Auf den Spuren der Vorfahren

Ahnenforschung: Viele Anfragen bei Helsaer Verein

In Zeiten der Corona-Pandemie haben die Anfragen nach Ahnenforschung beim Helsaer Geschichtsverein zugenommen. Erhard Grebe aus Wickenrode ist seit acht Jahren auf den Spuren seiner Vorfahren und hat dabei Kurioses herausgefunden.

Betreibt hobbymäßig Ahnenforschung: Erhard Grebe aus Wickenrode recherchiert zum Beispiel im Archiv des Geschichtsvereins Helsa. Anfragen zur Ahnenforschung sind im Verein seit Corona angestiegen.

Helsa - Eigentlich begann alles mit der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk. Eine Krawatte zum 70. Geburtstag seines älteren Bruders findet Erhard Grebe zu langweilig. Da kommt ihm die Idee, mit seiner Nichte eine Biografie über den Bruder zu schreiben. Er beginnt, in Papieren des Vaters nach Hinweisen zu suchen. „Dann hab ich Feuer gefangen“, sagt der heute 73-Jährige. Ahnenforschung ist sein Hobby geworden.

Acht Jahre später hat der Wickenröder einen über 30-seitigen Familienstammbaum erstellt, der bis ans Ende des 17. Jahrhunderts reicht. Weil beim Nachforschen immer Neues auftaucht, muss sich Grebe entscheiden: Den Stammbaum hat er deshalb auf die männliche Linie beschränkt.

Der Rentner dokumentiert darin beispielsweise Berufe seiner Vorfahren: Maurer, Zimmermann, Bergmann. Er hat Todesursachen herausgefunden, wie Rippenfellentzündung und Spitznamen notiert wie den seiner Großmutter: Weckeminchen.

Auch Kurioses hat Grebe beim Schreiben seiner Familienchronik herausgefunden: „Meine Frau hat die gleichen Vorfahren wie ich.“ Irgendwo Anfang des 18. Jahrhunderts kreuzen sich nämlich die Stammbaumlinien ihrer Ahnen. Beide tragen den Namen „Traube“ – für Grebe ein „kleines Bonbon“ seiner Arbeit.

Einen Großteil seiner Recherchen macht Grebe im Archiv Geschichtsvereins Helsa. Hier findet er Fotos und Infos. Dass der Raum im Rathaus momentan geschlossen ist, tut ihm in der Seele weh, sagt er.

Grebe ist übrigens nicht der Einzige, der mit der Ahnenforschung ein Hobby gefunden hat. Obwohl das Archiv im Obergeschoss des Helsaer Rathauses momentan geschlossen ist, erreichen den Geschichtsverein seit Beginn der Coronakrise vermehrt Anfragen. Darum kümmert sich hauptsächlich Elisabeth Kottik, die auch alte Schreibschriften lesen kann.

Für Grebe sind es immer wieder zwei Fragen, die ihn beim Forschen antreiben: Was ist mit seinem Onkel passiert und wer ist der Vater seines Stiefbruders?

Sein Onkel galt nach dem Krieg als vermisst. Es gab keine Spur von ihm. Grebe hat das damals gewundert und auch geärgert. „Er ist eingezogen worden und dann war er fort.“ Grebe will es genauer wissen und stellt Anfragen an das Bundesarchiv in Berlin. Zwei Jahre später bekommt er gegen eine Gebühr Kopien von Dokumenten. „Er war in der Nähe von Görlitz stationiert. Aber da waren die Russen schon über die Oder – er wurde ins Feuer geschickt.“

In den Dokumenten erfährt er, wo sein Onkel war, was er gemacht hat, welche Verwundungen er hatte. „Mein Bruder hatte Tränen in den Augen, als er das gesehen hat“, erinnert sich Grebe. „Ab da konnte ich nicht mehr aufhören, es entwickelt sich fast zu einer Sucht.“ Auch über die Identität des Stiefvaters weiß Grebe mittlerweile einiges.

Das Dritte Reich will Grebe dabei nicht ausklammern, wie es in manchen Familien geschehe – im Wissen, dass sein Vater in Wickenrode einer der ersten in der NSDAP gewesen sei. „Wickenrode war damals ein Nazi-Musterdorf oder sollte es werden.“

Doch es bleiben auch Fragezeichen in Grebes Aufzeichnungen. Damit kann der Hobbyforscher leben: „Ich will nichts mit aller Gewalt erreichen“. Wichtig ist ihm, dass seine Nachfahren Antworten bekommen.

Ahnenforschung im Geschichtsverein

Der Geschichtsverein Helsa hat in Pandemiezeiten vermehrt Anfragen zum Thema Familienforschung erhalten – sogar aus dem Ausland. Die Fragen werden zum Großteil von Archivteammitglied Elisabeth Kottik beantwortet. Sie kann dafür unter anderem auf die Standesamtsakten zurückgreifen, die bis 1874 reichen. Außerdem dienen rund 60 Aktenordner mit Abschriften der Kirchenbücher aus den einzelnen Ortsteilen als Quelle. Auch das vereinsinterne Computer-Suchprogramm und über 10 000 digitalisierte Fotos sind hilfreich. 

Rubriklistenbild: © Valerie Schaub

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