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Glasfasernetz: Landkreis Kassel vergibt Aufträge an Götel und Städtische Werke

Glasfaser für schnelles Internet bis ins Haus.
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Glasfaser für schnelles Internet bis ins Haus: Wegen bürokratischer Hemmnisse hat der Landkreis Kassel nun nach drei Jahren Wartezeit die Aufträge für den Bau eines Glasfasernetzes in bislang völlig unterversorgten Bereichen des Landkreises sowie für 46 Schulen im Landkreis Kassel vergeben können.

Drei Jahre nach der ersten Beantragung von Fördermitteln beim Bund hat der Landkreis Kassel nun endlich die Auftragsvergabe für den Glasfaserausbau in bislang völlig unterversorgten Bereichen sowie für 46 Schulen abschließen können.

Kreis Kassel - Demnach werden nun das Göttinger Telekommunikationsunternehmen Götel sowie die Städtischen Werke Netz & Service aus Kassel die Aufträge für den Bau und den Betrieb der neuen Netze erhalten. „Die beiden Unternehmen haben uns zugesichert, dass der Ausbau bis zum Ende des Jahres 2021 abgeschlossen werden kann“, sagt Vizelandrat Andreas Siebert (SPD). Ausbauziel sind sogenannte FTTH-Anschlüsse. Die Haushalte bekommen also Glasfaser bis ins Haus, sodass Datenraten bis zu 1000 MBit pro Sekunde möglich sind.

Laut Vergabe werden die Städtischen Werke nun gewerbliche und private Anschlüsse in den Vellmarer Stadtteilen Ober- und Niedervellmar, Schulen in Baunatal-Altenbauna, Helsa, Lohfelden und Niestetal sowie die drei Kasseler Schulen des Landkreises (Herder-Schule, Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule und Willy-Brandt-Schule) ausbauen.

Alle übrigen Schulen und unterversorgten Gebiete im Landkreis wird die Götel übernehmen. Davon profitieren einzelne Bereiche in den Ortsteilen Helsas, Naumburgs, Niestetals, Vellmars, Wolfhagens und Zierenbergs (siehe Hintergrund). Dabei handelt es sich um Areale, die vom 2019 abgeschlossenen Breitbandausbau der Breitband Nordhessen nicht berücksichtigt werden konnten, weil sie schon einmal vom Land Hessen gefördert worden waren (Breitbandoffensive Hessen von 2009 bis 2012). In diesen Gebieten sind Datenraten von nach wie vor weniger als 30 MBit pro Sekunde Standard.

„Dabei handelt es sich oft um ehemalige ACO-Gebiete“, sagt Oliver Brunkow, Breitbandkoordinator beim Landkreis Kassel. Die Kosten für den Ausbau werden bei rund 7,85 Millionen Euro liegen. Bund und Land fördern das Vorhaben zu 90 Prozent, 10 Prozent der Kosten wird der Landkreis übernehmen. „Weil jetzt nur 46 der insgesamt 74 Schulen im Landkreis Glasfaser erhalten werden, werden wir den Rest in Eigenregie erledigen“, sagt Siebert. „Jede Schule wird also einen Glasfaseranschluss bekommen.“

Siebert betont, dass durch die jetzige Auftragsvergabe der Glasfaserausbau im Landkreis nun noch mehr Dynamik erhalte. „Aktuell sind ja schon vielerorts verschiedene Anbieter wie die Götel, die Deutsche Glasfaser und in Fuldabrück auch die Telekom damit beschäftigt, eigene Netze aufzubauen.“

Gleichwohl gebe es trotz der jetzigen Bundes- und Landesförderung immer noch Stellen, die deutlich unterversorgt seien. „Das liegt daran, dass im Zuge der Marktuntersuchung vor drei Jahren die ACO in einigen Bereichen noch Ausbaupläne angemeldet hatte, diese dann aber doch nie realisiert hat. Dennoch waren deshalb dem Landkreis damals aus marktrechtlichen Gründen die Hände gebunden gewesen, sodass diese Bereiche nun nicht in die Förderung einbezogen werden konnten“, sagt Oliver Brunkow.

Aber: „Weil die Götel nach der Übernahme der ACO Ende 2018 nun der Rechtsnachfolger der ACO ist, und das Unternehmen derzeit ohnehin in einigen Kommunen einen Glasfaserausbau umsetzt beziehungsweise noch umsetzen wird, könnten letztlich auch diese Lücken noch – quasi im Vorübergehen – geschlossen werden.“

Von diesem Mitnahmeeffekt würden voraussichtlich auch direkt anliegende Bereiche rechts und links der neuen Glasfaser-Trassen für die 46 Schulen profitieren können. „Das aber wird alleine Sache der Götel oder der Städtischen Werke Netz & Service sein.“

Trotz der hohen finanziellen Förderung durch Bund und Land sei der unfassbare bürokratische Aufwand zu kritisieren, sagt Vizelandrat Andreas Siebert (SPD). „Der Bundestag stellt viel Geld bereit, gleichzeitig werden bürokratische Hürden aufgebaut, die den Mittelabfluss verlangsamen und die Verfahren hinauszögern.“ So seien mit Blick auf den weiteren Glasfaserausbau im Landkreis Kassel allein zwischen der ersten Antragstellung bis jetzt zur Auftragsvergabe drei Jahre vergangen. „Und wir halten immer noch nicht die endgültigen Förderbescheide in den Händen. Wir haben bislang nur Zusagen.“

Damit es aber nicht weiter zu Verzögerungen komme, sei nun erneut ein Antrag gestellt worden, schon jetzt mit den Bauarbeiten beginnen zu dürfen, ohne dadurch die Förderung zu gefährden. „Normalerweise dürfen die Firmen erst anfangen, wenn wir die endgültigen Förderbescheide von Bund und Land vorliegen haben“, sagt Siebert. Das aber werde wohl noch etwas dauern. (Boris Naumann)

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