Auf der Suche nach dem Ton

Geschichtsverein Helsa findet Film von 1972 über den Landkreis Kassel - ohne Audiospur

Würde den Film gern mit Ton schauen: Gerd Vogelsang, Vorsitzender des Geschichtsvereins Helsa, hat sich darum bemüht, den Film über den Landkreis von 1972 auf eine DVD kopieren zu lassen.
+
Würde den Film gern mit Ton schauen: Gerd Vogelsang, Vorsitzender des Geschichtsvereins Helsa, hat sich darum bemüht, den Film über den Landkreis von 1972 auf eine DVD kopieren zu lassen.

Helsa – Angefangen hat alles, als der Geschichtsverein Helsa das in Coronazeiten ziemlich dünn gewordene Gemeindeblättchen aufpeppen wollte. Vorsitzender Gerd Vogelsang und seine Mitstreiter schauten also das üppige Pressearchiv des Geschichtsvereins durch, auf der Suche nach interessanten Schlagzeilen. „Dabei haben wir einen Artikel gefunden, in dem es darum geht, dass Anfang der 70-er Jahre ein Filmteam in Helsa war“, sagt Vogelsang.

Also wollte der Verein natürlich den dazugehörigen Film sehen. Dieser wurde damals von Wolfgang Klaus im Auftrag der SPD-Kreistagsfraktion produziert.

Recherchen beim Landkreis Kassel waren erfolgreich: Dort wurde der 50 Minuten lange, 16-Millimeter-Originalfilm mit dem Titel „Unsere Heimat – Unser Kreis 1972“ tatsächlich im Archiv gefunden. „Doch diese Art Film kann man heute nicht mehr abspielen. Also musste er auf eine DVD kopiert werden“, erklärt Vogelsang. Das hat Filmemacher Dirk Lindemann aus Wolfhagen gemacht.

Aufnahmen von Landschaften, Dorffesten, sportlichen Zusammenkünften, landwirtschaftlichen Arbeiten und vom Leben, wie es 1972 auf dem Land im Altkreis Kassel eben war, werden im Film gezeigt. Gerd Vogelsang nennt die Aufnahmen „sensationell“.

Doch die Sache hat einen entscheidenden Haken: Der Film hat keinen Ton. „Damit ist er leider nur die Hälfte wert“, sagt Vogelsang. Denn nur wer sich gut auskennt, erkennt die Orte im Film wieder. Andere bleiben im Dunkeln. Auch die gezeigten Veranstaltungen und Volksfeste können nur grob eingeordnet werden, wenn man markante Punkte oder bekannte Menschen in den Aufnahmen entdeckt.

„Wo war zum Beispiel früher hier eine Kartbahn?“, wundert sich Vogelsang beim Sichten der Aufnahmen. „Welches Schwimmbad, das sich im Film noch im Bau befindet, wird hier gezeigt?“ Was war das für ein Sportereignis, an dem so viele Menschen teilgenommen haben? Das alles bleibt offen. Vogelsang vermutet, dass der Film nicht das einzige Exemplar ist. „Ich hoffe, dass es ihn vielleicht in einer Gemeinde nochmal gibt und dort dann auch mit Ton. Vielleicht findet ihn jemand in irgendeiner Schublade.“

Wenn Vogelsang sich die Aufnahmen ansieht, denkt er an seine eigene Vergangenheit zurück. „Ich weiß noch, wie wir damals in eine Mietwohnung gezogen sind. Das ging vom Plumpsklo in den Neubau – ein riesiger Sprung.“ Außerdem erinnert sich der heute 74-Jährige an die Aufbruchstimmung damals. „Man sieht auf dem Film zwar zum einen das einfache Landleben, zum anderen aber auch das Leben in den damals zahlreich neu gebauten Wohnungen. Das Wirtschaftswunder wurde sichtbar.“

Auffällig ist außerdem auf fast allen Aufnahmen, auf denen Veranstaltungen gezeigt werden: „Die Leute haben sich alle schick angezogen, man sieht viele mit Schlips und Anzug.“

Bekannte Personen auf dem Film sind zum Beispiel der ehemalige Landrat Josef Köcher, Helsas früherer Bürgermeister Anton Eich und Lauritz Lauritzen, bis 1963 Oberbürgermeister von Kassel.

Auch bekannte Firmen werden gezeigt, unter anderem das VW-Werk in Baunatal. Eine Polsterei und ein Sägewerk sind ebenfalls zu sehen – doch wo sie ihren Standort hatten, kann Vogelsang anhand der Bilder nicht erkennen.

Filmemacher Dirk Lindemann denkt ebenfalls, dass es den Film noch irgendwo anders geben muss. „Es sind bestimmt fünf Kopien gemacht worden“ schätzt der Experte. Der Film, der beim Landkreis gefunden wurde, zeige nämlich überhaupt keine Laufspuren und sei wahrscheinlich nie abgespielt worden.

Aber auch nach einem einzelnen Tonband müsse Ausschau gehalten werden. Denn früher habe man Bild und Ton getrennt aufgenommen. „Also entweder gibt es noch irgendwo das passende Tonband oder eine Kopie des Films, auf der schon beides zusammengeführt ist“, sagt Lindemann.

Wer Hinweise auf ein weiteres Exemplar des Films geben kann, kann sich beim Geschichtsverein Helsa, Gerd Vogelsang, unter der Tel.: 0 56 05/41 40 melden.

Von Theresa Novak

Diese Aufnahme im Film stammt vielleicht von einer Kirmes. Auf dem Schild steht Bergshausen.
Diese Bilder könnten in einem Kindergarten aufgenommen worden sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.