72-Jährige aus Waldhof ist „Vegranny“

Oma Herta kocht vegane Hausmannskost

Herta Fleck Vegranny aus Waldhof in ihrer Küche mit Schürze und Kochutensilien
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Verbringt viel Zeit in ihrer Küche: Herta Fleck aus Waldhof kocht für ihr Leben gern und am allerliebsten für die ganze Familie. Früher bereitete sie viel Fleisch zu, heute kocht sie oft vegetarisch und vegan.

Immer mehr Menschen ernähren sich fleischlos. Manche wollen dabei aber nicht auf gute Hausmannskost verzichten. Wie beides zusammenpasst, weiß die 72-jährige Herta Fleck aus Waldhof.

Helsa – Gulasch mit Semmelknödeln, Schnitzel mit Pommes, Spaghetti mit Bolognesesoße – Herta Fleck (72) aus Waldhof liebt gute Hausmannskost und kocht deftige Gerichte für ihr Leben gern. Besonders großen Spaß macht es ihr, das Essen für die ganze Familie zuzubereiten. Doch ein Großteil ihrer Verwandten ernährt sich vegan oder vegetarisch. Das passt jetzt erstmal nicht so gut zu Hausmannskost, könnte man denken. Doch Fleck und ihre Enkelinnen haben eine Lösung gefunden, wie es allen schmeckt: Aus Oma Herta ist „Vegranny“ geworden.

Das Wortspiel setzt sich zusammen aus „vegan“ und „Granny“, dem englischen Wort für Oma. Fleck bereitet also klassische Gerichte zu, die schon während ihrer eigenen Kindheit auf den Tisch kamen. Nur eben in der vegetarischen oder veganen Variante.

„Das Geheimnis ist, dass man das Ersatzprodukt, zum Beispiel Sojaschnitzel, genauso behandelt, als wäre es Fleisch“, sagt die 72-Jährige. „Also auch mit den gleichen Gewürzen.“ Und so kommt an die Sojaschnitzel zum Beispiel Kotelett- und Schnitzelgewürzmischung und an das vegane Gulasch eine handelsübliche Gulasch-Gewürzzubereitung.

„Ich finde, dass die vegetarischen und veganen Rezepte immer gleich so fürchterlich exotisch sind“, sagt Fleck. Aber auch ein Veganer möchte gerne hin und wieder mal ein ganz normales Schnitzel essen – nur eben ohne Fleisch.

Vor allem, wenn man sich aus ethischen Gründen ohne Tierprodukte ernährt und nicht, weil einem Fleisch nicht schmeckt. So ist es nämlich auch in der Familie von Herta Fleck. Ihre Tochter, ihr Schwiegersohn und die drei Enkelinnen ernähren sich teils vegetarisch, teils vegan, weil ihnen das Wohl der Tiere am Herzen liegt.

Und weil die Enkelinnen Valentina und Luigina (beide 19) denken, dass es vielen anderen Vegetariern und Veganern genauso geht, hatten sie die Idee, aus ihrer Oma „Vegranny“ zu machen. „Wir wollten die Rezepte unserer Oma gern mit anderen teilen“, sagen die Zwillinge. Auf der Internetplattform Instagram stellen sie deshalb regelmäßig neue Kochanleitungen mit Fotos ein.

Rezepte zu entwickeln, war anfangs gar nicht so einfach für Fleck. Denn die 72-Jährige kocht nach Gefühl, nicht nach Anleitung. „Ich habe das also umgedreht gemacht. Die Zutaten wie immer nach Gefühl bearbeitet, danach abgewogen und dann aufgeschrieben.“

Bis die endgültige Zubereitung der jeweiligen Gerichte feststand, war auch etwas Tüftelei gefragt. „Zum Beispiel bei den Schnitzeln: Die habe ich für die Panade in Öl gewälzt und dann in Semmelbröseln. Hat nicht gehalten. Also habe ich es mit Ei-Ersatz statt Öl versucht. Daran klebten die Brösel wunderbar.“

Flecks Tochter Angela ist seit 1991 Vegetarierin, ihre Enkelinnen ernähren sich schon ihr ganzes Leben fleischlos. Herta Fleck will keine Vegetarierin oder Veganerin werden. „Wir essen aber schon viel weniger Fleisch als früher“, sagt sie und meint damit noch ihren Mann und ihren Sohn. Die drei wohnen gegenüber von Tochter Angela mit Mann und drei Töchtern. „Wir verbringen als Familie viel Zeit miteinander, kochen und essen zusammen und sehen uns eigentlich täglich“, sagt Fleck. „Das ist sehr schön.“

Besonders schön wird es an den Tagen, an denen es das Lieblingsessen der Familie gibt: Schnitzel mit Pommes. „Das essen hier alle so gerne, ich habe sogar mal vegane Schnitzel für eine Klassenfahrt meiner Enkelinnen gemacht“, sagt Fleck. „Alle waren begeistert, wie gut das Gericht auch ganz ohne Fleisch schmeckt.“

Tochter Angela betont, dass die Familie trotz aller Tierliebe niemanden bekehren will. „Jeder kann essen, was er will. Wenn wir eine Feier haben, mache ich auch mal eine Fleischvariante für die Gäste. Bei uns findet jeder etwas Leckeres.“ (Theresa Novak)

Haben ihrer Oma ein Buch geschenkt, das sie mit Rezepten füllen kann: Luigina (links) und Valentina Schmidt.

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