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Nordhessen schicken Feuerwehrautos in die Ukraine

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Von: Sven Kühling

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Packen tatkräftig an: Heinz Jordan (von links), Bernd Probst, Heinz Granse, Andreas Koldewey, Dieter Geske und Dietrich Krahn. Die ausgemusterten Feuerwehrfahrzeuge kommen aus Morschen und aus Glasehausen bei Heiligenstadt. Mehrere Wehren aus Nordhessen haben zusätzlich Ausrüstung zur Verfügung gestellt.
Packen tatkräftig an: Heinz Jordan (von links), Bernd Probst, Heinz Granse, Andreas Koldewey, Dieter Geske und Dietrich Krahn. Die ausgemusterten Feuerwehrfahrzeuge kommen aus Morschen und aus Glasehausen bei Heiligenstadt. Mehrere Wehren aus Nordhessen haben zusätzlich Ausrüstung zur Verfügung gestellt. © Sven Kühling

Eine Gruppe um den Helsaer Heinz Jordan schickt zwei Feuerwehrautos und Hilfsgerät in die Ukraine.

Kreis Kassel – Vor der Scheune an der Forstfeldstraße in Kassel stehen zwei rote Feuerwehrfahrzeuge. Eins kommt von der Freiwilligen Wehr Morschen-Wichte, das anderes von den Brandschützern aus Glasehausen bei Heiligenstadt. Das verrät jeweils die Aufschrift auf dem roten Lack. Beide von den Kommunen ausgemusterten Autos auf Basis des VW LT sollen am Montag Richtung Ukraine starten. Dort werden sie zur Brandbekämpfung nach russischen Angriffen eingesetzt.

Tagelang haben Heinz Jordan aus Helsa, der sonst Oldtimer-Veranstaltungen in der Region organisiert, und seine Mitstreiter, allesamt aktive Rentner, an den Fahrzeugen gearbeitet. Sie haben diese mit Tragkraftspritzen, Strahlrohren, Schläuchen und Generatoren bestückt. Vor allem die Feuerwehr Lohfelden habe sich mit zusätzlichem Material beteiligt, berichtet Jordan.

„Auch ein Spreizer ist dabei“, betont der Helsaer. Damit könnten Helfer im Kriegsgebiet nicht nur Menschen aus Unfallautos holen, sondern auch Öffnungen in eingestürzten Gebäuden schaffen, um Verschüttete nach Bomben- und Raketenangriffen aus den Trümmern zu retten.

Nur noch kleinere Reparaturen an den Bremsen und an einem Fenster eines der Feuerwehrautos seien notwendig, erläutert Jordan. Die Ersatzteile seien bestellt. Bei der Fensterkurbel hilft Andreas Koldewey, der ebenfalls zum Team gehört, sofort. Der Unternehmer, der an der Forstfeldstraße ein riesiges Ersatzteillager für VW-Oldtimer unterhält, baut kurzerhand die Fensterkurbel samt Seitenfenster aus einem seiner Oldies aus.

Die Feuerwehrfahrzeuge selbst seien von einem Privatmann gekauft und gespendet worden, berichtet Heinz Jordan. Am Montag werden sie auf die Reise in Richtung der 45 000-Einwohner-Stadt Fastiv südwestlich von Kiew geschickt. Zunächst rolle der Transport nach Warschau. Dort werden die Fahrzeuge von den Mitgliedern eines katholischen Ritterordens übernommen. „Diese bringen sie dann in die Ukraine.“ Laut Jordan haben die Helfer des Ordens auch Kinder aus der Gegend um das umkämpfte Stahlwerk in Mariupol evakuiert. „Dabei sind sechs Helfer ums Leben gekommen.“

Nahmen den Krankenwagen aus Nordhessen bereits entgegen: Chefarzt Dr. Myroslav Tymusi und sein Stellvertreter Dr. Ihor Matiyschuk vom Krankenhaus im ukrainischen Brody. Auf dem Boden lehnt noch das Überführungskennzeichen mit „HR“.
Nahmen den Krankenwagen aus Nordhessen bereits entgegen: Chefarzt Dr. Myroslav Tymusi und sein Stellvertreter Dr. Ihor Matiyschuk vom Krankenhaus im ukrainischen Brody. Auf dem Boden lehnt noch das Überführungskennzeichen mit „HR“. © privat/nh

In der vergangenen Woche haben die Unterstützer aus dem Landkreis Kassel, die äußerst eng mit dem Partnerschaftsverein Gudensberg zusammenarbeiten, einen Krankenwagen in die Ukraine geschickt. In der Stadt Brody mit 35 000 Einwohnern gebe es keinen einzigen Krankenwagen mehr. Mit dem Transport, so Jordan, habe man dank einer Spende von B. Braun Melsungen 1000 Kanülen, 40 000 Paar OP-Handschuhe und 950 000 Mull-Kompressen mitgeschickt. Die fachgerechte Bestückung des Fahrzeuges habe sein Mitstreiter von der Firma „Automobiles Kulturgut“, Dietrich Krahn, übernommen. „Die Sachen gehen diese Woche noch nach Brody und werden auf die verschiedenen Militär-Hospitale verteilt“, erläutert Jordan. Insgesamt habe man bislang Spenden in einem Wert von über 300 000 Euro gesammelt.

Und: Die Pläne der Helfer aus Kassel und Umgebung gehen schon weiter. Die Feuerwehr Lohfelden habe einen Anhänger mit Schaumlöschmittel gespendet. Außerdem stehe schon ein Unimog mit Löschkanone und 800-Liter-Tank bei Andreas Koldewey in der Scheune. Dieser stamme von einem Privat-Flugplatz in Villingen Schwennigen und habe kaum Kilometer auf der Uhr. Das Technikmuseum Kassel werde daran noch das Pumpenlager reparieren, sagt Jordan. Anhänger und Unimog werden schließlich mit dem Tieflader einer Spedition in die Ukraine befördert.

Und dann startet Heinz Jordan noch einen Aufruf: Zur Ausrüstung der Feuerwehrfahrzeuge fehlten noch einige spezielle Schläuche. „Es wäre toll, wenn uns eine Feuerwehr noch drei bis vier A-Saugschläuche überlassen könnte“, sagt Jordan.

Infos und Abgabe von Saugschläuchen: Heinz Jordan, E-Mail heinz.w.jordan@web.de

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