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Helsas Bürgermeister Andreas Schönemann spricht über Krisen und Mut

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Von: Valerie Schaub

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Mal durchatmen: Das kann Bürgermeister Andreas Schönemann zum Beispiel bei einem Spaziergang mit Golden-Retriever-Hündin Casy Richtung Kirschberg zwischen Eschenstruth und Fürstenhagen.
Mal durchatmen: Das kann Bürgermeister Andreas Schönemann zum Beispiel bei einem Spaziergang mit Golden-Retriever-Hündin Casy Richtung Kirschberg zwischen Eschenstruth und Fürstenhagen. © Valerie Schaub

In einem Interview gibt Helsas Bürgermeister Andreas Schönemann einen Einblick in die Herausforderungen des Jahres 2022 - Einkaufsmarkt, Freibad, Kita. Und auch nächstes Jahr stehen wieder viele Projekte auf seinem Plan.

Helsa – In einer kleinen Gemeinde wie Helsa ist der Bürgermeister Ansprechpartner für alles – vor allem in Krisen. Und die gibt es für Andreas Schönemann (SPD) seit seinem Amtsantritt 2021. Selbst der Pressetermin bedeutet keine Pause. Mitten im Interview steht er auf und nimmt den Hörer im Nebenraum ab. Anrufe, die ins Leere laufen, kann er nicht leiden.

Herr Schönemann, nach Ihrem Amtsantritt mitten im Schneechaos kamen 2022 größere Krisen. Wie bewahren Sie einen kühlen Kopf?

Mit Ruhe, rechtzeitiger Einbindung anderer und entsprechender Vorarbeit. Mir hat die Zeit in der Feuerwehr geholfen, anders mit Krisen umzugehen – strukturierter. Schon bevor die ersten Flüchtlinge in Helsa ankamen, haben wir mit dem Verwaltungsstab getagt. Für viele Szenarien haben wir ein Drehbuch, das hilft, zumindest für den Anfang.

In diesem Jahr ist auch der Ankauf des ehemaligen Edeka-Markts in Eschenstruth geplatzt. Nehmen Sie das als Scheitern wahr?

Gewissermaßen. Aber man kann niemandem einen Vorwurf machen, es ist eine komplexe Geschichte. Ich hatte immer einen Plan B. Wir sind nach wie vor bemüht, über einen Dorflädchen oder einen Teomarkt (Selbstbedienungsladen auf 50 Quadratmetern der Supermarktkette Tegut, Anmerkung der Redaktion) eine Nahversorgung zu schaffen. Ich bin guter Hoffnung, dass wir das nicht nur für Eschenstruth, sondern auch für Wickenrode hinbekommen.

Wo sehen Sie denn noch Luft für neue Gewerbetreibende?

Tja ... Wir können derzeit keine großen Grundstücke anbieten. Wir haben eine sehr kleinteilige aber gesunde Gewerbestruktur. Die Einnahmen bei den Gewerbesteuern bewegen sich zwischen 700 000 und knapp über einer Million Euro. Das ist nicht viel, dafür gibt es keine großen Auswirkungen auf den Haushalt. Der Fokus muss also auch darauf liegen, die Betriebe zu halten, die da sind.

Wie geht das?

Durch gute Infrastruktur, durch Glasfaser und eine gute öffentliche Anbindung an den Regionalverkehr, damit sie konkurrenzfähig bleiben. Der Gewerbesteuerhebesatz hat sich zudem gut gehalten. Das gilt für alle: Man muss auf stabile Verhältnisse der Gemeinde vertrauen können. Es ist ein wichtiges Zeichen, das Niveau zu halten und trotzdem unsere Aufgaben erfüllen.

Sie haben seit Ihrem Amtsantritt die Steuern nicht erhöht. Wie lange gelingt Ihnen das noch?

Es ist kaum möglich, über das Jahr hinauszuschauen. Ich bin ja auch kein Alleingestalter des Haushalts. Mit dem Gute-Kita-Gesetz kommt ein Brocken auf uns zu. Wenn wir hierfür nicht mehr Unterstützung bekommen, werden wir die Mehrausgaben für 2024/2025 wohl nur über Steuererhöhungen auffangen können. Viel weiter zurücknehmen können wir uns nicht, wir machen seit zwei Jahren nur das Pflichtprogramm. Die nächste Pflichtaufgabe, die ansteht, ist das Freibad.

Freibäder kämpfen ja gerade überall ums Überleben. Welche Perspektive sehen Sie für das Freibad in Helsa?

Mit Hinblick auf die Energiekrise lässt sich das schwer sagen. Sonst gibt es mit einer neuen Beckenfolie und neuen Pumpen erst mal keine unvorhergesehenen Mängel. Wir müssen auf Sicht fahren und schauen, was für den Betrieb über Solar noch möglich ist.

Also wird das Freibad im Sommer endlich wieder öffnen?

Davon gehe ich aus. Die Leute warten auch darauf. Die Gemeinde zahlt 10 000 Euro für den Betrieb an den Förderverein. Der ist eine große Stütze und macht den Betrieb überhaupt erst möglich. Es wäre unfair, zu sagen, wegen 2000 Euro Energiekosten schließen wir das Bad. Der Förderverein leistet viel durch seinen ehrenamtlichen Einsatz.

Auch die Straßensanierung ist eine Pflichtaufgabe. Aber jedes Jahr werden Ausgaben dafür verschoben oder gekürzt. Wie wird das 2023 sein?

Das ist ja nicht in jedem Jahr so. In diesem Jahr war es eine Ausnahme, es gab nur entweder oder. Straßen oder Kitaplätze. Die Kitaplätze waren wichtiger.

Also hat die Gemeinde zwei Drittel der 300 000 Euro für die neue Kita-Gruppe in Wickenrode ausgeben.

Weil Götel noch im Glasfaserausbau ist, lassen sich Straßenarbeiten momentan sowieso nicht vernünftig umsetzen. Ich hoffe, dass wir 2023 unsere geplanten Ansätze voll einbringen können, wir brauchen das auch. Aber wir müssen immer damit rechnen, dass Bauprojekte teurer werden.

Was werden – neben den Straßen – die großen Projekte 2023 sein?

Der Anbau der Kita Eschenstruth, nach wie vor das Freibad. Und die Nahversorgung bleibt unser oberstes Projekt.

Wollen Sie immer noch 40 neue Bauplätze in Eschenstruth schaffen?

Bauplätze ja, über die Größe müssen wir noch sprechen, vielleicht eher zehn bis 15 Plätze. Es geht darum, gesund zu wachsen. Die Infrastruktur mit Kita- und Schulplätzen muss nachkommen. Es lässt sich auch schwer einschätzen, ob die Grundstücke so gut weggehen wie vor zwei Jahren.

In Eschenstruth waren für die letzten acht Bauplätze von 25 Interessenten kurzzeitig nur zwei übrig geblieben.

Das ist ein Zeichen, dass wir das behutsam angehen sollten. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass uns die Grundstücke aus den Händen gerissen werden.

Was wollen Sie Bürgern für das kommende Jahr mitgeben?

Dass sie Zuversicht und Vertrauen in staatliche Institutionen haben und darin, dass es wieder besser wird, auch wenn ich ihnen im Moment nicht sagen kann, wie und wo genau das so kommen wird. Dazu braucht es Mut.

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