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A44-Tunnel Hirschhagen: Die Rauchschicht bleibt an der Decke

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Von: Valerie Schaub

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Für den Brandversuch im Autobahntunnel Hirschhagen wird in mehreren Feuerschalen ein Gemisch aus Diesel und Benzin entzündet. Damit wird ein brennendes Auto simuliert.
Für den Brandversuch im Autobahntunnel Hirschhagen wird in mehreren Feuerschalen ein Gemisch aus Diesel und Benzin entzündet. Damit wird ein brennendes Auto simuliert. © Valerie Schaub

Im Herbst soll der A44-Tunnel Hirschhagen für den Verkehr freigegeben werden. Was passiert, wenn es dort brennt? Die Autobahn GmbH hat mit dem ersten Brandtest die Lüftungsanlagen auf die Probe gestellt.

Helsa – Was an diesem Nachmittag passiert, „erleben Sie hoffentlich nie als Autofahrer“, sagt Bernhard Klöpfel. Er ist Außenstellenleiter der Autobahn GmbH, die am Donnerstag im A 44-Tunnel Hirschhagen die Lüftungsanlage testet: Was passiert, wenn es im zweitlängsten Autobahntunnel in Deutschlands brennt?

Der Versuch stellt das präzise eingestellte Tunnelsystem auf die Probe und prüft, ob das Zusammenspiel von Belüftungsanlage, Brandmelder und Verkehrsprogramm funktioniert. Der Brandtest ist Teil einer vierwöchigen Testphase, an dessen Ende die Betriebserlaubnis erteilt werden soll. Auch das Fernstraßenbundesamt, externe Sachverständige und die Tunnelausstattungsfirma sind dabei. Wie viele Tests der Tunnel bestehen muss, lässt sich kaum beziffern, „es sind mehrere Tausend.“

In der Röhre in Fahrtrichtung Kassel sind Feuerschalen aufgestellt. Ein Gemisch aus Diesel und Benzin wird entzündet. Flammen schlagen in die Luft, schwarzer Qualm steigt in Wolken auf. Sechzig Sekunden dauert es, dann blinken die Lichter am Fahrbahnrand, eine Stimme dröhnt durch die Lautsprecher – das dünne Brandmeldekabel an der Tunneldecke hat den Brand erfasst. „Das System hat jetzt Arbeit“, sagt Klöpfel.

Der erste Test simuliert einen Pkw-Brand mit Stau, eine Brandlast von fünf Megawatt. Dafür ist in der Anlage ein bestimmtes Programm hinterlegt, das nun anspringt. „Wir wollen, dass der Rauch unter der Decke bleibt, damit man unten noch atmen kann“, erklärt Klöpfel.

Und tatsächlich: Die Belüftungsanlage brummt und sorgt auf der Fahrbahn für klare Sicht. Die schwarzen Schwaden bewegen sich ausschließlich an der Decke – in Fahrtrichtung und in Wunschgeschwindigkeit von dreieinhalb Metern pro Sekunde. Die Luftströmungsmessgeräte werden später die genauen Daten liefern.

Durch den Abzugsschacht gelangt der Rauch nach draußen.
Durch den Abzugsschacht gelangt der Rauch nach draußen. © Schaub, Valerie

Der zweite Test simuliert einen Brand ohne Stau. Das System wird im Notfall über Kameras erfassen, welcher Fall tatsächlich eingetreten ist. Die Turbinen simulieren jetzt den laufenden Verkehr, es fängt an zu ziehen. Wieder vergehen sechzig Sekunden, bis die Anlage anspringt.

In einem der drei Betriebsgebäude auf dem Gelände wird parallel alles auf riesigen Bildschirmen überwacht und später ausgewertet.

Neben den Tunnelöffnungen wird der Rauch auch durch den 80 Meter hohen Entlüftungsschacht abgezogen. Ein paar Minuten später kann man das dort noch riechen. Klöpfel ist zufrieden. Auch wenn die Auswertung noch dauert: Wie nahe man dem Feuer kommen kann, ohne Rauch einzuatmen oder Wärme zu spüren, spreche für ein funktionierendes System. Der Tunnelfreigabe sieht er positiv entgegen. Ein Datum nennt er nicht – im Herbst soll es soweit sein.

Überrascht, dass der Rauch an der Decke bleibt, ist auch Heiko Köneke von der Freiwilligen Feuerwehr Helsa. Für ihn und seine Wehrleute, die zugeschaut haben, schaffe das Vertrauen in die Technik. Die Wehr ist heute nur zur Sicherung gekommen, eine Übung mit Feuerwehr und Rettungskräften ist für September geplant.

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