Schwarzstörche im Kaufunger Wald

Schwarzstorch spaziert durch Garten in St. Ottilien

Ein Schwarzstorch läuft durch einen Garten in St. Ottilien.
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Dieser Schwarzstorch stand plötzlich im Garten von Hartmut Oeste in Helsa-St. Ottilien.

Mit diesem Besuch im Garten hatte Leser Hartmut Oeste wohl nicht gerechnet. „Ich war völlig überrascht, als ich am Kräuterbeet stand und mich umdrehte“, berichtet er: Mitten in seinem Garten in St. Ottilien, einem Ortsteil von Helsa, stand ein Schwarzstorch.

Helsa – Oeste ging schnell ins Haus, um einen Fotoapparat zu holen und den seltenen Gast wenigstens auf einem Foto festzuhalten. „Er war tatsächlich noch da.“ Nur 15 Meter, schätzt Oeste, war er von dem Tier entfernt.

Es ist nicht der erste Schwarzstorch, den Oeste in der Gegend gesehen hat. Er ist Mitglied in der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (Hgon). Daher weiß Oeste, dass es schon länger ein Paar im Kaufunger Wald gibt.

Auch Matthias Dumm, der das zuständige Forstamt Hessisch Lichtenau leitet, weiß von dem Paar. Es lebe dort seit über 25 Jahren. „Schwarzstörche sind sehr standorttreu.“ Ihren Horst haben die zwei Tiere in der Nähe von Nieste. Dass es sich bei dem Storch im Garten von Oeste um einen der Elternteile handeln könnte, ist nicht auszuschließen.

„Schwarzstörche brüten im Wald“, erklärt Dumm, ihre Nahrungsbiotope seien aber meist ein Stück weit entfernt. Für die Nahrungssuche nehmen sie deshalb fünf bis zehn Kilometer in Kauf, sagt Dumm. Übrigens versorgen die Elterntiere die Jungen zusammen. Und dabei sei es wahrscheinlicher, die sonst scheuen Tiere beispielsweise am Ortsrand zu Gesicht zu bekommen. Im Horstbereich seien sie kaum zu sehen und ließen sich auch schnell stören, weiß Oeste von anderen Vogelkundlern.

„Schwarzstörche leben sonst sehr versteckt“, sagt Dumm. Ihren Horst errichten sie im Wald unter ganz bestimmten Bedingungen in alten Bäumen wie Buchen, erklärt er. Die Bäume dürften zum Beispiel nur wenig Äste haben, damit die Jungtiere später Flugversuche starten können. Der Ast für das Nest müsse in einem bestimmten Winkel vom Stamm abstehen.

Die Bedingungen für die Nahrungssuche seien in der Region gut, schätzt Dumm. Bei Eschenstruth und St. Ottilien gebe es viele Bäche, in denen die Störche Lurche, kleine Fische und Wasserinsekten finden könnten.

Auch durch Hartmut Oestes Garten fließt ein Bach, der Besenborn. Da habe das Tier wohl auf Leckerbissen gehofft. Weil die Trockenheit auch für Storche zur Gefahr werden könnte, hatte Hessen Forst in der Vergangenheit Tümpel angelegt, worin die Vögel Nahrung finden können.

„Bis vor 15 Jahren gab es hier kaum Schwarzstörche“, sagt Forstamtsleiter Dumm. Doch dann hätten die Tiere Hessen zurückerobert. Er geht von einem großen Revier aus, in das seit einiger Zeit aber keine neuen Störche mehr kommen, weil die geeigneten Biotope ausgeschöpft seien. Hartmut Oeste hätte sicher nichts gegen einen weiteren Besuch.

Stichwort: Schwarzstorch

Der Schwarzstorch gilt als scheuer Verwandter des Weißstorchs. Er ist mit 95 Zentimetern etwas kleiner als der Weißstorch. Sein Nest errichtet er im Wald in 10 bis 20 Metern Höhe. Sein Schnabel, die Beine und die Augenumrandung sind während der Brutzeit leuchtend rot, ansonsten graugrün. Im Herbst fliegt der sogenannte „Waldstorch“ ins tropische Afrika. Früher wurden die Vögel als Fischräuber gejagt. 

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