Mann wurde in Eisenach festgenommen

Bundesweite Razzia gegen Neonazis: Tatverdächtiger aus Helsa in Haft 

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Verbotene Gegenstände: Bei einer Aktion gegen die verbotene rechtsextremistische „Blood & Honor Division Deutschland“ haben Ermittler in Bayern, Baden-Würrtemberg, Thüringen, Hessen und Sachsen-Anhalt Wohnungen durchsucht. Unser Archivbild zeigt Beweismaterial wie CDs, DVDs, Computer und Schriftgut aus einer anderen Razzia.  

Bei einer Razzia gegen Mitglieder der verbotenen rechtsextremistischen Vereinigung „Blood & Honour“ haben Ermittler vier mutmaßliche Neonazis festgenommen. Einer von ihnen kommt aus Helsa.

Gegen sie lag ein Haftbefehl vor. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft München und das Polizeipräsidium Niederbayern mit. Ob es sich bei dem Festgenommenen um den bekannten Neonazi Stanley R. handelt, wollte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch nicht bestätigen. Insgesamt wird gegen zwölf Verdächtige ermittelt.

Am frühen Mittwochmorgen sind in fünf Bundesländern Wohnungen und Häuser durchsucht und insgesamt vier Menschen festgenommen worden. Bei einer Durchsuchung in einem Haus in Helsa konnten die Ermittler den Tatverdächtigen nicht antreffen. Er ging der Polizei aber bei einem zeitgleichen Zugriff im thüringischen Eisenach ins Netz. Der Mann aus Helsa wurde gemeinsam mit einem weiteren Tatverdächtigen aus Bayern festgenommen.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, durch den Aufbau einer Verwaltungsstruktur der „Blood & Honour Division Deutschland“ in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Mitteldeutschland das Ziel verfolgt zu haben, die verbotene Organisation wieder zum Leben zu erwecken. In dem Zusammenhang sollen sie Merchandising-Artikel und rechtsextremes Liedgut verkauft haben.

Ziel der Razzia war es, Beweismittel zur Mitgliederstruktur der verbotenen Organisation sowie über die Produktion und den Vertrieb von verbotener Rechtsrock-Musik zu sammeln. Ob und in welchem Umfang auch Beweismaterial in Helsa sichergestellt werden konnte, will die Generalstaatsanwaltschaft frühestens am Donnerstagnachmittag bekannt geben. Die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München führt das Ermittlungsverfahren, da eine länderübergreifende Täterstruktur aufzuklären ist.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Die Gemeinde Helsa war bereits am Dienstag von den Ermittlern über den geplanten Zugriff informiert worden, sagt Bürgermeister Thilo Küthe auf HNA-Anfrage. „Wir haben den Hinweis bekommen, weil ein Mitarbeiter der Gemeinde mit vor Ort sein sollte.“ Neben Stanley R. soll es weitere mutmaßliche Neonazis in Helsa geben. „Wir haben hier mehrere Spezialisten“, bestätigt Küthe. Die Personen würden durch ihren Kleidungsstil im Dorf auffallen.

Stanley R. ist schon länger als einer der Köpfe der berüchtigten Neonazi-Organisation „Combat 18“ im Visier der Ermittler. Er gilt als gut vernetzt in der Szene. Auch im NSU-Prozess war sein Name gefallen. Auf seiner Homepage berichtete der Bayerische Rundfunk vom 185. Verhandlungstag am 11. Februar 2015. Im Bericht ging es um eine Geburtstagsfeier Stanley R.s, die in Kassel stattgefunden habe und bei der auch Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen sein sollen. Dort soll auch die aus Dortmund stammende Rechtsrock-Band „Oidoxie“ aufgetreten sein. Die Band soll eng mit der rechten Terrororganisation „Combat 18“ verbunden sein. Darüber hinaus soll Stanley R. Mitbegründer der Nazigruppe „Sturm 18“ in Kassel gewesen sein. Die Vereinigung wurde 2015 vom hessischen Innenministerium verboten.

Zuletzt war Stanley R. im März wegen fahrlässigem Verstoß gegen das Waffengesetz im bayrischen Hof zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

Hintergrund: „Combat 18“ und „Blood & Honour“

„Combat 18“ ist eine neonazistische Organisation, die in vielen europäischen Ländern agiert und als bewaffneter Arm des Neonazinetzwerks „Blood & Honour“ gilt. „Combat 18“ steht für „Kampftruppe Adolf Hitler“. Die Zahlen 1 und 8 stehen in der Neonazi-Szene für den ersten und den achten Buchstaben des lateinischen Alphabets und beziehen sich damit auf Hitlers Initialen „A“ und „H“. Das Netzwerk kämpft gegen politische Gegner unter Einsatz von Gewalt nach dem Prinzip Leaderless resistance („Führerloser Widerstand“). 

Mitgliederzahlen sind nicht bekannt, denn jeder, der derselben Ideologie folgt, kann sich als Mitglied bezeichnen. Das radikale Auftreten der Gruppe bringt ihr viel Bewunderung ein und findet auch in Deutschland Nachahmung durch Verwendung des Namens, Kleidung mit Aufdrucken von Gruppensymbolen oder dem Namen von „Combat 18“, Aufnäher auf Bomberjacken, Graffiti, Transparente. 

Das Netzwerk wird verantwortlich gemacht für eine große Zahl von gewalttätigen Anschlägen, Morden sowie Mordversuchen, von Briefbomben an farbige Sportler und Bombenanschlägen. Unter dem Namen „Redwatch“ veröffentlichten die britischen Neonazis Todeslisten von politischen Gegnern. Einzelne Personen oder Organisationen, die darin aufgelistet wurden, sind kurz nach Veröffentlichung Opfer eines Anschlags geworden.  

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