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200 Einsatzkräfte üben Ernstfall im A44-Tunnel Hirschagen

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Von: Kim Henneking

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Üben für den Ernstfall: In der nicht betroffenen Röhre des Tunnels Hirschhagen rücken verschiedene Einsatzkräfte an.
Üben für den Ernstfall: In der nicht betroffenen Röhre des Tunnels Hirschhagen rücken verschiedene Einsatzkräfte an. © kim henneking

Unfälle, ein Brand und Verletzte: Was zu tun ist, wenn in Deutschlands zweitlängstem Autobahntunnel Hirschhagen bei Helsa Unglücke passiert sind, haben etwa 200 Einsatzkräfte am Samstag geübt.

Helsa – Rauch wabert durch den Tunnel. Ein Warnsignal ertönt. Die Schranken am Portal schließen sich, Ampeln und Stautafeln leuchten rot auf. Ventilatoren saugen den Rauch an die Decke und zu einem Lüftungsschacht. Die Rettungswege sind hell erleuchtet und eine laute Stimme verkündet in mehreren Sprachen: „Brand im Tunnel. Verlassen Sie Ihr Fahrzeug.“

Was an diesem Samstag eine Übung ist, soll Rettungskräfte der Landkreise Kassel und Werra-Meißner auf einen Ernstfall im zweitlängsten Autobahntunnel Deutschlands vorbereiten. Das Szenario: Etwa auf der Hälfte des 4,2 Kilometer langen A 44-Tunnels Hirschhagen hat sich in der Südröhre ein Unfall ereignet. Zwei Autos sind kollidiert, dahinter hat sich ein Stau gebildet. Am Stauende gab es einen Auffahrunfall, bei dem ein Auto in Brand geraten ist.

In einem solchen Fall werden jeweils zwei Wehren von beiden Seiten der Tunnelportale alarmiert, sagt Sebastian Mazassek, Kreisbrandinspektor des Landkreises Kassel. Das sind die Wehren Helsa und Kaufungen sowie Hessisch Lichtenau und Waldkappel. Die Einsatzkräfte fahren von beiden Seiten in die Nordröhre ein, die nicht vom Unfall betroffen ist.

Wo sie hinmüssen, zeigt ihnen die 30 Millionen Euro teure Tunneltechnik. „Das System muss auf den Meter genau erkennen, wo der Brand ist“, sagt Bernhard Klöpfel, Außenstellenleiter der Autobahn GmbH. Sensoren messen Rauch, Hitze und Verkehrsgeschwindigkeit. Einen Einblick in den Tunnel geben Kameras, die mit Computern in der oberirdischen Tunnelwarte verbunden sind.

Sind die Einsatzwagen in der Nordröhre am Unfallort angekommen, können sie über Verbindungstunnel in die Südröhre gelangen. 15 Querungsmöglichkeiten gibt es, eine etwa alle 300 Meter. Sieben davon können mit Rettungsfahrzeugen befahren werden. „Beim Einsatz im Tunnel gibt es für die Feuerwehren die Besonderheit: Erst löschen, dann retten“, sagt Mazassek. Damit die Tunnelstruktur nicht beschädigt wird, muss ein Feuer innerhalb von 90 Minuten gelöscht werden. „Das ist für die Feuerwehrleute bitter, denn die ersten müssen an den Verletzten vorbeigehen.“

Feuerwehrleute mit Atemschutzausrüstung sind in einem Tunnel im Einsatz.
Tempo ist angesagt: Ein Löschtrupp eilt mitsamt Schlauch zu einem brennenden Auto. © Henneking, Kim

So betreten an diesem Tag zwei Atemschutzträger den Tunnel mit Suchstöcken und Markierungsleuchten. „Normalerweise tragen sie nur eine Atemluftflasche, im Tunnel sind es zwei“, sagt Mazassek. Mit den Stöcken suchen sie unter Autos und in engen Räumen nach Verletzten. „Menschen in Angst verstecken sich“, erklärt Mazassek. Mit den Leuchten markiert der Erkundungstrupp wichtige Stellen. Dann folgt der Löschtrupp mit fünf Atemschutzträgern. Sie löschen den Autobrand, kühlen die Betonwände. Darauf folgt ein Rettungstrupp, der Verletzte über die Verbindungstunnel in Sicherheit bringt. „Wenn sie es in den Querschlag geschafft haben, sind sie in Sicherheit“, sagt Klöpfel.

Mimen die Verletzten: Ann-Christin Siegel (links) und Tanja Ellenberger von der DLRG.
Mimen die Verletzten: Ann-Christin Siegel (links) und Tanja Ellenberger von der DLRG. © Henneking, Kim

Rund 200 Einsatzkräfte haben an der Übung teilgenommen. Beteiligt waren die Autobahn GmbH, die örtlichen Feuerwehren, der Rettungsdienst, die Landkreise Kassel und Werra-Meißner sowie das Regierungspräsidium Kassel und die Straßenbahnmeisterei. In den kommenden Tagen werden die Erfahrungen ausgewertet. Ein erstes Fazit ziehen Mazassek und Klöpfel schon an diesem Tag: „Das Zusammenwirken im Notfall funktioniert.“

Die Betriebserlaubnis für den Autobahntunnel erwartet Klöpfel kommende Woche. Ende der Woche soll dann die Autobahn für den Verkehr freigegeben werden.

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