1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

Gute Saison für die Honigbiene im Landkreis Kassel

Erstellt:

Von: Amira Sayed El Ahl

Kommentare

Das Bild zeigt einen Imker, der gerade eine Wabe aus einem Bienenstock genommen hat. Der Imker trägt die übliche weiße Schutzkleidung mit Kopfbedeckung.
Seine Ernte war besonders gut: Jürgen Bröckers Bienenvölker haben vor allem im Frühjahr besonders viel Honig produziert. © Amira El Ahl

Felizitas und Jürgen Bröcker mussten in diesem Jahr eine Extraschicht einlegen, um ihren Honig abzufüllen.

Kreis Kassel - Denn wie die meisten Imker in Hessen haben auch sie in diesem Jahr wesentlich mehr Honig geerntet als im letzten Jahr. Grund für die gute Ernte waren ideale Bedingungen zur richtigen Zeit, sagt Jürgen Bröcker. Der Hobby-Imker aus Kassel hat in diesem Jahr bis zu 30 Kilo Honig pro Volk geerntet. „Das ist schon erstaunlich“, sagt Bröcker, der Bienensachverständiger des Imkervereins Kassel für den Landkreis Kassel ist. Im Vorjahr lag die Ernte im Durchschnitt nur bei 15 bis 20 Kilo.

Damit die Bienen genügend Nektar sammeln können, müssen viele Faktoren stimmen. Im vergangenen Jahr sei es während der Rapsblüte sehr kühl und nass gewesen, sagt Bröcker. „Bienen fliegen aber erst bei 12 bis 15 Grad raus.“

In diesem Jahr habe es kurz vor der Blüte geregnet. „Der Boden war feucht, und dann wurde es warm“, sagt der 54-Jährige. So habe der Raps viel Nektar aufsetzen können, aber eben nicht nur der, sondern auch Löwenzahn, Erdbeeren und andere Pflanzen hätten von den Bedingungen profitiert – und von dem großen Angebot an Nektar in der Folge dann auch die Bienen.

Das trockene Wetter habe den Bienen zudem geholfen, den gesammelten Nektar einzudicken. „Der Nektar besteht zu 90 Prozent aus Wasser und zu 10 Prozent aus Blütenpollen“, erklärt Bröcker. „Das Wasser muss raus, damit Zucker übrig bleibt.“ Der Wassergehalt müsse von den Bienen unter 20 Prozent gebracht werden. Da kam das trockene Wetter wie gerufen.

Das zeigt sich auch in der Konsistenz des diesjährigen Honigs, den die Bröckers bereits abgefüllt haben. Weiß durchzogen ist er und so trocken, dass er sich teilweise vom Rand des Glases löst.

Auch bei Imker Michael Reiter in Martinhagen war die Ernte in diesem Jahr signifikant besser als im vergangenen Jahr. „Das Wetter war so, dass die Bienen unglaublich viel fliegen konnten und die Pflanzen im Frühjahr viel Nektar gegeben haben.“ Doch die nun schon Wochen andauernde Trockenheit ist auch für die Bienenvölker ein Problem. „Es ist jetzt die Frage, wie die Bienen aus dem Winter kommen“, sagt Reiter. Denn jetzt sei die Zeit, wo die Bienen für sich sammeln, um genug Pollen für den Winter zu haben. „Es wächst kaum noch was nach, die Flächen sind braun und das Pollenangebot einfach nicht mehr gut“, sagt Reiter, der seine 70 Völker nach Bio-Richtlinien hält. Er hat Sorge, dass die Völker durch den Eiweißmangel nicht gut durch den Winter kommen. „Honig kann man durch Zuckerwasser ersetzten, aber das Eiweiß aus den Pollen können wir nicht ersetzen“, sagt Reiter.

Auch Günter Siebrecht aus Ahnatal ist nicht euphorisch, was dieses Honig-Jahr angeht. „Es gab schon bessere Jahre“, sagt Siebrecht, der seit 1985 Bienenvölker hat und zehn Jahre lang Vorsitzender des Imkervereins Kassel war. Die Frühjahrstracht sei zwar besser als im vergangenen Jahr gewesen, aber dafür die Sommertracht weniger gut. „Die Qualität ist aber nicht schlecht, der Honig sehr trocken“, sagt der 80-Jährige. Aber auch wenn die Trockenheit den Bienen dabei geholfen habe, die Feuchtigkeit im gesammelten Nektar schnell zu verringern, sei es jetzt seit Wochen einfach zu trocken. „Man muss differenzieren, die Trockenheit hat sich auch schon negativ auf den Sommerhonig ausgewirkt.“

Große Sorgen, dass seine Völker wegen der Trockenheit nicht über den Winter kommen, hat er zwar nicht, aber auch er sagt: „Der Regen muss endlich mal kommen.“ Am besten eine Woche lang ein schöner, durchgängiger Landregen.

Von Amira El Ahl

Auch interessant

Kommentare