Tunnel Hirschhagen soll 2022 fertig sein

Schwierige Rettung im neuen A44-Tunnel: Feuerwehr Helsa bereitet sich schon seit Jahren vor

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4,2 Kilometer lang: Der Tunnel Hirschhagen befindet sich noch im Bau. Er ist der zweitlängste Tunnel in Deutschland. Unser Bild zeigt die Nordröhre im Jahr 2017.

Mit 4,2 Kilometern wird der A-44-Tunnel Hirschhagen bei Helsa der zweitlängste Tunnel Deutschlands sein. Fertig wird er erst 2022, aber die Feuerwehr Helsa bereitet sich jetzt schon vor.

Wenn der Autobahnabschnitt zwischen Helsa-Ost und Hessisch Lichtenau und der Tunnel Hirschhagen einmal fertig sind (geplant ist das für 2022), der Verkehr läuft und dort ein Unglück passiert, muss die Feuerwehr Helsa anrücken und retten, was zu retten ist. Auf diese Aufgabe bereiten sie sich seit Jahren vor.

„Wir begegnen dieser Herausforderung mit dem nötigen Respekt, sind uns aber sicher, ihr gewachsen zu sein“, sagt Timo Schröder, Gemeindebrandinspektor in Helsa. „Wir haben die richtige Ausstattung und genug Personal, das sehr gut ausgebildet ist.“

Damit die Feuerwehr heute so gut beim Thema Tunnelrettung aufgestellt ist, haben die Kräfte bereits im Jahr 2009 angefangen, sich mit ihren neuen Aufgaben zu beschäftigen. „Unsere Führungskräfte haben vor knapp zehn Jahren das erste Seminar zur Tunnelbrandbekämpfung an einem Institut in Dortmund belegt“, erklärt Schröder. „Wir hatten ja überhaupt keine Erfahrungswerte und mussten uns erst mal klar werden, wie wir unsere Leute vor Ort richtig ausbilden.“

Denn ein Einsatz im Tunnel unterscheide sich in vielen Dingen von einem Einsatz in einem Wohngebäude, erklärt der Gemeindebrandinspektor. „Bei einem Wohnungsbrand geht es uns erst mal nur darum, Menschen zu retten. Wenn uns Flammen daran hindern, zu den Personen vorzudringen, löschen wir sie natürlich.“ Die eigentliche Bekämpfung des Brandes sei aber eher zweitrangig und passiere, wenn alle Menschen aus dem Gebäude draußen sind.

„Bei Bränden in Tunneln bekämpfen wir zuerst und vorherrschend das Feuer, damit es sich nicht ausbreitet, erklärt Schröder den Unterschied. „Denn durch die Wärme, die nicht entweichen kann, entstehen enorme Temperaturen. Das führt neben den anderen Problemen, die durch Hitze und Qualm entstehen, auch dazu, dass Material im Bauwerk abplatzen und die Menschen im Tunnel gefährden kann. Im Tunnel gilt der Grundsatz: Löschen, um zu retten.“

Solche Szenarien gehen die Kameraden nun immer mal wieder im Theorieunterricht der Feuerwehr Helsa durch. Aber auch praktisch wird geübt – wie zum Beispiel Ende März in der Tunnelbaustelle Hirschhagen. Aber: „Das ist zu wenig“, sagt Schröder. „Wir wünschen uns mehr Zeit zum Üben unter Bedingungen, die der Realität nah kommen. Bevor der Tunnel eröffnet wird, müssten wir dafür eigentlich einen Zeitraum von etwa vier Wochen zur Verfügung bekommen.“ Bemühungen in diese Richtung seien aber bisher an den Behörden gescheitert. Trotzdem: Angst vor der neuen Aufgabe haben die Helsaer Feuerwehrkameraden nicht. „Wir schaffen das. Das Einzige, was wir befürchten, ist eine deutliche Zunahme von Einsätzen. Das könnte ein Problem für manche Arbeitgeber sein, die die Feuerwehrleute dafür freistellen müssen.“

Denn die Wehr hat ja nicht nur einen weiteren und vergleichsweise langen Tunnel in ihrer Zuständigkeit, sondern auch den neuen Autobahnabschnitt. „Die Wahrscheinlichkeit, zu Lkw-Unfällen ausrücken zu müssen, steigt dadurch natürlich.“

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Feuerwehr Helsa ist für sechs Tunnel zuständig

Die Feuerwehr Helsa mit ihren 117 Einsatzkräften ist auch jetzt schon für einige Tunnel zuständig. Allerdings sind diese viel kürzer. Das sind der Schulbergtunnel (700 Meter lang), der Walbergtunnel (280 Meter lang) und der Hopfenbergtunnel (540 Meter lang). Außerdem rückt die Helsaer Feuerwehr an, wenn es im Tunnel Küchen bei Hessisch Lichtenau (1,4 Kilometer lang und seit Oktober 2018 eröffnet) brennen sollte. 

„Bei Brandereignissen in Tunneln kommen immer vier Feuerwehren, zwei aus jeder Richtung“, erklärt Helsas Gemeindebrandinspektor Timo Schröder. Im Falle des Tunnels Hirschhagen sind das aus der einen Richtung die Wehren aus Hessisch Lichtenau und Waldkappel, aus der anderen die Einsatzkräfte aus Kaufungen und Helsa. Die Zuständigkeit der Helsaer Wehr in Küchen, dem Wahlberg-, Schulberg- und Hopfenbergtunnel, gilt nur im Falle von Bränden, nicht aber zum Beispiel bei Verkehrsunfällen. 

Im Tunnel Hirschhagen wird das aber anders sein, denn: „Dieser Tunnel gehört zu Helsa, das heißt, wir decken dort alle Aufgaben der Feuerwehr ab“, sagt Schröder. „Das sind also zum Beispiel Unfälle, ausgelaufene Betriebsstoffe und natürlich Brände.“ Auch jetzt ist die Wehr schon für den Tunnel zuständig, wenn auf der Baustelle etwas passieren sollte. Ein weiterer Tunnel, für den die Feuerwehr Helsa in Zukunft zuständig sein wird, befindet sich gerade in der Planung. Er entsteht zwischen Helsa und Oberkaufungen.

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