Persönliche Daten von Gremmels und Dilcher veröffentlicht

Hackerangriff: Auch Politiker aus Nordhessen von Datendiebstahl betroffen

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Hackerangriff: Auf einem Twitter-Profil wurde auf gestohlene Daten von Politikern verlinkt. Bei dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente sind persönliche Daten und Dokumente von hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Netz veröffentlicht worden.

Von dem Online-Angriff auf Hunderte Politiker und Prominente sind auch Politiker aus Nordhessen betroffen. Auch von den SPD-Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels und Esther Dilcher wurden Daten veröffentlicht.

Auf den Listen finden sich auch die Namen mehrerer Parteichefs und Bundestagsabgeordneter aus Hessen. Zu den veröffentlichten Daten zählen unter anderem Adressen, Telefonnummern oder Chat-Verläufe. Die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz warnte am Freitag in Berlin zudem, es könnten auch gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein.

Ein Sprecher des hessischen Innenministeriums bestätigte, dass auch Politiker aus dem Land Ziel der Hackerangriffe waren. Die Bundesbehörden und die hessischen Sicherheitsbehörden stünden in engem Austausch und ermittelten. Das Landeskriminalamt (LKA) nehme eine sogenannte Gefährdungsbewertung bei den Betroffenen vor. Falls diese vorliege, würden entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet. (mit dpa)

Auch Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels betroffen

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sind massenweise persönliche Daten von hunderten Politikern und Prominenten im Internet veröffentlicht worden. Unter den Betroffenen ist auch der heimische Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels, der auf der Plattform darüber berichtete.

Im Gespräch erzählte er uns von den Vorgängen und was jetzt getan werden müsse.

Wie haben Sie von dem Datenleck erfahren?

Timon Gremmels: Gestern Abend hat mich eine Bundestagskollegin informiert. Es ist auffällig, dass nur Vertreter von der AfD verschont wurden. Betroffen sind alle anderen Parteien sowie kritische Künstler und Medienschaffende aus dem mitte-links Spektrum. Das ist ein Angriff auf unsere Demokratie, den wir aufs Schärfste zurückweisen müssen.

Welche persönlichen Daten von Ihnen wurden veröffentlicht?

Gremmels: Ich hatte Glück. Bei mir wurde „nur“ meine private Mailadresse veröffentlicht. Bei anderen Kollegen waren es persönliche Daten wie Handy- oder Kreditkartennummern, Familienbilder und andere vertrauliche Dokumente. Ein echt mulmiges Gefühl, nicht zu wissen wer im Besitz der ganz persönlichen Daten ist.

Was muss die Bundesregierung jetzt tun?

Gremmels: Das Ausmaß ist bisher unbekannt und auch wer dahintersteckt. Die Sicherheitsbehörden wurden eingeschaltet und haben die Ermittlungen aufgenommen. Die SPD-Bundestagsfraktion hat für Anfang nächster Woche eine Sondersitzung des Digitalausschusses beantragt. Aufklärung steht jetzt an erster Stelle. Parallel dazu werde ich noch sorgsamer mit meinen Daten umgehen und sie besser schützen.

Timon Gremmels, SPD-Bundestagsabgeordneter

Esther Dilcher ebenfalls Opfer der Hacker-Attacke

Handynummern, Dokumente und Kontaktdaten vieler Bundes- und Landespolitiker sind im Internet verbreitet worden. Woher die Daten stammen, weshalb sie gestohlen und öffentlich gemacht wurden, ist aktuell unklar. Von der Hacker-Attacke betroffen ist auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher aus Hofgeismar. Auf dem Nachrichtenkanal Twitter wurde ihre private E-Mail-Adresse veröffentlicht. 

Dass die Sozialdemokratin ebenfalls zu den Opfern des Hacker-Angriffs zählt, erfuhr sie von der HNA. Auf die Veröffentlichung ihrer Mail-Adresse reagierte sie gefasst. „Die Adresse kennt eh jeder“, sagte sie. Gleichgültig ist ihr der Vorfall jedoch keineswegs. Für die Sicherheit von Daten, die über das Internet verbreitet werden, könne Deutschland nicht alleine sorgen. Da brauche es zumindest europäische Lösungen, lautet ihre Forderung. Schließlich befänden sich viele Provider im Ausland. Die Sicherheitslücken seien ein großes Problem. „Wir können auf sie nur reagieren und hängen eigentlich immer einen Schritt hinterher.“ 

Esther Dilcher, SPD-Bundestagsabgeordnete

Davon ab trage aber auch jeder selbst dafür Verantwortung, welche Informationen er von sich im Internet preisgebe. Sie selbst habe ihre Bankgeschäfte bislang am Schalter abgewickelt. In den vergangenen Tagen hatte sie sich verstärkt mit dem Thema Online-Banking beschäftigt und einen Umstieg erwogen. „Das werde ich nun aufgrund des Vorfalls noch einmal gründlich überdenken.“ 

Grundsätzlich agiere sie mit der Veröffentlichung ihrer Daten im Netz eher zurückhaltend. „Ich habe hinsichtlich der Sicherheit im Netz meine Zweifel“, sagt die Hofgeismarerin. Sie bemühe sich, lediglich Informationen übers Internet auszutauschen, die in keinerlei Hinsicht heikel seien. Dass man da auch an Grenzen stoße, sei ihr bewusst. So verfüge sie über ein Spiegel-Online-Abo, bei dem die Abrechnung übers Internet erfolge. 

Nachdem der Vorfall am Donnerstag bekannt wurde, habe der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion die Abgeordneten am Freitag über die Datenlücke informiert und Handlungsempfehlungen gegeben. „Wir wurden aufgefordert, unsere Passwörter immer wieder zu ändern und Passwörter nie doppelt zu benutzen.“ Sie habe es sich in zu eigen gemacht, wichtige Dokumente in Papierform auszutauschen und nicht als Mail-Anhang zu senden.

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