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Nach A44-Spatenstich starten erstmal nur die Vorarbeiten

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Bagger war nur Blickfang:Arbeiten an der A44
Bagger war nur Blickfang:Arbeiten an der A44 © HNA/Koch

Helsa. Den Bagger an der B7-Waldhof-Kurve beim offiziellen Spatenstich am Dienstag deuteten viele bereits als Beginn der Bauarbeiten für die A44 zwischen Helsa-Ost und Hess. Lichtenau-West (VKE12).

Doch der gelbe Bagger diente nur als Blickfang – bis die eigentlichen Bauarbeiten für die Autobahntrasse und den 4,1 Kilometer langen Tunnel Hirschhagen beginnen, werden noch mindestens anderthalb Jahre ins Land gehen.

Denn zunächst werden nach Auskunft von Reinhold Rehbein, Sprecher des federführenden Amts für Straßen- und Verkehrswesen (ASV), umfangreiche Vorarbeiten erledigt. Das ist erst einmal die Sicherstellung der Entwässerung des späteren Riesentunnels. Dazu sind ein Regenrückhaltebecken und ein 1,5 Kilometer langer Abwasserkanal nötig.

Mit dem Bau des Rückhaltebecken zwischen B7 und Losse wird am 7. Juni begonnen. Diese Erdarbeiten werden sich bis November hinziehen.

Grafik A44-Bauabschnitt

Von Herbst 2010 bis Mitte 2011 soll der Abwasserkanal vom späteren Tunnelmund zum Rückhaltebecken gebaut werden. Er wird unter der B7 im Mikrotunnel-Verfahren von einer Maschine in den Boden getrieben. Die B7 muss dazu nicht aufgerissen werden, während der Bauarbeiten stehen zwei der drei Fahrspuren für den Verkehr zur Verfügung.

Im kommenden Winter 2010/2011 schließen sich umfangreiche Rodungsarbeiten im Stiftswald entlang der B7 an. Auf einer Breite von 80 bis 100 Meter müssen die Bäume weichen, um zwischen Helsa und dem künftigen Tunnelmund Platz für die A44 zu schaffen. Mit dem Bau der Autobahntrasse und des Tunnels kann frühestens zum Jahreswechsel 2011/2012 begonnen werden.

Denn das europaweite Vergabeverfahren für den 241 Millionen teuren Autobahnabschnitt ist aufwändig. Für den Bau der beiden Tunnelröhren werden drei Jahre veranschlagt, für den Innenausbau des Tunnels weitere zwei Jahre. Somit kann frühestens ab 2016 der Verkehr auf diesem Autobahn-Abschnitt fließen.

Beim Bau der Trasse sind umfangreiche Geländemodellierungen vorgesehen. Um die Lärmgrenzwerte einzuhalten, wird die Autobahn bei Waldhof hinter einem bis zu 12 Meter hohen Erdwall verschwinden. „Von Waldhof aus wird man die Autobahn nicht sehen“, sagt Rehbein, man tue hier mehr als die gesetzlichen Grenzwerte vorschreiben. „Die Erdmassen sind ja vorhanden“, sagt der ASV-Planer. Für den Erdwall werde Material aus dem Tunnel verwendet, das auch gering belastet sein könne.

Weiteres, aber unbelastetes Tunnelmaterial wird zur Rekultivierung der Zeche Hirschberg verwendet. Unklar ist derzeit noch, wo die Erdmassentransporte entlang führen werden. Hessens Verkehrsminister Dieter Posch will im Juni auf die betroffenen Kommunen Helsa und Hess. Lichtenau zugehen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Helsa will die Lkw-Fahrten durchs Dorf nicht hinnehmen. Für den Hess. Lichtenauer Ortsteil Friedrichsbrück ist eine Umgehung geplant.

Von Holger Schindler

Hintergrund: Datenbahn statt neue Autobahn - Weiter Protest gegen A44-Bau

Dass die A44 durchs Lossetal geführt wird, sorgt in den Gemeinden Kaufungen und Helsa weiter für Unmut. Trotzdem sprach sich Helsas Bürgermeister Tilo Küthe jetzt für einen zügigen Baubeginn aus. Man sei zwar gegen die A44 in der Tal-Lage, da sie nun aber genehmigt sei, müsse sie zügig gebaut werden. „Denn während der Bauzeit leiden wir noch mehr“, sagte Küthe zur Begründung.

Das sieht die Bürgerinitiative (BI) Pro A44 ganz anders. Sie hofft, dass ihre Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zugelassen wird. Die Entscheidung darüber steht noch aus, bauaufschiebende Wirkung hat die Klage aber nicht. „Verkehrsminister Dieter Posch hat vor allem vom Schutz für Natur und Umwelt gesprochen, aber nicht für die Menschen, die wesentlich mehr belastet werden“, kritisierte BI-Sprecher Lothar Siebert aus Helsa beim Spatenstich.

„Sie sollten lieber eine Internet-Autobahn bauen als eine wirkliche Auto-Bahn“, sagte Claus Brechmann von der Grünen Linken Liste Kaufungen, eine B7 mit Ortsumgehungen reiche für den Verkehr vollkommen aus. (hog)

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