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Radioempfang im Autobahntunnel: Experten erklären, was geht und im Notfall wichtig ist

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Von: Valerie Schaub

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Warum empfängt das Autoradio nur einige Sender im Autobahntunnel und bei anderen kommt nur Rauschen an? Die Tunneltechnik jedenfalls könnte alle Sender ausstrahlen.
Warum empfängt das Autoradio nur einige Sender im Autobahntunnel und bei anderen kommt nur Rauschen an? Die Tunneltechnik jedenfalls könnte alle Sender ausstrahlen. © Autobahn GmbH

In Autobahntunneln bricht regelmäßig der Empfang ab. Die Technik dafür ist aber vorgesehen. Im Notfall greifen auch Rettungskräfte darauf zurück.

Helsa – Mit dem Radio voll aufgedreht gehts auf der Autobahn mit Tempo 80 in den neuen Tunnel Hirschhagen rein. Nach 200 Metern ist nur noch Rauschen zu hören, und der Tunnel ist noch vier Kilometer lang.

Nervig, denkt man und stellt das Radio aus. In einem Notfall kann das eingeschaltete Radio aber wichtige Infos geben. Denn die Tunnelleitzentrale sendet über Funksignal beispielsweise bei einem Brand Durchsagen, die Autofahrer übers Radio hören. Wieso rauscht es also nur?

FFH und hr3: Diese Sender kann man im Tunnel Hirschhagen weiter hören

Die Details kennen die Ausstatter des Tunnels, Experten der Autobahn GmbH. Bei ihnen erfährt man auch, bei welchem Sender es im Tunnel nicht rauscht: FFH und hr3 werden im Tunnel Hirschhagen (Helsa) und im 900 Meter langen Tunnel Frankenhain (Schwalmstadt) weiterhin ausgestrahlt, obwohl die normalen UKW-Frequenzen nach ein paar Hundert Metern das Autoradio nicht mehr erreichen.

Wer wissen will, wie der Radioempfang im Tunnel trotzdem funktioniert, braucht nur an die Decke zu schauen: Dort laufen zwei dicke Kabelstränge entlang, erklärt Ingo Henkel, Projektingenieur für Tunnelausstattung. Dass technisch alles klappt, dafür haben die Tunnelplaner schon beim Bau gesorgt. In der Tunnelfunkanlage sind UKW-Kanäle vorgesehen.

Blick aus Betriebsgebäude: Von hier aus kann der Disponent Durchsagen machen und den Radioempfang kontrollieren.
Blick aus Betriebsgebäude: Von hier aus kann der Disponent Durchsagen machen und den Radioempfang kontrollieren. © Autobahn GmbH

„Das Signal wird über eine Empfangsantenne im Betriebsgebäude aufgenommen.“ Mithilfe von Funkkabeln an der Tunneldecke, auch Strahlerkabel genannt, wird es dann auf der gleichen Frequenz im Tunnel ausgestrahlt, erklärt der Fachmann. Das Programm im Radio läuft also weiter.

Momentan gilt das nur für hr3 und FFH. Laut Tunnelausstatter Christian Rühling ist die Autobahn GmbH verpflichtet, mindestens einen Sender auszustrahlen, möglichst den mit den meisten Hörern. Vor Tunneleröffnung seien alle Radiosender angeschrieben worden, nur FFH habe außerdem zugesagt.

Notfälle im Tunnel: Verkehrsmeldungen kommen durch das Radio

Die Entscheidung, im Tunnel ausgestrahlt zu werden, ist für Sender auch eine finanzielle. Denn sie müssen sich die Betriebskosten dafür teilen. Das sehe das Gesetz so vor. Weil sich nicht alle dafür entschieden haben, „können wir nicht alle ausstrahlen“, sagt Bernhard Klöpfel, Leiter der zuständigen Autobahn-Außenstelle. Würde die Autobahn GmbH die Kosten übernehmen, zahlten das am Ende die Steuerzahler.

Viel wichtiger, welchen Radiosender man im Tunnel hört, ist aber, dass das Radio überhaupt eingeschaltet ist. Darauf weisen „Radio ein“-Schilder vor jedem Autobahntunnel hin. Die Schilder am Tunnel Hirschhagen sollen in den nächsten Tagen angebracht werden.

Über die Strahlerkabel an der Tunneldecke kann das Radio auch alle Verkehrsmeldungen und im Notfall auch Durchsagen und Display-Mitteilungen der Tunnelleitzentrale empfangen, erklären die Fachmänner. Wichtig ist dabei allerdings, dass Autofahrer an ihrem Radio die RDS- beziehungsweise die TP-Funktion eingeschaltet haben (siehe Hintergrund).

Sprechanlage im Autobahntunnel: Einsatzleiter können Kontakt aufnehmen

In einem Notfall könnte auch der Disponent von der Tunnelleitzentrale in Eschwege oder dem Betriebsgebäude vor Ort im Tunnel eine Durchsage senden. Dafür gibt es fertige Textkonserven, wie die Experten das nennen.

„Bleiben Sie im Fahrzeug“, wäre eine. „Räumen Sie die Unfallstelle“, eine andere.

Falls keine dieser Ansagen passt, ist im Betriebsgebäude auch ein Mikrofon, durch das der Disponent oder der Einsatzleiter der Feuerwehr sprechen kann. Die Autofahrer erreicht die Durchsage durch die im Tunnel verteilten Lautsprecher – und durch das Radio, wenn es eingeschaltet ist und die TP-Funktion aktiviert ist.

Für die nächste Tunnelfahrt hofft man dann doch auf einen guten Radioempfang, statt einer solchen Durchsage. Und wenn, dann lieber die Textkonserve mit der Nummer 16: „Wir wünschen eine gute Fahrt.“

Radio von der Decke: Die Strahlerkabel sorgen für Empfang im Tunnel Hirschhagen, zu sehen bei einer Übung.
Radio von der Decke: Die Strahlerkabel sorgen für Empfang im Tunnel Hirschhagen, zu sehen bei einer Übung. © Valerie Schaub

Telekom will Autobahntunnel mit Mobilfunk ausstatten – Abstimmungen laufen noch

Wer im Autobahntunnel einen Notruf absetzen will, das Navigationssystem des Handys nutzt oder über einen Streamingdienst Musik hören will, kommt an seine Grenzen. Spätestens nach einem Kilometer reißt der Handyempfang ab – Funkloch. Ein Signal gibt es derzeit weder im Tunnel Hirschhagen noch im Tunnel Frankenhain. Das bestätigt die Autobahn GmbH.

Das soll sich aber ändern. Mit der Telekom laufen seit Längerem Verhandlungen, heißt es von beiden Seiten auf Nachfrage. Technisch ist laut Autobahn GmbH wie auch für den Radioempfang alles vorbereitet. Die Telekom hat soweit für die Ausstattung gesorgt, dass unter Betrieb keine Bauarbeiten und daraus resultierende Sperrungen mehr im Tunnel nötig sind, erklärt ein Fachmann. Das Signal fehle allerdings noch.

Die Telekom will zwischen Kassel und dem Anschluss an die A 4 bei Wommen auf der A 44 insgesamt 13 Autobahntunnel mit Mobilfunk versorgen, teilt ein Sprecher mit. Der Tunnel Hirschhagen ist einer davon. Autofahrer im Walberg- und im Hopfenbergtunnel bei Hessisch Lichtenau seien bereits grundversorgt. Telefonieren sei möglich, Datenversorgung noch eingeschränkt.

Notruf an Notrufnischen: Alle 150 Meter im Tunnel

Für die Tunnel Hirschhagen und Walberg sind die Planungen bei der Montagefirma beauftragt, die Hardware bestellt. „Was uns noch zum eigentlichen Ausbaustart fehlt, ist ein unterschriebener Nutzungsvertrag“, teilt der Sprecher mit.

Einen konkreten Termin gebe es noch nicht. Bernhard Klöpfel, Außenstellenleiter der Autobahn GmbH, weist darauf hin, dass es keine technische Vorgabe gebe, einen Handyempfang im Autobahntunnel zu gewährleisten. „Wir stellen nur das Equipment zur Verfügung.“ Sobald der Mobilfunk steht, haben auch Onlineradios Empfang.

Im Ernstfall können Autofahrer einen Notruf an den Notrufnischen absetzen. Die sind alle 150 Meter im Tunnel eingebaut. Der Tunnel ist außerdem kameraüberwacht. (Valerie Schaub)

Das ist das Radio Data System

Das RDS, übersetzt Radio Daten System, ist ein Dienst der Rundfunkanstalten und übermittelt im UKW-Radioempfang Zusatzinformationen. Neben Display-Anzeigen der Sendernamen gehört dazu die TP-Funktion, das Traffic Programme, deutsch: Verkehrsprogramm. Wer diese Funktion im Autoradio eingestellt hat, empfängt egal auf welchem Sender die jeweiligen relevanten Verkehrsinfos wie Staumeldungen, Falschfahrer oder Streckensperrungen. Es gibt Zusatzfunktionen wie TA, Traffic Announcement. Damit kann man einstellen, dass die Verkehrsmeldungen lauter ablaufen, als die eingestellte Lautstärke. Oder dass das Gerät auch beim Abspielen einer CD oder bei anderen Einstellungen automatisch auf die Staumeldung umschaltet. 

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