Hamburgerin dokumentierte Familiengeschichte

Ahnenforschung führt nach Helsa

Das Merten-Jäger-Haus in Helsa dürfte eigentlich gar nicht mehr Merten-Jäger-Haus heißen. Auch die Ahnenforschung von Angela Löding aus Hamburg bestätigt: Es müsste eigentlich Wachs-Jäger-Haus heißen.
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Das Merten-Jäger-Haus in Helsa dürfte eigentlich gar nicht mehr Merten-Jäger-Haus heißen. Auch die Ahnenforschung von Angela Löding aus Hamburg bestätigt: Es müsste eigentlich Wachs-Jäger-Haus heißen.

Dass das Fachwerkhaus in der Berliner Straße, das Helsaer Merten-Jäger-Haus eigentlich anders heißen müsste, weiß der Geschichtsverein zwar schon seit 2004. Damals kam bei einer Untersuchung für die Restaurierung heraus, dass das Haus von einem Johann Conrad Wachs erbaut wurde, der Vorgänger des Lokalpatrioten „Merten-Jäger“.

Helsa - Jetzt gibt es dafür einen weiteren Beleg für den vertauschten Namen: In einem fast 600 Seiten starken Buch, das dem Geschichtsverein vorliegt, sind die Ahnen und Nachfahren von Johann Conrad Wachs dokumentiert.

Recherchiert und geschrieben hat das Angela Löding, die Urahnin in neunter Generation von Wachs. Geholfen haben ihr dabei Geschichtsvereine wie der in Helsa und viele teils entfernte Verwandte, die in ihrem Stammbaum aus Nordhessen aufgetaucht sind und mit denen sie sich teilweise getroffen hat.

Für die Recherchen war die 84-Jährige aus Harmstorf bei Hamburg schon so oft in Nordhessen, dass es sich für sie fast so anfühlt, als hätte sie hier gelebt. Dabei hatte Löding vor ihrer Ahnenforschung überhaupt keine Verbindung zu Nordhessen, wie sie im Gespräch zugibt.

Angela Löding wächst in Kriegszeiten auf. Der Inhalt eines kleinen Zitronenholzschränkchens im Elternhaus lässt erahnen, dass ihre Vorfahren Rang und Namen hatten: Sie erinnert sich an ein ausgetrocknetes Parfümfläschchen, Lederhandschuhe, Wappen und Urkunden – „So etwas kannten wir nicht“. Von diesen Entdeckungen weiß Löding schon früh, dass es eine lange Familientradition auch mit adligen Vorfahren gibt, in der Johann Conrad Wachs, der in Helsa das Jägerhaus baute, nur ein Akteur ist. Erst mit Anfang 70 geht Löding der Geschichte auf den Grund.

Weil viele Urkunden aus dem Schränkchen aus Hessen stammen, setzt sie dort an: Es beginnt mit vier Namen, die sie dem Geschichtsverein Hanau weitergibt. Als sie daraufhin überraschenderweise einen ausführlichen Bericht zurückbekommt, setzt sie sich ins Auto und fährt nach Hanau. „Ich musste einfach nachhaken.“

Schnell bringt sie der Stammbaum nach Nordhessen: zu den Pfeiffers aus Grebenstein, den Rittern von Gudenberg in Zierenberg, sogar zum Hofschreiner des Kurfürsten am Schloss Wilhelmshöhe: Johannes Ruhl.

Und so fährt Löding in den folgenden zehn Jahren immer wieder nach Nordhessen. Sie findet dort entfernte Verwandte, knüpft Kontakte nach Kaufungen, Fritzlar, Wolfhagen, Felsberg. Immer wieder fährt sie mit ihrem Mann in die Region und lässt sich alte Häuser ihrer Vorfahren zeigen, ihr Mann fotografiert sie, sie forscht mithilfe von Geschichtsvereinen und in Archiven. „Ich habe total naiv angefangen und mich einfach durchgefragt“, sagt die studierte Grafikerin. Heute ist sie dankbar für diese Erlebnisse. Eine Recherche nur im Internet kann sie sich nicht vorstellen.

Am Ende gelangt Löding bis ins Jahr 660. Und obwohl das Buch nun fertig ist, geht die Ahnenforschung weiter: „Ich lege immer wieder Zettel ins Buch, wenn ich etwas Neues erfahre“, sagt sie. Von den 50 Büchern, die sie hat drucken lassen, hat sie auch eins dem Geschichtsverein Helsa geschenkt. (Valerie Schaub)

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