Kampf um den Chefsessel

Stichwahl in Helsa: Andreas Schönemann (SPD) und Florian Pohner (CDU)

Wollen Bürgermeister in Helsa werden: Andreas Schönemann (SPD) und Florian Pohner (CDU).
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Wollen Bürgermeister in Helsa werden: Andreas Schönemann (SPD) und Florian Pohner (CDU).

Am 22. November müssen die Helsaer erneut an die Wahlurne treten. Aktuell trennen Andreas Schönemann (SPD) und Florian Pohner (CDU) elf Prozentpunkte.

Helsa - Im Streitgespräch erklären beide, wie der Wahlkampf läuft, wie Ortskerne belebt werden und wie ihr Verhältnis nun ist.

In Helsa war es nicht so eng wie in den USA, aber zeitweise sah es nach der absoluten Mehrheit für Herr Schönemann aus. Sind Sie enttäuscht?
Andreas Schönemann: Das Ergebnis war erwartbar. Bei vier Kandidaten die absolute Mehrheit zu erhalten, ist unrealistisch. An dem Abend war das trotzdem ein Wechselbad der Gefühle. Als es am Ende dann nur 3,5 Prozent waren, denkt man, das hätte es jetzt sein können.
Florian Pohner: Ich bleibe dabei, es war ein super Ergebnis. Die Stichwahl war abzusehen. Ich bin froh, dass wir überhaupt so weit gekommen sind, wir sind schließlich seit Jahrzehnten SPD-regiert. Es gab noch nie eine Stichwahl. Beim letzten Mal als es drei Kandidaten gab, ist Tilo Küthe durchmarschiert.
In ihren Ortsteilen haben Sie beide gut abgeschnitten. Herr Pohner, wie wollen sie die Eschenstruther trotz Corona überzeugen?
Genauso, wie ich meine Wickenröder überzeugt habe. Ich war vor Ort und werde das auch weiter sein – natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln. Es ist wichtig ins Gespräch zu kommen und den Leuten klarzumachen, dass ein Wechsel stattfinden muss, damit wir etwas bewegen können. Um die Leute zu informieren, nutze ich Zeitung, Gemeindeblättchen und Flyer. Außerdem habe ich mir Lautsprecherwerbung genehmigen lassen. Ich fahre jetzt mit meinem Traktor durchs Dorf. Auch Zaungespräche versuche ich zu führen, aber klar, das klassische Klinkenputzen kann nicht stattfinden.
Und wie gewinnen Sie die Wickenröder für sich, Herr Schönemann?
Wahlkampf unter Corona-Bedingungen machen wir seit Wochen. Was ich aber anmerken möchte, auch mit mir wird es einen Wechsel geben. Ich glaube, es ist eine Persönlichkeits- und keine Parteienwahl. Und ich bin nicht der Herr Küthe. Ich will den Wickenrödern und allen anderen mitgeben, dass sie entscheiden müssen, wer Helsa repräsentieren soll und wem sie das zutrauen. Die Leute sagen oft, ihr habt alle die gleichen Ziele. Wir haben aber auch alle dieselben Probleme. Die Herangehensweise ist aber eine andere.
Rainer Dallmann hat empfohlen, Herrn Pohner zu wählen. Wurmt Sie das, Herr Schönemann?
Es wurmt mich nicht und ich muss es auch nicht nachvollziehen können. Es ändert aber nichts an meinen Wahlkampf. Wir dürfen eine Kommunalwahl, die erst im März ist, nicht mit einer Bürgermeisterwahl verwechseln. Man stärkt eine Opposition nicht, in dem man jetzt einen Bürgermeister nicht wählt, den man unter anderem Umständen für geeignet hält.
Grüne Themen sind nicht unbedingt die Stärke der CDU. Wie erklären Sie sich die Unterstützung, Herr Pohner?
Es gibt da zwei Ansätze. Gerade als Biobauer liegt es nahe, dass ich eher zu den Grünen tendiere. Das andere ist, und da spielt Herr Schönemann ja immer wieder gerne drauf an, die Frage, ob es um eine Persönlichkeits- oder Parteienwahl geht. Er hat aber doch die SPD im Rücken. Er hat schließlich Videos mit dem Landrat, dem Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels und der Landtagsabgeordneten Manuela Strube auf seinem Account. Da merkt man, dass die Partei sehr wohl eine Rolle spielt. In Helsa hat sich da in den vergangenen Jahrzehnten abgezeichnet, dass die GLH und die CDU in der Opposition gut zusammenarbeiten können. Beides spielt eine Rolle, Persönlichkeit und Partei.
Sie beide wollen Helsa weiterentwickeln. Herr Schönemann, warum haben Sie ein Baugebiet in Eschenstruth forciert?
Weil wir geschaut haben, wo das größtmögliche Baugebiet ist. Uns ist allen bewusst, dass Helsa wachsen muss. Wir hatten zuletzt Baugebiete in Helsa und in Eschenstruth einen Lückenschluss. Wie kann man den Lückenschluss nach St. Ottilien hinbekommen, das ist die Frage und die Lösung noch sehr unkonkret. Der demografische Wandel betrifft auch uns und auf lange Sicht könnte es dem Erhalt der Grundschule helfen, wenn es mehr Neubaugebiete gibt.
Herr Pohner, wo wollen Sie mehr Häuser sehen?
Wenn Sie mich konkret fragen, dann ist sicher Helsa in Richtung Alter Friedhof/Tankstelle eine Option. Aber das Ganze muss auch im Rahmen bleiben. Bei den Rundgängen durch die Orte hat sich gezeigt, es gibt erheblichen Leerstand. Das muss jetzt fokussiert und abgearbeitet werden. Natürlich muss man Bauplätze schaffen, aber wir dürfen nicht alles zupflastern. Was sollen unsere Kinder machen, die haben dann womöglich keinen Platz mehr. Wir wohnen auf dem Land, da darf man nicht alle Flächen versiegeln.
Wie sieht es denn aus in den Ortskernen? Wie kann man diese beleben?
Schönemann: Unabhängig davon, dass wir einen Nahversorger in Eschenstruth wollen, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass auch kleinere Läden wie Metzger oder Bäcker zur Dorfmitte gehören. Wir müssen nicht nur Häuser wieder füllen, sondern auch den Dorfkern attraktiv halten. Unsere Ortsteile sind sehr unterschiedlich ausgestattet, das muss man verstehen und dort dann individuell weiterentwickeln.
Pohner: Es geht nicht nur um die Bäckerei, Fleischerei oder den Edeka. Das Problem sind auch die geschlossenen Banken. Wir könnten uns am Werra-Meißner-Kreis orientieren. Dort wurde ein Bank-Bus eingeführt. Ähnliches könnte man mit einem mobilen Markt machen. Natürlich muss man vorher erst mit den Bürgern klären, was sie wollen. Ein Markt im Dorf funktioniert nur, wenn Leute ihn nutzen. Nicht zuletzt deswegen hat sich in Wickenrode auch kein Metzger oder Ähnliches gehalten. Man kann auch neue Wege gehen. Etwa indem man prüft, ob man in Eschenstruth an der B 7 eine Fläche ausweist und einen Markt hinstellt. Jeder, der in Richtung Hess. Lichtenau fährt, käme da vorbei.
Sie sind beide jünger als der Amtsinhaber Herr Küthe. Wird sich das bemerkbar machen?
Schönemann: Wir sind beide in einer Zeit groß geworden, in der man gewohnt ist, mit schnelleren Entwicklungen zu leben und sich schneller anzupassen. Wir haben viele Aufgaben vor uns, die nicht nur durch Bürgernähe, sondern auch durch Information und den Dienstleistungsgedanken gelöst werden müssen. Wir haben auch einen anderen Zugang zu Sozialen Medien und zu der damit einhergehenden Transparenz.
Pohner: Es liegt nicht nur am Alter, es liegt auch an der Einstellung. Es gibt auch Leute mit 40, die faul sind und es gibt andere, die nach vorne wollen und 120 Prozent geben. Wer so ist, geht Themen auch anders an. Wo andere noch debattieren, was gesetzlich geht, da handele ich schon und gehe voran. Das sieht man bei unserem Vorstoß zum Bad. Aktuell ist es die Leipziger Straße 50. Jetzt hat die SPD auch eine Anfrage gestellt. Vor sechs Wochen habe ich schon Kontakt mit dem Innenministerium aufgenommen und das über das Polizeiklären lassen.
Schönemann: Aufgrund einer falschen Mail-Adressierung habe ich selbst erst vor kurzem ein Schreiben der Anwohner an der Leipziger Straße erhalten. Alle vorherigen Schreiben sind somit leider weder der Fraktion, noch mir als Kandidaten zugegangen. Außerdem schien das Problem für die Anwohner längst nicht gelöst. Darüber wurde ja in der HNA am Samstag aktuell berichtet.
Wahlkampf ist für die Beziehung nicht unbedingt gut. Können Sie danach noch ein Bier miteinander trinken gehen?
Schönemann: Ich denke schon und würde ihn gerne zum Bier einladen. Es gibt keine persönlichen Animositäten.
Pohner: Natürlich, würde ich annehmen. Auch, weil er einiges gutzumachen hat. Am Tag der Wahl habe ich ihm viel Erfolg und gutes Gelingen gewünscht und es kam nichts zurück. Da bin ich ein bisschen enttäuscht

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