Jetzt kommt Technik in die Röhren

A 44-Tunnel Hirschhagen: Innenausbau in vollem Gange – Freigabe Mitte 2022

Mehrere Menschen in orangefarbenen Jacken stehen in einem sperrlich beleuchteten Tunnel.
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Zu circa 80 Prozent ist alles eingebaut: Seit einem Jahr läuft die technische Ausstattung im A 44-Tunnel Hirschhagen. Dabei geht es um den Einbau der gesamten Verkehrs-, Steuer-, Überwachungs-, Sicherheits- und Brandschutztechnik.

Zwar herrscht immer noch schummriges Neonlicht in den Röhren des Tunnels Hirschhagen. Doch die Arbeiten an dem A 44-Tunnel sind wieder ein gutes Stück vorangekommen.

Kreis Kassel – „Die letzten zwölf Monate haben ganz im Zeichen des technischen Innenausbaus gestanden“, sagen Projektingenieur Ingo Henkel und Stephan Brühne, Dezernent für Tunnelausstattung bei Hessen Mobil.

Die Beleuchtung, Lautsprecher und Kameras – „all das ist jetzt schon zu 75 bis 80 Prozent eingebaut“, sagt Henkel über den 4,2 Kilometer langen Tunnelbau zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau. Ebenso wie die Kabelträgersysteme und Querträger für die Beschilderung, insgesamt 56 Lüfter, sowie Fluchtwegehinweisleuchten alle 25 Meter.

Nicht zu vergessen sind die Pannenbuchtzeichen sowie die Ausstattung der Brandmelde- und Notrufnieschen alle 150 Meter sowie der Ausbau der insgesamt 15 Querstollen im Tunnel, die im Ernstfall als Fluchtwege dienen. „Jetzt müssen diese Anlagen nur noch ans Strom- und Steuernetz angeschlossen werden“, ergänzt Brühne. Das sei auch der Grund dafür, warum es im Tunnel immer noch so schummrig ist. Die Kabel für die Anschlussarbeiten seien aber im Wesentlichen schon gelegt – insgesamt weit über 700 Kilometer.

Damit jedes Kabel in den kommenden Wochen und Monaten auch korrekt angeschlossen wird, hat es zuvor via Spezialsoftware eine aufwendige Werkstatt- und Montageplanung gegeben. „Diese Planung regelt nun, was wann wo miteinander verbunden wird, damit es kein Durcheinander gibt“, sagt Brühne. Allein diese Planung habe etwa ein Jahr gedauert.

Herzstück der ganzen Tunneltechnik sind die Stromversorgung sowie die Steuersysteme. Untergebracht sind diese Einheiten in insgesamt drei Betriebsgebäuden. Zwei stehen unmittelbar an den Tunnelportalen im Osten und Westen – und eines genau in der Mitte direkt über dem Tunnel am Entrauchungsschacht im Wald bei Hirschhagen. Jedes Betriebsgebäude beherbergt Transformatoren, Akkumulatoren und jede Menge Schaltschränke und EDV-Technik.

„Hier ist viel Redundanz im Spiel“, sagt Henkel. Soll heißen: Wenn in einem Betriebsgebäude einmal etwas ausfallen sollte, kann die äquivalente Anlage im zweiten oder dritten Betriebsgebäude diese Aufgabe übernehmen. „Ziel ist es, dass es im Tunnel selbst nie zu technischen Ausfällen kommt“, sagt Henkel. Selbst wenn die Stromversorgung von außen unterbrochen werde, könne die komplette Notbeleuchtung noch eine viertel Stunde lang, die gesamte Steuertechnik sogar noch eine ganze Stunde lang betrieben werden. „Das ist vor allem bei Brandfällen im Tunnel von großer Wichtigkeit“, sagt Brühne.

Nach aktueller Planung werde der Einbau der ganzen Verkehrs-, Steuer-, Überwachungs-, Sicherheits- und Brandschutztechnik im Sommer 2021 abgeschlossen sein und dann Schritt für Schritt in Betrieb gehen können. „Dabei werden viele Tests notwendig sein, um zu prüfen, ob alle Komponenten auch im Zusammenspiel miteinander einwandfrei funktionieren“, sagt Brühne.

Diese Phase werde etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen, bis dann alle Einheiten und Komponenten noch einmal einer umfangreichen Prüfung durch die Tunneluntersuchungsstelle, eine Art TÜV, unterzogen werden. „Wir schätzen daher, dass der Tunnel im Frühjahr oder Sommer 2022 für den Verkehr freigegeben werden kann“, sagt Brühne.

Nach derzeitigem Stand verursache die Coronakrise keine Steigerung der Kosten für die Tunnelausstattung. Die Vergabe des Auftrags an die Tunnelbau-Firma Porr aus Österreich sei bereits vor der Pandemie abgeschlossen worden. Das Risiko für plötzliche Abweichungen wegen Corona – egal ob zeitlich oder finanziell – halte sich also in Grenzen.

Aktuell sind für das gesamte Teilstück zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau mit dem Tunnel 346,3 Millionen Euro veranschlagt. (Boris Naumann)

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