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Erinnern an Zwangsarbeiter in Helsa

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Von: Valerie Schaub

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Auf dem Europaplatz in Helsa-Eschenstruth soll ein Denkmal aufgestellt werden: an den Ort, an dem Gemeindevertreter Rainer Dallmann, Bürgermeister Andreas Schönemann und Hauptamtsleiter Jens Schmidt stehen. Damit soll an das Leid der Zwangsarbeiter erinnert werden, die hier in Baracken lebten.
Auf dem Europaplatz in Helsa-Eschenstruth soll ein Denkmal aufgestellt werden: an den Ort, an dem Gemeindevertreter Rainer Dallmann, Bürgermeister Andreas Schönemann und Hauptamtsleiter Jens Schmidt stehen. Damit soll an das Leid der Zwangsarbeiter erinnert werden, die hier in Baracken lebten. © Valerie Schaub

Manch ein Eschenstruther mag gar nicht wissen, was am Ortseingang vor über 70 Jahren in dem Dorf passiert ist. In Barackenlagern lebten dort Zwangsarbeiter, die zu Tausenden für die Wehrmacht in der Munitionsfabrik in Hessisch Lichtenau Sprengstoff und Munition herstellen mussten.

Helsa – Einen Hinweis auf diese grausame Vergangenheit sucht man an Ort und Stelle bis heute vergeblich. „Ich war verwundert, dass es das bisher nicht gibt“, sagt Rainer Dallmann und zeigt auf dem Europaplatz um sich. Auch im gegenüberliegenden Fabrikgebäude, damals ein Textilhersteller, heute Leistenfabrikation Blumenstein, lebten Zwangsarbeiter. „Viele wissen das bis heute nicht, das finde ich beschämend“, sagt Dallmann.

Eine veröffentlichte Broschüre des Helsaer Geschichtsvereins hatte 2015 das Thema wieder in den Fokus gerückt. Vor fast sechs Jahren hat Rainer Dallmann daraufhin mit seiner Fraktion GLH im Parlament den Antrag gestellt, auf dem Europaplatz ein Denkmal zu errichten. Nach jahrelanger Arbeit einer Kommission steht das Projekt jetzt endlich kurz vor der Realisierung. Das Denkmal soll in Form einer Stele an die Geschichte erinnern. Eine integrierte Karte zeigt, wo sich die Baracken befanden. Ein Text fasst die wichtigsten Infos zusammen.

Aber warum hat das so lange gedauert? Dass es nicht einfach war, für das, was passiert ist, die richtigen Formulierungen für die Stele zu finden, spielte offenbar eine Rolle. „Es hing manchmal an einem Wort“, sagt Bürgermeister Andreas Schönemann. Über „unendliches Leid“ oder „katastrophale Zustände“ sei viel diskutiert worden. Ist das Wort Unterbringung zu positiv? Sollte man lieber von Belegung sprechen?

Für Dietfried Krause-Vilmar ist das ein wichtiger Teil des Prozesses. Der Kasseler Professor und Historiker befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Erinnerungskultur der NS-Zeit. Er hat die Kommission beraten. Fünf Jahre seien zwar wirklich lang, aber diese Diskussionen gehörten dazu. „Es ist wichtig, dass alle Meinungen auf den Tisch kommen“, sagt der 83-Jährige.

Rainer Dallmann sagt, es sei eben ein schwieriges Thema. Das habe auch mit Schuld zu tun. Er hat im Archiv in Arolsen recherchiert und dort herausgefunden, dass viele Infos zu dem Thema vernichtet worden seien. Hauptamtsleiter Jens Schmidt, der neben Dallmann als Einziger von Anfang an bei der Kommission dabei war, erwähnt noch die Wechsel der Kommissionsmitglieder, Corona-Lockdowns und die Bürgermeisterwahl. Die Stahlstele wird nun relativ simpel aussehen. Geplant ist, dass Interessierte per QR-Code Zugang zu weiteren Infos bekommen.

Der Geschichtsverein, der die Kommission beraten hat, hätte sich eine umfassendere Info-Tafel gewünscht, vielleicht auch Fotos von Zwangsarbeitern. „Das spricht unserer Meinung nach eher Menschen an“, sagt Vorsitzender Gerd Vogelsang. Außerdem ist es ihm wichtig, klarzustellen, dass die Lager keine KZs waren. Der Verein habe Bilder archiviert, auf denen auch Feste in den Lagern zu erkennen sind.

Dass die Stele gerade auf einem Platz aufgestellt wird, der vor 18 Jahren auch im Zeichen des Friedens gebaut worden ist, ist laut den Beteiligten ein Kompromiss. Die Kosten von 5000 Euro für die Stele sind schon lange im Haushalt vorgesehen gewesen. (Valerie Schaub)

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