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Myriam Siegler aus Helsa tritt als Mausdompteurin auf

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Von: Michaela Pflug

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Mausdompteurin Myriam Siegler hat eine ihrer Mäuse auf dem Hut sitzen.
Für den Balanceakt auf dem Hut braucht es Training: Myriam Siegler und eine ihrer Mäuse. Sechs bis zehn der sozialen Tiere beherbergt sie normalerweise. © Jan Hillnhütter

Wenn Myriam Siegler aus Helsa auf der Bühne steht, ist sie selten allein. Die Stars ihrer Show sind Mäuse, denn Siegler ist Mausdompteurin.

Helsa – An ihrer Seite sind dann der legendäre D’Artagnan, der wilde Rasputin oder die rotäugige Hexe Kassiopeia. Nicht nur die Helsaer Tiertrainerin schlüpft in eine Rolle, sondern auch ihre tierischen Stars, die Mäuse.

Die finden manche Menschen ja eher eklig. Eine Sicht, die Siegler mit ihren Shows aktiv zu bekämpfen sucht. „Natürlich gibt es Leute mit Phobien. Aber es gibt eben auch solche, die einfach mal die Chance brauchen, die Tiere in Ruhe auf der Hand zu betrachten, zu sehen wie sozial sie mit dem Menschen interagieren und auch untereinander.“ Im Allgemeinen sei eine Maus so schnell unterwegs, dass es dazu kaum Gelegenheit gebe.

Damit die Maus lang genug still sitzt, auf Zuruf kommt oder auf dem Hut balanciert, braucht es belohnungsbasiertes Training. Wie lange das dauert und ob es funktioniert, sei schwer pauschal zu sagen, ein oder zwei Monate seien es meist. „Das hängt stark von der Persönlichkeit der Maus ab.“ Auch spiele es natürlich eine Rolle, welches Kunststück die Maus zeigen soll. Mache Trainer hätten ihren Tieren beigebracht, Bälle zu werfen.

Vieles was die Mäuse bei ihren Auftritten machen, sei eigentlich recht simpel. Beim Mausroulette wetten die Zuschauer zum Beispiel, in welches Haus die Maus rennt. Es gehe auch darum, eine Geschichte zu erzählen, die Leute mitzunehmen.

Eine Maus auf der Hand einer Person.
Farbmäuse gibt es in vielen Schattierungen. © Jan Hillnhütter

Längst nicht jede Maus sei überhaupt für den großen Auftritt geeignet: „Manche sind richtige Rampensäue, andere nicht.“ Das herauszufinden und den Bedürfnissen der Tiere zu entsprechen, sei Aufgabe und Kompetenz eines guten Tiertrainers. „Man muss sich die Maus anschauen. Ist sie an ihrer Umwelt interessiert, will sie die Interaktion, was mag sie?“

Tiere habe sie schon immer geliebt: „Ich habe als Kind zuhause alle möglichen Viecher angeschleppt.“ Zur Maus sei sie allerdings wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. „Ich war als junges Mädchen sehr fantasy- und mittelalteraffin.“ Daher sei sie auch gerne auf Mittelaltermärkte gegangen und habe dort schnell Anschluss an die Künstlerszene gefunden. Dort habe es auch eine Frau gegeben, die das Mausroulette betrieb. Als diese sich umorientierte, habe man sie angesprochen, ob das nicht passen könnte. „Und ja es passte.“ Langsam arbeitete Siegler sich ein, begann zu touren, und auch die Nachfrage und das Interesse an dem ungewöhnlichen Akt seien groß gewesen.

Bis dann Corona kam. „Die Show lebt davon, dass die Menschen nah herankommen. Dass man auch meine Mimik erkennen kann. Das funktioniert mit Maske nicht.“ Glücklicherweise hat Siegler zwei weitere Standbeine: Sie arbeitet für einen Kulturverein und engagiert sich als Stelzenläuferin mit einer Berliner Künstlergruppe. Daher pendelt die 43-Jährige regelmäßig zwischen der Hauptstadt und Helsa. „Die Mäuse reisen immer mit, die haben einen luxuriösen Stall und ich ein großes Auto.“

Allerdings ist das aktuell gar kein Thema. „Ich bin das erste Mal in 20 Jahren ohne Maus.“ Denn die lebten meist nur zwei Jahre. Als im vergangenen Jahr die Letzte starb, habe sie sich entscheiden, erst einmal abzuwarten, wie sich die Pandemie entwickelt. Und wenn die endet? „Will ich mit den Mäusen weitermachen“. (Michaela Pflug)

mausroulette.de

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