Ski-Club steht in den Startlöchern

Am Hirschberg in Helsa-Wickenrode liegt viel Schnee, doch der Lift muss geschlossen bleiben

Der Blick von der Hirschberg-Arena führt die knapp 300 Meter lange Piste herunter. Manfred Schröder vom Ski-Club Helsa kümmert sich mit dem Ski-Bob um die Loipen für Langläufer an den Hirschbergwiesen.
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Der Blick von der Hirschberg-Arena führt die knapp 300 Meter lange Piste herunter. Manfred Schröder vom Ski-Club Helsa kümmert sich mit dem Ski-Bob um die Loipen für Langläufer an den Hirschbergwiesen.

Viele sind fahren mit ihrem Schlitten die Pisten am Hirschberg herunter. Der Lift bleibt allerdings geschlossen.

Helsa – Der Schnee knirscht, das Eis knistert leise unter den Schuhsohlen auf dem Weg zur Wickenröder Rodel-Piste. Ein paar Meter weiter stapfen Bärbel Paul und Peter Specht mit ihrem Enkelsohn und Schlitten im Schlepptau Richtung Heimweg, „Ich bin fast von ganz oben runter gefahren“, sagt der achtjährige Moritz Vollrath aus Kaufungen und seine Augen leuchten. Doch jetzt haben die Großeltern kalte Füße, sagen sie. „Wir bräuchten den Lift“, sagt Bärbel Paul. Dann wären die Aufstiege bis zum Pistenanfang nicht so mühsam.

Doch der Lift an der Hirschberg-Arena ist geschlossen. Auch die Flutlichter bleiben aus, keine Ski-Kurse. „Normalerweise kriegen Sie hier alles“, sagt Manfred Schröder. Der 71-Jährige ist Vorsitzender im Ski-Club Helsa. „Aber Corona hat uns gegeißelt.“ Im Moment geht fast nur Schlittenfahren.

Bei Lilli Marquardt und ihrem Opa geht das ziemlich gut. Vor allem schnell soll es sein, sagt die Dreijährige. Wolfgang Ollhoff hat seine Enkelin bestimmt zehn Mal den Hang hochgezogen. Auf der Webcam, die der Ski-Club aufgebaut hat, hat er im Internet gesehen, dass hier Schnee liegt. Denn in Niestetal sei alles grau. Auch in Kaufungen: kein Schnee in Sicht. „Zu Kaufungen ist die Schneegrenze“ sagt Skifahrer Schröder. Am Wochenende sei der ganze Berg voller Menschen gewesen, hier am „Hirschberg-Gletscher“, witzelt er. Sogar aus dem Habichtswald seien Gäste zum Schlittenfahren gekommen. „Irgendwann ist alles voll, auch hier“, sagt der 71-Jährige. Am liebsten wäre ihm zwar, der Verein könnte den Lift öffnen, damit er Rodler und Skifahrer 250 Meter den Hang hoch fährt. Aber lange Schlangen vor dem kleinen Häuschen will auch er nicht. Es sei ein Drahtseilakt.

Die neue Technik im Lifthäuschen sei eigentlich erst einmal gelaufen – vergangenen Winter. Heute wäre ein perfekter Tag, die letzten Winter seien dürftig gewesen – jetzt strahlt der Hang vor lauter Schnee. „Wir sitzen in den Startlöchern.“

Bärbel Paul, Enkel Moritz Vollrath und Peter Specht aus Kaufungen.

Schröder schwingt sich auf den Ski-Bob und pest auf Kufen die Piste hoch. Hier steht das Herz des Vereins, die Franzensbaude – eine eigene Skihütte. Schröder ist mit dem Skifahren groß geworden und mit dem Verein. „Sepp Weiler hat uns in Hessen trainiert.“ Wie vielen Kindern er das Skifahren mittlerweile beigebracht hat, weiß er selbst nicht. Am meisten tut es ihm für die Kinder leid, dass das jetzt alles nicht geht. „Ich bin selber Ski-Lehrer, mir brennt es unter den Nägeln.“ Er hofft, dass die Mitglieder trotzdem im Verein bleiben. Und er appelliert auch an Mitglieder in anderen Vereinen, jetzt nicht auszutreten, auch wenn Vereine momentan wegen der Pandemie wenig bieten könnten.

Jedes Jahr organisiert der Ski-Club Freizeiten, eine Skischule, Orientierungsläufe. Im Moment hält ein Rundschreiben die 460 Mitglieder auf dem Laufenden. Ski-Langlauf ist möglich, nur eben nicht in der Gruppe und ohne Lift. „Man ist dann allein in der Natur“, sagt Schröder. Auf dem Plateau der Löffelwiesen gibt es eine bis zu sechs Kilometer lange Runde. Um die Loipen am Hirschberg für Langläufer zu spuren, hat Schröder Unterstützung von zwei Jugendlichen aus dem Verein.

Unterwegs mit dem Großvater: Wolfgang Ollhoff und seine dreijährige Enkelin Lilli Marquardt aus Niestetal-Sandershausen rodelten etliche Male die Piste herab.

In einem guten Winter sausen auch Skifahrer den Abhang am Hirschberg hinunter, getrennt von Rodlern, „weil die Kufen die Piste kaputtmachen“. In diesem Winter seien kaum welche da. Dafür nutzt auch Matthias Haase mit der vierjährigen Tochter, dem kleinen Bruder und seiner Frau die Chance zum Schlittenfahren. „Es ist ja nicht viel, was man mit den Kindern machen kann.“ (Valerie Schaub)

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