Zahlreiche Kameraden zurückgetreten

Freiwillige Feuerwehr in Helsa kurz vor Auflösung - Mitglied sorgt für Unruhe

Feuerwehrmann in Einsatzkleidung von hinten.
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Wichtiges Ehrenamt: Wenn der Brandschutz in einer Kommune nicht mehr sichergestellt werden kann, wird eine Pflichtfeuerwehr einberufen. In Hessen ist das erst einmal in Lindenfels im Odenwald passiert. (Symbolbild)

Die Feuerwehr in Helsa (Kreis Kassel) steht vor dem Aus. Wegen eines Mitglieds traten zahlreiche Kameraden zurück - es wird über eine Pflichtwehr verhandelt.

Helsa – Die Helsaer Feuerwehr steht kurz vor ihrer Auflösung. Der Grund: Die Kameraden können sich die Zusammenarbeit mit einem Mitglied nicht vorstellen. „Das ist das Schlimmste, was ich in den 18 Jahren meiner Amtszeit machen muss“, sagte Bürgermeister Tilo Küthe am Dienstagabend bei der Tagung des Haupt- und Finanzausschusses in Helsa.

Er spricht von der Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr und Einberufung einer Pflichtfeuerwehr. In Hessen gab es das bislang erst einmal – in Lindenfels im Odenwald.

Helsa im Kreis Kassel: 90 Prozent der Feuerwehr-Kameraden treten zurück

Die offizielle Begründung: „In der Freiwilligen Feuerwehr, Ortsteil Helsa, kam es zum Zerwürfnis sämtlicher Führungskräfte und den weit überwiegenden Teil der sonstigen Einsatzabteilungen wegen einer Person. Ein langjähriges Verwaltungsgerichtsverfahren verpflichtete die Gemeinde zur Wiederaufnahme dieser Person in die Einsatzabteilung, die vor Kurzem auch erfolgte.“

Deshalb seien die Gemeindebrandinspektoren, der Wehrführer, alle Gruppen- und Zugführer sowie rund 90 Prozent der Mitglieder der Einsatzabteilung im Ortsteil Helsa zurückgetreten. Mit den verbleibenden Personen könne kein wirksamer Brandschutz sichergestellt werden.

„Er verhält sich nicht kameradschaftlich“ - Mitglied der Feuerwehr in Helsa bei Kassel verärgert Kameraden

Die Person ist Dr. Björn Steisel aus Hessisch Lichtenau. Er ist über die Region hinaus bekannt und in Feuerwehrkreisen umstritten. Unter anderem hatte er vor einigen Jahren versucht, Kreisbrandinspektor im Landkreis Kassel zu werden. Der promovierte Chemiker bekam den Job damals nicht und klagte gegen das Bewerbungsverfahren.

Dass sich die Kameraden der Feuerwehr in Helsa eine Zusammenarbeit mit Steisel unter keinen Umständen vorstellen können, zeigen sie durch ihre Rücktritte – dazu äußern will sich niemand. „Alle Aussagen dazu gibt es ausschließlich bei Herrn Küthe“, sagt Gemeindebrandinspektor Timo Schröder. Der sagt, es sei ausgeschlossen mit Björn Steisel zusammenzuarbeiten: „Er verhält sich nicht kameradschaftlich. Und das passt mit der Feuerwehr und dem Ehrenamt, das sie ausübt, nicht zusammen.“ Weiter wolle er nicht ins Detail gehen.

Kreis Kassel: Mitglied störe das Ehrenamt - Freiwillige Feuerwehr in Helsa vor dem Aus

Aus Feuerwehrkreisen ist zu hören, dass Steisel ein sehr schwieriger Mensch sei, der immer nach dem Haar in der Suppe suche. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihm sei schwierig und würde den Frieden in der Freiwilligen Feuerwehr massiv stören. Vor allem Führungskräfte und somit Verantwortungsträger machten sich Sorgen, dass ihr Verhalten bei Einsätzen künftig jedes Mal haarklein überprüft werde und sie nur noch mit Rechtfertigungen beschäftigt seien.

Steisel sagt dazu: „Ich denke, dass der Grund für das Verhalten der Helsaer Kameraden meine Klage gegen das Bewerbungsverfahren um die Position des Kreisbrandinspektors ist. Ihre Meinung war und ist, dass man so was unter Kameraden nicht macht.“ Dass die Freiwillige Feuerwehr jetzt aufgelöst werden soll, versteht Steisel überhaupt nicht. „In einer funktionierenden Wehr kann es doch nicht sein, dass wegen eines Einzelnen 90 Prozent der Kameraden zurücktreten.“

Feuerwehr in Helsa im Kreis Kassel: Einführung einer Pflichtwehr möglich

Den Vorwurf, dass alles überprüft werde, sollte er sich wieder aktiv in der Feuerwehr beteiligen, wehrt er ab. „Ich würde mich zurückhalten. Außerdem können die Kollegen doch froh sein, dass jemand mit Fachwissen unter ihnen ist.“ Die Gemeindevertretung tagt am Donnerstag, 21. Januar, ab 20 Uhr im König von Preußen in Helsa und entscheidet über die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr und die Einführung einer Pflichtwehr.

Kreis Kassel: Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Helsa beschäftigte schon öfter die Gerichte

Dr. Björn Steisel ist nicht nur in Helsaer Feuerwehrkreisen ein bekannter Mann. Durch verschiedene Bemühungen um Positionen in der Feuerwehr hat er schon öfter öffentliches Interesse geweckt.

Steisel bewarb sich unter anderem um den Posten des Kreisbrandinspektors im Landkreis Kassel. Doch sowohl die Feuerwehren als auch die Kreisspitze wollten einen Anderen haben. Sie entschieden sich stattdessen für Sebastian Mazassek, der den Posten 2013 schließlich auch bekam und bis heute innehat. Steisel hatte das erste Bewerbungsverfahren im Oktober 2011 mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Kassel gestoppt. Das Auswahlverfahren musste wegen eines Formfehlers wiederholt werden. Doch auch im zweiten Verfahren kam Steisel nicht zum Zuge. Er klagte wieder.

Helsa in Kreis Kassel: Mitglied sorgt für Unverständnis in Kreisen der Feuerwehr

Auch im Schwalm-Eder-Kreis soll sich Steisel um den Posten als Kreisbrandinspektor beworben haben. Ein Bewerber hatte, nachdem im Jahr 2019 die Wahl auf Tanja Dittmar gefallen war, Widerspruch dagegen eingelegt. Aus Feuerwehrkreisen hieß es damals, dass dieser Widerspruch von Steisel kam. Im Landkreis Fulda war Steisel seit 2011 und bis Ende vergangenen Jahres tatsächlich Kreisbrandinspektor.

Nach dem Hin und Her um seine Bewerbung im Landkreis Kassel wurde er dann aber nach seiner Elternzeit, in der er ab 2013 war, von seinem Dienst dort freigestellt. (Theresa Novak)

Zudem mobilisiert ein Experte aus Kassel die Feuerwehr mit einer Aufbauhilfe in Afrika: Eine Brandschutzorganisation möchte Entwicklungsländern unterstützen und helfen.

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