Fahrzeuge in der Landwirtschaft werden immer größer und breiter

Große Maschinen auf schmalen Wegen - Bauern mit Freizeitsportlern im Konflikt

So hat es Landwirt Andreas Glaßl schon erlebt: Er fährt mit seinem Mähdrescher auf dem Feldweg und ein Radfahrer (hier Lothar Schilling aus Immenhausen zur Verdeutlichung) geht nicht zur Seite und steht direkt vor der Maschine.
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So hat es Landwirt Andreas Glaßl schon erlebt: Er fährt mit seinem Mähdrescher auf dem Feldweg und ein Radfahrer (hier Lothar Schilling aus Immenhausen zur Verdeutlichung) geht nicht zur Seite und steht direkt vor der Maschine.

In der Natur treffen viele Interessen aufeinander. Ganz besonders wird das auf Feldwegen deutlich: Radfahrer, Spaziergänger, Hundebesitzer, Reiter – sie alle nutzen Wege, die jedoch in erster Linie landwirtschaftlichen Zwecken dienen. Das führt zu Konflikten.

Kreis Kassel – „Das Problem ist, dass vielen Menschen einfach nicht bewusst ist, auf welchen Wegen sie sich befinden“, sagt Kreislandwirt Jörg Kramm. „Sie denken, sie seien auf einem Radweg, auf dem andere Fahrzeuge nichts zu suchen haben.“ Reine Radwege rund um die Felder gebe es aber sehr wenige. „Die meisten Strecken sind ursprünglich für die Landwirtschaft da.“

Kramm appelliert deshalb an Freizeitnutzer, Toleranz und Verständnis aufzubringen. „Natürlich ist es nicht toll, wenn ich mit meinen Rad ausweichen und mit einer kurzen Hose in die Brennnesseln steigen muss, wenn mir ein Mähdrescher entgegenkommt. Aber es geht nicht anders, weil die Maschinen heutzutage so groß und unbeweglich sind, dass der Bauer weder zurückfahren noch ausweichen kann“, sagt Kramm. Vorausschauend zu sein, helfe. „Es gibt immer mal Einbuchtungen und Ecken am Wegesrand, wo sich der Radfahrer oder Jogger kurz platzieren kann, um den Bauern durchzulassen.“

Der Mähdrescher von Andreas Glaßl aus Immenhausen ist dreieinhalb Meter breit und vier Meter hoch. Mit Schneidwerk kommt er auf über 18 Meter Länge. „Das macht die Maschine sehr schlecht manövrierbar“, sagt Glaßl, der auch schon oft in Konflikte mit Radfahrern, Joggern oder Hundebesitzern geraten ist. „Da der Weg nur drei Meter breit ist, bin ich sowieso schon gezwungen, in die Bankette zu fahren“, sagt Glaßl. „Da nehme ich dann Schmutz auf, der wiederum die Wege verdreckt – und schon gibt es den nächsten Konflikt.“ Der Ton sei in der Vergangenheit immer rauer geworden, berichten die Landwirte. „Da wird man während der Arbeit auch schonmal als Arschloch bezeichnet“, sagt Herbert Glaßl, der als Lohnunternehmer im Landkreis beschäftigt ist. Auch Kreislandwirt Kramm berichtet von viel Unverständnis.

„Es gibt mehrere Gründe für die aufgeheizte Stimmung unter den Parteien: Die Bevölkerung hat sich im Lauf der Jahre immer mehr von der Landwirtschaft entfernt. Außerdem werden die Maschinen immer größer und der Zeitdruck ist gestiegen.“

Habe man sich früher öfter mal mit den Vorbeikommenden unterhalten, sei das jetzt nicht mehr so möglich. „Den Leuten ist manchmal gar nicht bewusst, dass wir auf dem Feld und rund um die Flächen an der Arbeit sind. Die, die uns begegnen, gestalten aber gerade ihre Freizeit.“ Rücksicht sei deshalb mehr als angemessen.

Der Freizeitwert sei insgesamt gestiegen, deshalb befänden sich immer mehr Menschen auf den Wegen in der Natur. „Es ist egal, ob ich im Januar um fünf Uhr morgens unterwegs bin oder im Sommer um drei Uhr nachmittags – ich treffe immer jemanden“, sagt Kramm. Das zeige, dass oft viele verschiedene Interessen auf den Feldwegen zusammenkommen.

Weiteres Konfliktpotenzial biete sich, wenn der Bauer nicht mit Maschinen unterwegs ist, sondern mit dem Auto. „Viele denken nicht daran, dass wir auch mal so zum Feld fahren müssen und fragen sich, was ein Pkw auf den Wegen zu suchen hat“, sagt Kramm.

Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel, berichtet von ähnlichen Situationen. „Manche Verhaltensweisen machen mich sprachlos. Vielen geht es einfach nicht in den Kopf, dass wir Landwirte unsere Arbeit machen müssen.“ Es müsse mehr Rücksicht aufeinander genommen werden. (Theresa Novak)

Kommentare

JohanAntwort
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🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣

AnhaltinerAntwort
(0)(2)

Das ist keine Pauschalierung!
Das ist einfach nur die Kenntnis dieses „Bevölkerungsstamms“ hier.
Und seien Sie versichert, das hessische Wappen werde und würde ich NIE nutzen.
Das tägliche Theater mit den Radfahrern kenne ich nur zu gut.
Aber ich kann Ihnen versichern meinen Hund oder mich fährt niemand mehr an.
Ich, bzw wir, sind sehr gut vorbereitet!

Hardy TügelAntwort
(0)(1)

Bis auf den letzten Satz bin ich voll ihrer Meinung. Aufregen und Meckern kommt nicht von "selbst ernannten Naturverstehern". Das sind i. d. R. Bewohner von Ortsrand-Neubausiedlungen. Mal ist es der Drusch bis in die Nacht weil am nächsten Tag Regen erwartet wird, das andere mal ist es der Güllegestank der für manche scheinbar unerträglich ist, besonders wenn auf dem Grill das Fleisch liegt welches vor dem Lebensende diese Gülle produzierte.

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