Söhne fielen dem Krieg zum Opfer

Volkstrauertag: Das Schicksal der Familie Röhling aus Helsa

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Kriegsmahnmal an der Berliner Straße in Helsa.

Am Sonntag ist Volkstrauertag – überall wird an diesem Tag den Opfern von Krieg und Gewalt gedacht. 

Es gibt wohl kaum eine Familie in Deutschland, die in den beiden Weltkriegen keine Angehörigen verloren hat. Ob im Gefecht, im Lazarett, in Kriegsgefangenschaft oder aber an der Heimatfront.

Eine dieser tragischen Familiengeschichten ist die der Röhlings, weiß Helmut Jordan vom Geschichtsverein Helsa. „Konrad und Anna Röhling lebten hier im Ort und hatten sieben Söhne, die zwischen 1914 und 1925 geboren wurden“, sagt der 87-Jährige. „Sechs von ihnen kamen aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück.“

Drei überlebten es nicht 

Drei von ihnen seien gestorben, wie August Röhling. Der Feldwebel war der Drittälteste der Familie und starb 1948 in russischer Kriegsgefangenschaft. Drei Röhlings wurden als vermisst gemeldet: Von Paul-Walter Röhling, dem Nesthäkchen, fehlte jede Spur.

Nur der Jüngste – Jordan erinnert sich nicht mehr an dessen Vornamen – hätte den Krieg überlebt. „Er ist aber nie wieder nach Helsa zurückgekommen“, erzählt er.

Der Junior habe seine Wurzeln verloren, bevor er zurückkehren konnte: „Anna Röhling muss etwa um 1934 gestorben sein und die Familie lebte in immer bitterer Armut.“ Der Lohn des Vaters, ein einfacher Arbeiter, habe nicht ausgereicht, um die sieben Söhne zu ernähren. „Und um das Haus Alte Berliner Straße 87 zu unterhalten.“

Abriss wegen Wanzenbefall 

So sei das Gebäude mit der Zeit verfallen und so stark von Wanzen befallen gewesen, dass man es schließlich abriss. „Das war 1938. Ich habe als kleiner Junge dabei zugeguckt“, sagt Jordan, der 1932 geboren wurde.

Auf dem Grundstück habe die Gemeinde dann ein neues Haus errichtet, das der damalige Bürgermeister August Zimmermann bezog. „Das Haus steht heute noch, ein Fachwerkgebäude, Alte Berliner Straße 11.“ 

Rund ein Jahr nach dem Abriss starb auch der Vater Konrad Röhling, während die Söhne nach und nach in die Wehrmacht eingezogen wurden. Einer nach dem anderen fiel dem Krieg zum Opfer. Der jüngste Nachkomme und letzte Überlebende der Röhlings ist laut Jordan vermutlich nach Fürstenhagen gezogen. „Dort war er mit einer Frau liiert.“

Helsa im Visier der Alliierten

128 Menschen, die aus Helsa stammten oder im Zweiten Weltkrieg dort lebten, verloren während der Kriegsjahre ihr Leben. Davon waren 120 Soldaten. Zum Volkstrauertag 2004 organisierte der Geschichtsverein Helsa eine Ausstellung über die Einzelschicksale dieser Menschen. 

Der Verein gab eine Begleitbroschüre dazu heraus, in dem Bilder, Geburtsjahre und Todesorte der getöteten oder vermissten Soldaten stehen. Aber auch über die Zivilisten ist etwas bekannt: Bei Bombenangriffen auf den Helsaer Bahnhof am 31. März 1945 kamen vier Menschen ums Leben, bei einem weiteren Angriff am 11. April starben drei Helsaer. Am 30. Juli 1943 fiel ein Helsaer in Kassel einem Bombenangriff zum Opfer.

Weiteres Schicksal

Helmut Jordan war noch ein kleiner Junge, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, kann sich aber noch genau an die Kriegsjahre erinnern. Mit der Familie Röhling hatte er kaum Berührungspunkte, mit anderen, die im Krieg umkamen, schon. 

„Zum Beispiel mit Albert Söder“, sagt Jordan. „Der Wickenröder, der mit Katharina verheiratet war und einen Sohn namens Georg hatte, war mit meinem Vater befreundet.“ 

Söder sei dreimal im Zweiten Weltkrieg verwundet worden und nach jeder Verletzung auf Heimaturlaub nach Helsa zurückgekehrt. „Am Ende des dritten Urlaubs brachten mein Vater und ich Albert Söder zum Bahnhof. Im Frühjahr 1943“, sagt Jordan. 

Söder habe zu Jordans Vater gesagt: „Walter, pass auf Käthe und den Jungen auf, ich komme nicht wieder.“ Söder fiel am 22. Oktober 1943. „Wir waren die letzten Helsaer, die ihn gesehen haben.“

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