Eigentümerin wohnt weit weg

Anwohner beschweren sich über leerstehendes Haus in Wickenrode, das zusehends verkommt

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Sie ärgern sich über den Schandfleck in ihrer Straße: Marga Rippe (von links), Jürgen Trebing und Carola Lühr vor dem leerstehenden Haus Egerlandstraße 15. 

Helsa. Aus einiger Entfernung sieht das Haus Egerlandstraße 15 in Wickenrode gar nicht mal so schlecht aus: Es ist bis zur Höhe des Erdgeschosses mit Natursteinen gemauert oder verblendet. Der Balkon des Anbaus hat ein schönes, schmiedeeisernes Geländer mit einer urigen Laterne. An den Fenstern hängen Stores, als würden hier noch Menschen wohnen.

Nur der verwilderte Vorgarten und der auf mehreren Metern offensichtlich abgebrochene Jägerzaun und die fast halb geöffnete Nebeneingangstür geben einen ersten Hinweis, dass hier etwas nicht stimmt. Wer genauer hinschaut, sieht, erste Zeichen des Verfalls. Blätternde Farbe, Rostfraß am Briefkasten, verwitterte Garagentore.

Für Carola Lühr und Marga Rippe, die gegenüber wohnen, ist dieses Haus seit Jahren ein Ärgernis. Die Erbin der früheren, verstorbenen Bewohner habe sich nicht um das Haus gekümmert und sich seit Jahren nicht sehen lassen, erzählt Carola Lühr. Alles sei noch so, wie es die Voreigentümer hinterlassen hätten. Das Haus verfalle zusehends. Vor einiger Zeit sei ein Teil des Zauns auf die Straße gestürzt, die Nachbarn hätten das Holz entsorgt. Oft habe sie in dem Haus schon Waschbären rumoren hören, auch Ratten seien gesichtet worden. Beschwerden bei der Gemeinde hätten nichts gebracht. „Die Gemeinde hält sich raus, es passiert nichts“, klagt Lühr.

Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) weist die Vorwürfe zurück. Die Gemeinde dürfe nur einschreiten, wenn eine „Gefährdungslage“ bestehe, also beispielsweise das Risiko bestehe, das Dritte durch herabfallende Ziegel geschädigt werden könnten. Auch wenn sich Unberechtigte in dem Haus aufhalten würden, werde die Gemeinde tätig. Das sei aktuell bei dem betreffenden Haus nicht der Fall. Im Übrigen gebe es in Helsa leerstehende Häuser, die in einem viel schlimmeren Zustand seien. Ratten bekämpfe man erfolgreich mit Ködern in der Kanalisation.

Die Eigentümerin des Hauses wohnt weit weg, in der Nähe von Braunschweig. „Ich habe kein Geld und will auch keinen Kredit aufnehmen“, sagt sie auf Anfrage der HNA, warum sie nichts in das Haus investiert. Sie habe mehrmals vergeblich versucht, das Haus über ein Zeitungsinserat zu verkaufen. „Ich würde es auch verschenken“, sagt die Eigentümerin. „Es ist nicht so einfach, das Gebäude zu veräußern“, meint Küthe. Er bestätigt, dass sich Interessenten wegen einer Kontaktaufnahme mit der Eigentümerin bei der Gemeinde melden können. „Wir sind aber nicht als Makler tätig“, sagt Küthe.

Carola Lühr mutmaßt, dass die Gemeinde selbst noch Forderungen gegen die Eigentümerin hat. Vor Jahren hätten die Anwohner für die neue Kanalisation und Straße fünfstellige Beträge an die Gemeinde zahlen müssen. Zu solchen Beitragsangelegenheiten gebe man aus Datenschutzgründen keine Auskünfte oder Kommentare, sagt Küthe dazu.

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