Gemeindeparlament vertagt Entscheidung über Zukunft der Einrichtung in Rothwesten

Haus Posen auf der Kippe

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Ungewisse Zukunft: das Haus Posen.

Fuldatal. Die Entscheidung über Wohl und Wehe des Hauses Posen mit dem Museum Währungsreform 1948 ist vertagt. Eine große Mehrheit im Fuldataler Gemeindeparlament einigte sich am Mittwochabend darauf, eine Machbarkeitsstudie lediglich zur Kenntnis zu nehmen, die die Aufgabe des Hauses auf dem Gelände der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne nahelegt.

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An der Wiege der D-Mark

Der Gemeindevorstand wurde beauftragt, „das Währungsmuseum für die Gemeinde kostenneutral zu erhalten“. Dazu soll noch einmal Kontakt mit der Museumslandschaft Nordhessen, dem Kasseler Stadtmuseum und dem Vorstand der Deutschen Bundesbank aufgenommen werden.

Mit allen dreien hatte die Gemeinde bereits im Vorfeld über das Museum in Rothwesten gesprochen, wie Bürgermeisterin Anne Werderich während der Sitzung mitteilte. „Alle zeigten sich interessiert.“ Das sei es aber auch gewesen. Lediglich die Bundesbank habe 25.000 Euro für die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes zur Verfügung gestellt. Das Geld werde auf einem eigenen Konto verwahrt.

Diese Summe reiche aber bei weitem nicht aus. 350.000 Euro koste die Sanierung mit dem Bau eines zweiten Fluchtweges, dem Einbau einer Heizung. Dieses Geld habe die Gemeinde aber nicht.

Zwei Damen vom Hessischen Museumsverband, die über mögliche Zuschüsse entschieden, hatten laut Werderich bemängelt, dass es im Haus Posen nicht genug Original-Exponate für ein eigenständiges Museum gebe. Das Konklave, bei dem die D-Mark aus der Taufe gehoben wurde, habe nun einmal „unter größter Geheimhaltung stattgefunden, daher gibt es auch keine Dokumentationen“.

Das Museum lebe vom Vortrag des Leiters und Einzelkämpfers Bernd Niesel sowie der Authentizität des Ortes, meinte Werderich. Verlagere man die vorhandenen Exponate – zum größten Teil Leihgaben – „verliert es an Bedeutung“.

„Wir haben immer für das Museum gekämpft“, betonte Klaus-Dieter Sänger (FDP). Eine Lösung könne seine Fraktion aber auch nicht präsentieren. „Wir sind auf dem Boden der Realität angekommen. Das Wünschenswerte ist wirtschaftlich nicht mehr darstellbar“, sagte Thomas Ackermann (Grüne). Jetzt gebe es nur noch wenig Hoffnung.

Karsten Schreiber (CDU) sah hingegen den Zug noch nicht abgefahren. Er setze auf bürgerschaftliches Engagement, so solle die Gemeinde eine Bürgerversammlung einberufen. „Uns bleibt Zeit bis Februar“. Für Fraktionskollege Clemens Schöler ist zum Beispiel die Bundesbank in der Pflicht: „Das ist ein Museum für Deutschland.“

Die Hoffnung wollte auch Irene Sonnenschein-Ebbrecht (SPD) nicht aufgeben: „Diese Geschichte muss in Fuldatal bleiben.“ Anders Diethelm Schultz (SPD): „Wir sollten uns nichts vormachen, mit Realpolitik hat dies nichts zu tun.“

Hintergrund: Studie ermittelt mögliche Kosten

Die Machbarkeitsstudie des Kasseler Büros Bankert & Linker geht davon aus, dass zur Sanierung des Hauses Posen kurzfristig 350 000 Euro, mittelfristig sogar 1,6 Millionen Euro erforderlich sind. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten von 59 613 Euro. Das Museum Währungsreform nutzt das zweite Obergeschoss im Haus Posen. Für Keller und zwei Geschosse, die leer stehen, sei keine Nutzung in Sicht.

Das sagt der Museumsleiter

„Das wichtigste Original des Museums Währungsreform 1948 ist das Haus Posen selbst“, betont Museumsleiter Bernd Niesel. Daher müsse die Ausstellung zum Konklave in Rothwesten am Ort erhalten bleiben. „Das Brandenburger Tor nimmt man ja auch nicht aus Berlin raus und bringt es nach Stuttgart.“

Wenn die Gemeinde das Haus nicht übernehmen könne, sollten andere Optionen geprüft, ein Verein, ein Freundeskreis oder eine Stiftung ins Leben gerufen werden, die das Museum trügen. Bis zu einer solchen Lösung „sollte die Tür nicht zugeschlagen werden“. Niesel hofft auch, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der das Haus gehört, hilft, das Museum zu erhalten.

Einen Umzug in das Dorfgemeinschaftshaus Rothwesten lehnt Niesel ab. „Dort ist zu wenig Platz.“ (mic)

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