Leerstand seit 13 Monaten

Die Rufe nach einem neuen Lebensmittelmarkt in Eschenstruth werden lauter

Ein Herr zeigt auf ein Papier mit der Aufschrift „Markt aus betrieblichen Gründen geschlossen“, dahinter zwei weitere Herren.
+
„Markt aus betrieblichen Gründen geschlossen“: Dieser Hinweis hängt seit etwas mehr als einem Jahr an der Eingangstür des ehemaligen Edeka-Marktes in Eschenstruth. Dass sich das wieder ändert, dafür setzen sich unter anderem (von links) Raoul Gerhold, Marco Seifert und Gerhard Hobein aus Eschenstruth ein.

Die Gemeinde Helsa will den ehemaligen Lebensmittelmarkt in Eschenstruth kaufen und neu eröffnen lassen. Deren Bewohner wünschen sich wieder eine sichergestellte Versorgung.

Helsa – Seit knapp 13 Monaten steht der ehemalige Edeka-Markt im Welleroder Weg in Eschenstruth leer, nachdem Inhaber und Betreiber Matthias Schäfer im April 2020 plötzlich gestorben war. Jetzt haben die Gemeindevertreter den Ankauf des Gebäudes beschlossen (wir berichteten). Das freut die Eschenstruther, die sich bislang für einen neuen Lebensmittelmarkt starkmachten.

Weg zum Markt war beliebt für Spaziergänge

„Viele haben in den vergangenen Monaten gemerkt, was sie für Extrawege machen müssen – selbst nur für Kleinigkeiten wie ein Stück Butter“, sagt Raoul Gerhold. Der 47-jährige Mit-Geschäftsführer eines Niestetaler Dentallabors und Vorsitzende des dortigen Gewerbeverbands lebt seit seiner Geburt in Eschenstruth. Daher sei er „mit dem Ort schon immer verbunden“.

Vor allem für Ältere und weniger mobile Menschen in Eschenstruth und den Helsaer Ortsteilen St. Ottilien und Waldhof sei die Schließung des Ladens ein Problem. Einige von ihnen seien zuvor vom Markt beliefert worden und müssten zurzeit andere Menschen darum bitten, für sie einzukaufen.

Darüber hinaus hätten viele Menschen aus der Umgebung ihren Weg zum Markt zu Fuß als Spaziergang genutzt. „Er ist ein Anlaufpunkt gewesen, und das fehlt“, sagt Gerhard Hobein. „Das Vereinsleben ist perfekt, die Gemeinschaft stimmt – was fehlt, ist ein öffentlicher Platz“, fügt Gerhold an.

Abwicklung des Erbes verhindert bislang Kauf der Gemeinde

Nach dem Tod von Matthias Schäfer habe er daher mit dem damaligen Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) überlegt, wie man die Lebensmittelversorgung in Eschenstruth und Umgebung sicherstellen kann. „Irgendwer musste den Anstoß geben“, sagt Gerhold.

Doch vor allem die Erbabwicklung sowie mehrere Gutachten durch den zwischenzeitlichen Tod eines Erben hätten einen Verkauf des ehemaligen Marktes lange verhindert. Auch zurzeit dürfe er noch nicht offiziell verkauft werden, da noch kein Erbschein vorliege.

Aufgrund dieser Probleme hatte sich kurzzeitig der wieder in seine Heimat zurückgezogene Marco Seifert angeboten, mit seiner Partnerin Sabrina Schrötwieser einen separaten Markt an der Langen Wiese in der Dorfmitte zu eröffnen.

Bewohner müssen zurzeit auf ihrem Arbeitsweg einkaufen

Sobald der Erbschein allerdings vorliegt und die Gemeinde Helsa den ehemaligen Markt im Welleroder Weg kaufen darf, möchte das Paar dafür dort die neuen Leiter unterstützen. Die Eschweger Firma Stellenwert soll den Markt dann als Nahkauf eröffnen.

„Die Idee ist, meine Freundin als ortskundige Mitarbeiterin zu beschäftigen, um Stellenwert zu unterstützen“, sagt Seifert. Die Firma sei noch nicht sehr erfahren im Landkreis und das Paar habe Erfahrungen in der Gastronomiebranche.

Für die Vorbereitungen bis zur Öffnung müsste ein halbes Jahr eingerechnet werden, wie Raoul Gerhold sagt. Er hoffe daher auf eine Öffnung gegen Ende des laufenden Jahres. Danach würde vor allem eines gelten: „Die Eschenstruther müssen es annehmen“, sagt Gerhard Hobein.

Zurzeit kaufen viele auf ihrem Arbeitsweg ein, wie er sagt. Seine Hoffnung ist, dass sie das nicht mehr machen, wenn sie nicht mehr dazu gezwungen sind. (Jan Trieselmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.