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So wachsen neun Windräder im Stiftswald in die Höhe

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Von: Boris Naumann

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Helsa. Vier von insgesamt neun mächtigen Windkraftanlagen im Stiftswald sind derzeit Bau. Bereits im Spätsommer soll alles fertig sein. Ein Besuch vor Ort.

Matsch überall, aufgerissener Boden, Bagger und Beton. Kräftig gearbeitet wird derzeit weit oben im Stiftswald bei Helsa. Neun Windkraftanlagen sollen hier bis zum Spätsommer 2016 rund um den 528 Meter hohen Bielstein entstehen. Der Plan ist ehrgeizig, unentwegt fahren Muldenkipper durch den Forst, Schwertransporter schaffen Einzelteile für die Windkraftanlagen herbei.

50 Meter in Richtung Himmel: Schon von Weitem ist der Baufortschritt im Windpark Stiftswald zu sehen. Foto: Hedler
50 Meter in Richtung Himmel: Schon von Weitem ist der Baufortschritt im Windpark Stiftswald zu sehen. Foto: Hedler

„Aktuell bauen wir an vier Stellen gleichzeitig“, sagt Projektleiter Roland Schoof. Für Anlage neun wurde eben das Bauloch ausgehoben, für die Anlagen sechs und acht werden die Fundamente erstellt. In Richtung Himmel geht es bereits bei Windkraftanlage Nummer fünf. Rund 50 Meter hoch überragt der Turm aus Betonsegmenten bereits die Baumwipfel. Der dünne Spargel ist schon von weit her mitsamt Kran zu sehen. Am Ende wird er 155 Meter messen - wie auch die übrigen Anlagen.

Seit Baubeginn im Jahr 2015 ist viel passiert. Kabel wurden verlegt, vorhandene Waldwege für die Bauarbeiten verstärkt. Die ausführende Baufirma Enercon hat mitsamt der beauftragten Subunternehmen permanent 50 Mann vor Ort. „Bei idealen Bedingungen kann eine Windkraftanlage binnen zweier Monate stehen“, sagt Schoof. Windkrafttechnik sei inzwischen so ausgereift, dass ein Windpark wie der im Stiftswald in weniger als einem Jahr aufgebaut werden kann.

Die Technik beeindruckt. Unmengen an Stahl und Beton, rund 90 Tonnen, werden im Boden versenkt, um darauf später stabil ein Windrad errichten zu können. Ist das Fundament ausgehärtet, werden nach und nach die einzelnen, jeweils rund 4,5 Meter hohen Betonsegmente mit einem Großkran aufgesetzt - bis auf 100 Meter Höhe. Die letzten 50 Meter bestehen aus zwei Stahlröhren, die übereinandergesetzt werden.

Roland Schoof

Drauf kommt dann die Gondel mit Nabe, dem Generator und dem dreiflügeligen Rotor mit einem Durchmesser von 115,7 Metern. 271 Tonnen wiegt die komplette Maschine. Sie produziert bis zu 3000 Kilowatt Strom. „Läuft eine Anlage einen ganzen Tag lang mit dieser Leistung, was nicht abwegig ist, produziert sie 72 000 Kilowattstunden (KWh) Strom“, rechnet Schoof vor. Damit können 30 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden. „Im normalen Dauerbetrieb werden alle neun Anlagen zusammen 25 000 Haushalte mit Strom versorgen können.“

Kartenansicht: Hier entstehen die Windräder

Die Städtischen Werke, die mindestens 50 Millionen Euro in den Windpark stecken, sind stolz auf das Projekt. „Der Strom wird direkt ins Kasseler Stromnetz eingespeist“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher Städtischen Werke. Keine Kilowattstunde ginge verloren. Ein bereits in Betrieb befindliches Umspannwerk im Stiftswald wird die elektrische Energie der neun Windräder sammeln und via Erdkabel weiter zum Kraftwerk Dennhausen nach Kassel leiten.

Wie in der Söhre und am Rohrberg sei auch bei diesem Windpark eine wirtschaftliche Beteiligung von Kommunen und Bürgerenergie-Genossenschaften von 74,9 Prozent der Gesellschaftsanteile vorgesehen. „Nicht nur der Strom soll von hier kommen, sondern auch der wirtschaftliche Gewinn hier in der Region bleiben“, sagt Pijanka.

Schon jetzt planen die Städtischen Werke ein großes Baustellenfest für alle interessierten Bürger Anfang Juli.

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