleitungen Beschädigungen an den Glasfaserkabeln weitgehend ausgeschlossen werden können. Die Hausanschlüsse werden von der Straße aus per Erdrakete unterirdisch bis ans Haus verlegt. Häufig muss nur an der Übergabestelle ein kleiner Schacht ausgehoben werden, um das Kabel durch die Hauswand in den Keller führen zu können. Die Platzierung des Hausübergabepunktes (HÜP) sowie des Hausverteilers (APL) erfolgt nach Absprache. Die hausinterne Verkabelung erfolgt nicht durch Götel. Ein Standard-200-MBit-Vertrag kostet 50 Euro im Monat, die Anschlusskosten liegen bei 300 Euro, die Freischaltung kostet noch einmal 100 Euro. Um Unterbrechungen, Verzögerungen und Bauausfälle beim Tiefbau wie zuletzt in Helsa-Waldhof zu vermeiden, hat Götel mit der Göttinger German Network Construction ein eigenes Bauunternehmen aufgebaut. Es kooperiert mit 14 Tiefbaufirmen, die über Baukontingente an die Vorgaben der Götel gebunden sind. Soll heißen: Götel hat Bauleistungen schon im Vorfeld eingekauft, die jederzeit abgerufen werden können – aktuell sind es rund 10 000 Anschlüsse für alle anstehenden Götel-Projekte.

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