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Helfer am Beckenrand im Kreis Kassel gesucht

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Von: Michaela Pflug

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Die Studenten Yunus Ulas und David Wendland trainieren im Auebad für das Rettungsschwimmerabzeichen. Ulas hat sich bereits umgezogen, um anschließend die Rettung in Kleidung zu üben.
Die Studenten Yunus Ulas und David Wendland trainieren im Auebad für das Rettungsschwimmerabzeichen. Ulas hat sich bereits umgezogen, um anschließend die Rettung in Kleidung zu üben. © Michaela Pflug

Rettungsschwimmer sind im Ernstfall zur Stelle, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Eine wichtige Aufgabe, die immer weniger Menschen im Landkreis erfüllen wollen.

Kreis Kassel – Ein Rettungsring fliegt durch die Luft und verfehlt das Ziel gleich um mehrere Meter – in diesem Fall kein Problem. Denn im Kasseler Auebad trainieren angehende Rettungsschwimmer für den Ernstfall. Menschen wie sie, werden gesucht.

Zum Beispiel im Waldschwimmbad Wattenbach, wo sich seit Monaten niemand findet. „Vielleicht liegt es an der Lage“, sagt Fördervereinsmitglied Gisela Grunert. Es sei doch eigentlich ein gut bezahlter Ferienjob. Es hilft auch nicht, dass die DLRG-Gruppe Söhrewald selbst ausbildet. „Seit der Pandemie, in der viele Bäder geschlossen waren, ist es schlimmer geworden“, sagt David Schliestädt. Einige hätten sich aufgrund der Corona-Zwangspause anderen Hobbys gewidmet. Auch die an der nötigen Fitness mangele es manchmal. Ein weiteres Problem: „Am Beckenrand stehen und Aufsicht führen, wollen die wenigsten. Meistens geht es darum, dass sie den Rettungsschwimmer für ihren Arbeitgeber, wie etwa das Schulamt brauchen“, sagt Schliestädt.

Eine Beobachtung, die auch Gunnar Ranft vom DLRG Baunatal gemacht hat. „Gut 90 Prozent, die in Baunatal zum Rettungsschwimmer ausgebildet werden, brauchen den Schein für den Arbeitgeber oder die Uni.“ Für die Baunataler Bäder würden Rettungsschwimmer dringend gesucht. „Vielleicht hätte man früher Werbung machen müssen“, sagt Ranft. Er vermutet aber auch, dass manche die Verantwortung scheuen. „Viele junge Leute sind zusätzlich auch sehr eingespannt mit Schule, Ausbildung und Uni“, sagt Ranft. So sei es schwierig, Übungsleiter zu finden, für die viel gefragten Schwimmkurse.

Auch in Fuldatal kennt man diese Sorgen, es fehlen Rettungsschwimmer. „Der Nachwuchsmangel nimmt zu“, sagt Tobias Volland von der örtlichen DLRG. Für das Ehrenamt ließen sich junge Menschen immer schwerer begeistern. Außerdem gebe es einen pandemiebedingten Ausbildungsstau, den man nur langsam beseitigen könne. Kompliziert werde es, wenn man zudem um Nutzungszeiten im Bad und Fördermöglichkeiten kämpfen müsse.

„Es fehlt nicht nur an Rettungsschwimmern, sondern auch an Kursen“, sagt Christoph Loose. Das spüre auch die DLRG Lohfelden-Fuldabrück, die den Kurs im Auebad anbietet. „Wir hatten im letzten Sommer sogar Teilnehmer aus Fulda. Aktuell liegen Anfragen von Lehrkräften aus Niedersachsen vor.“ Die Gruppe, die er heute trainiert, sind Kasseler Lehramtsstudenten. Sie absolvieren den Rettungsschwimmer-Kurs durch eine Kooperation von Uni und DLRG semesterbegleitend als Wahlmodul, erklärt Loose. Am Ende legen auch sie die Prüfung für das Rettungsschwimmabzeichen ab, halten aber zusätzlich auch Kurzreferate, erfahren mehr über schulische Vorgaben und die Einbindung des Schwimmens in den Sportunterricht. Ein Vorteil, so Loose: „Wenn die Studierenden das Abzeichen während des Studiums absolvieren, stehen mehr Plätze für die Bevölkerung in den Kursen zur Verfügung.“

Denn außerhalb des Unterrichts am Beckenrand stehen, wollen die Studenten nicht. Zu viel Verantwortung, sagt einer aus der Gruppe, die meisten nicken. Nur Niklas Langlotz könnte es sich vorstellen. Er war schon in seiner Heimat Duderstadt (Niedersachsen) aktiv: „Ich habe für das Abi Schwimmen trainiert und mich hat jemand angesprochen.“ Eine Saison absolvierte er in einem kleinen Seebad. Eine gute Sache, wie er sagt, und selten so spektakulär wie im Training: „Ich habe höchstens mal Pflaster auf Schnittwunden geklebt“.

In den Semesterferien in der Heimat aushelfen, das könne er sich vorstellen. Allerdings nicht unbedingt in einem wuseligen und vollen Bad wie in der Aue.

So wird man Rettungsschwimmer

Rettungsschwimmerkurse bieten fast alle DLRG-Ortsgruppen im Umkreis an. Ein Kurs umfasst 16 Unterrichtseinheiten á 45 Minuten und beinhalten Praxis und Theorie. Wer sich als Badeaufsicht engagieren will, der braucht das Rettungsschwimmabzeichen Silber. Die Voraussetzungen sind unter anderem: 400 Meter Schwimmen in maximal 15 Minuten, 300 Meter Schwimmen in Kleidung in max. 12 Minuten, ein Sprung aus 3 Metern, 25 Meter Streckentauchen, dreimal Tieftauchen (zwischen 3 und 5 Metern), 50 Meter Transportschwimmen in max. 90 Sekunden, Fertigkeiten zur Vermeidung von Umklammerungen zeigen, 50 Meter Schleppen in max. 4 Minuten (in Kleidung), Handhabung und Einsatz eines Rettungsgeräts, eine kombinierte Übung mit Sprung kopfwärts ins Wasser, 20 Meter Anschwimmen in Bauchlage, Abtauchen, Heraufholen eines 5-Kilogramm-Tauchrings oder eines gleichartigen Gegenstandes, Lösen aus einer Umklammerung durch einen Befreiungsgriff, 25 Meter Schleppen, sichern und an Land bringen des Geretteten, 3 Minuten Durchführung der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Die theoretische Prüfung umfasst die Themen: Nachweis von Atmung und Blutkreislauf, Gefahren am und im Wasser, Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen, Vermeidung von Umklammerungen, Rechte und Pflichten bei Hilfeleistungen, Rettungsgeräte, Aufgaben und Tätigkeiten der DLRG. Auch einen Erste-Hilfe-Kurs, der nicht älter als zwei Jahre ist, brauchen potenzielle Retter. mia

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