Er sieht sein Paradies in Gefahr

Gutsherr von Freienhagen befürchtet mehr Lärm durch neue Bergshäuser Brücke

Auf dem Esstisch von Felix-Michael von Hertell liegt eine historische Karte. Sie zeigt die Fulda, die sich zwischen den Bäumen der Söhre, wenigen Häusern eines Anwesens und einen angelegten Park schlängelt.

Felix-Michael von Hertell auf seinem Gut Freienhagen bei Fuldabrück. Ihn stört, dass die Bergshäuser Brücke, die im Hintergrund zu sehen ist, bald südlich verlaufen soll. Das störe erheblich den Reiterhof des Guts und bedeute wahrscheinlich mehr Lärm aufgrund der Windrichtung und dem Echo der Söhre.

Keine Autobahnbrücke durchschneidet dieses Idyll, keine alte und keine neue. Für von Hertell ist Gut Freienhagen immer noch ein Paradies, aber das könnte sich bald ändern, befürchtet er.

Der 60-Jährige ist der Gutsherr des Anwesens, das sein Urgroßvater vor 140 Jahren gekauft hatte. Heute durchkreuzt die Bergshäuser Brücke die Aussicht von seiner Terrasse. Das Rauschen der Lastwagen ist zu hören. Aber da der Wind oft aus Richtung Südwest komme, stört das den Gutsbesitzer bisher wenig. Was ihn stört, ist, dass die neue Brücke nun südlich gebaut werden soll. „Viele profitieren davon, aber eine Reihe wird in Mitleidenschaft gezogen.“

Zum Gut Freienhagen gehört neben der Anlage direkt an der Fulda ein Reiterhof mit Wohnhaus oberhalb der Landstraße nach Denn-/Dittershausen und ein Haus im Wald, unterhalb an der Landstraße. Insgesamt wohnen in den Gebäuden laut von Hertell knapp 40 Leute – 8 davon aus der Familie, der Rest ist vermietet. Zudem gehört von Hertell der Großteil der landwirtschaftlichen Flächen in der Fuldaschleife.

Am direktesten betroffen wäre der Reiterhof, zeigt von Hertell auf einer aktuellen Karte der Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, kurz Deges. Bei der beschlossenen Südvariante würde die Brücke quasi direkt über dem Reiterhof verlaufen. Nachdem die HNA berichtete, dass diese Variante beschlossen ist, hätte um 8.15 Uhr schon das Telefon auf dem Hof geklingelt – Anrufe von verunsicherten Pferdebesitzern. „Wer will schon neben der Autobahn reiten?“, fragt sich der Gutsherr. Die neue Brücke bedeute eine „unmittelbare optisch bedrohende Wirkung“, sagt er. Das Reitareal sei dann nicht mehr nutzbar. Er kritisiert auch, dass die Brücke nach überarbeiteten Plänen noch näher an die Reitanlage gerückt ist.

Und noch etwas bereitet ihm Sorge: „Die Söhre ist ein Resonanzkörper, der Schall ist hier ein sensibles Thema“, erklärt er und zeigt eine weitere Karte der Deges, die die Ausbreitung des Lärms der neuen Brücke prognostiziert. Das Anwesen direkt an der Fulda liegt genau zwischen dem roten Lärmbereich und dem neutralen, weißen Bereich. Doch von Hertell vermutet, dass ohne den Schall, den die Söhre zurückwerfe, gerechnet wurde. „Für uns ist die A 7 jetzt schon lauter als die A 44.“

Von Hertell ist mit seiner Kritik nicht allein. Auch Katharina Parisius passt die neue Variante nicht. Sie wohnt im südlichen Teil von Bergshausen, am Eichenhang. Von der aktuellen Brücke höre sie nur den Lärm, das Bauwerk sehe sie nicht. „Ich gucke in die weite Natur“, sagt Parisius. Auch das könnte sich ändern. Die neue Brücke weiter südlich sei für sie auch eine optische Bedrohung, „außerdem halbiert das die Grundstückspreise“. Als nach der Entscheidung für die Südvariante Bürgermeister Dieter Lengemann in der HNA sagte, es sei ein ���guter Tag für Bergshausen“, habe sie sich nicht angesprochen gefühlt. Jetzt überlegen von Hertell und Parisius, ob sich zusammen mit anderen eine frühere Bürgerinitiative wieder reaktivieren ließe. „Die Bestandsvariante wäre unsere liebste Option“, sagt von Hertell, der glaubt, dass der jetzige Lärm hauptsächlich von dem Bauwerk an sich ausgeht. Zumindest wünscht er sich, dass sich die neue Brücke mit der Planung wieder so weit von der Reitanlage entfernt, dass sie den Betrieb nicht gefährdet.

Der aktuell geplante Brückenverlauf ist für den Gutsherren jedenfalls das Ende des Paradieses. Kommt die Brücke wie geplant, so sieht er sich und seine direkten Nachbarn zudem zehn Jahre lang auf einer Doppelbaustelle leben.

Rubriklistenbild: © Valerie Schaub

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