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Eine Familie 1000 Kilometer entfernt

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Von: Valerie Schaub

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Carmen Brübach mit ihrer Familie und Gastfamilie vor deren Haustüre in Trèbes Anfang der 90er-Jahre. Von links: Volker Rodekurth, Carmen Brübach, Alain Bouba, Vincent Bouba (hinten), vorne Jérôme Bouba, Aline Bouba und Doris Rodekurth.
Carmen Brübach mit ihrer Familie und Gastfamilie vor deren Haustüre in Trèbes Anfang der 90er-Jahre. Von links: Volker Rodekurth, Carmen Brübach, Alain Bouba, Vincent Bouba (hinten), vorne Jérôme Bouba, Aline Bouba und Doris Rodekurth. © Privat

Der Schüleraustausch zwischen Großalmerode und dem südfranzösischen Trèbes war der Start für eine jahrzehntelange Verbindung zwischen zwei Familien. Über 1000 Kilometer voneinander entfernt erzählen sie davon. Im Sommer jährt sich die Partnerschaft mit der Nachbargemeinde Helsa zum 50. Mal.

Hessisch Lichtenau/Trèbes – Dass die Familien von Carmen Brübach und Aline Bouba mehr als eine jahrzehntelange deutsch-französische Freundschaft verbindet, hört man gleich an der Begrüßung: „Salut ma fille“, trällert Aline Bouba durch die Videokamera. Sie sitzt in ihrem Wohnzimmer in Trèbes, der Partnergemeinde von Helsa. Carmen Brübach (47) in Hopfelde, einem Ortsteil von Hessisch Lichtenau. Für ihre französische Gastmutter ist sie wie eine Tochter, das französische Wort dafür: fille.

Im Sommer werden sich die beiden endlich wiedersehen. Mit weiteren Franzosen wollen Aline Bouba und ihr Mann Alain von Trèbes nach Helsa kommen, wenn die beiden Gemeinden 50 Jahre Partnerschaft feiern. Viele Franzosen werden dann bei Gastfamilien unterkommen, viele verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft.

Bei Brübach und Bouba beginnt diese Verbindung vor 34 Jahren. Carmen Brübach ist in der siebten Klasse. Mit 13 Jahren und den allerersten Französischkenntnissen reist sie nach Trèbes – Schüleraustausch der Gesamtschule Großalmerode. „Das war schon aufregend“, erinnert sie sich. Im Haushalt von Aline Bouba ist die 13-Jährige ein willkommener Gast. „Wir haben drei Jungs, es war uns eine Freude, mal ein Mädchen zu Besuch zu haben“, sagt die heute 71-Jährige.

Als ihr Sohn mit dem Austausch dran ist, darf Aline Bouba mit dem Bus als Begleitung mitfahren, sie ist zum ersten Mal in Deutschland und kommt bei Carmen Brübachs Eltern in Velmeden unter. Die grüne Landschaft, saubere Straßen, kaum Hundehaufen – das sind ihre ersten Eindrücke. Sie mag es, dass die Deutschen sich in den Dörfern nicht hinter hohen Mauern verschanzen, wie sie es oft in Frankreich sieht.

Ab da besuchen sich die beiden Familien, wann immer sie können. Viele Erinnerungsfotos entstehen, etwa an der Grube Gustav am Meißner, im Garten, am Wohnzimmertisch. Am eindrücklichsten ist für Aline Bouba die Trennung in Ost- und Westdeutschland, 1989 besuchen die beiden Familien die Grenze.

Dass die Boubas kein Deutsch sprechen, ist nie ein Hindernis. „Carmen ist unsere Übersetzerin“, sagt Aline Bouba. Und tatsächlich inspiriert Brübach der Austausch mit der französischen Familie dazu, später Romanistik zu studieren.

Das alles ist lange her, die Freundschaft ist geblieben. Wenn auch der Kontakt nicht ständig da ist, „wir haben immer einen Gedanken füreinander“, sagt Aline Bouba. So war das auch, als es 2018 eine Geiselnahme in einem Supermarkt in Trèbes gab. Als vor Kurzem ein Tornado durch Paderborn fegte, bekam Carmen Brübach eine Whatsapp-Nachricht. Ob alles okay sei?

Wenn sie können, nehmen beide an den jährlich stattfindenden Austauschreisen teil. In der Corona-Pandemie war das lange nicht möglich. Jetzt freut sich Bouba umso mehr auf Helsa und ihre deutsche Tochter.

Wenn dann der Bus in Frankreich losfährt, sind immer auch ein paar Flaschen Wein im Gepäck, die in Helsa bleiben. Zurück nach Trèbes gehen mehrere Kisten Bier und Ahle Worscht. Und wenn sie sie transportieren könnte, würde Aline Bouba am liebsten auch die nordhessische Schmandsalatsoße von Carmen Brübachs Mutter mitnehmen.

Info: Wer die deutsch-französische Partnerschaft zwischen Helsa und Trèbes unterstützen möchte, auch als Gastfamilie, kann sich bei Gitta Brede von den Frankreichfreunden melden unter 0 56 04/ 56 40.

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