Der kleine König der Lüfte

St. Ottilier bietet Mauerseglern ein Zuhause

So sieht es aus: wenn die Tiere am Brüten sind. 

Hartmut Oeste aus St. Ottilien mag alle Tiere. Besonders faszinierend findet er allerdings Mauersegler – und gibt ihnen deshalb ein Heim.

Sieben Nester hat er in seinem Dach geschaffen, sechs Mauersegler-Pärchen und ein einzelnes Tier leben dort zurzeit und brüten zum Teil auch Junge aus.

„Mauersegler brüten in Gebäuden, das heißt, sie brauchen dort auch Platz“, erklärt Oeste. Doch gerade in neuen Häusern sei das oft nicht mehr möglich. „Die Tiere kommen dort nicht mehr hinein, heute wird ja alles zugemacht, da findet noch nicht einmal eine Spinne den Weg ins Haus.“ Das gelte auch für Gebäude, an denen Dächer renoviert werden.

Sie kommen jedes Jahr wieder - vermutlich

In Oestes Haus können Mauersegler dagegen ganz entspannt durch extra geschaffene Öffnungen am Dach hineinfliegen. Sogar eine Belüftungsanlage hat er installiert, damit es den Tieren auf dem Dachboden nicht zu heiß wird.

Seit 2010 beschäftigt sich Oeste mit Mauerseglern. Bis aber die ersten Tiere zu ihm fanden, verging noch einige Zeit. „Sie kommen nicht einfach, die muss man richtig anlocken. Ich habe damals immer eine CD mit ihren Rufen abgespielt.“ Das hat dann am Ende wohl geholfen und die ersten Mauersegler richteten sich in Oestes Nestern ein. Seitdem kommen sie jedes Jahr wieder – zumindest ist das wahrscheinlich.

Beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit Mauerseglern: Hartmut Oeste weiß viel über die Tiere und auch, wie man ihnen am besten helfen kann. 

„Ich kann natürlich nicht genau sagen, ob es sich immer um dieselben Tiere handelt, aber ich denke schon“, sagt Oeste. Ein Indiz dafür sei, dass die Mauersegler Anfang Mai zielstrebig und schnell in die vorhandenen Löcher im Dach fliegen. „So, als würden sie sich auskennen.“ An ihren Standorten bleiben sie bis Ende Juli und ziehen dann Richtung Afrika. Die Brutzeit dauert 19 bis 23 Tage.

Verbringen das ganze Leben in der Luft 

Wer sich auch entscheidet, Mauerseglern ein zu Hause zu bieten, könne wegen eventuellem Schmutz oder Lärm ganz unbesorgt sein. „Sie sind sehr reinliche Tiere und machen keinen Dreck“, erklärt Oeste. Ihr Schrei sei zwar schrill, aber immer nur kurz vorhanden. „Nachts ist sowieso Ruhe, da schlafen sie.“

Oeste wünscht sich, dass die Tiere wieder mehr in den Blick der Menschen rücken und sich vielleicht der ein oder andere findet, der sich mit ihnen beschäftigen will. „Sie sind absolut faszinierend und haben ganz viele Eigenschaften, die andere Vögel nicht haben.“ Zum Beispiel verbringen die Vögel, außer in der der Brutzeit, eigentlich ihr ganzes Leben in der Luft, ohne sich einmal hinzusetzen.

„Sie schlafen sogar während des Fliegens“, erklärt der Experte. „Sie sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst.“ Als weiteres Beispiel für ungewöhnliche Eigenschaften nennt Oeste die Fähigkeit der Jungvögel, tagelang ohne Nahrung auskommen. „Sie können auf ihr Fett und die Muskeln am Körper gut zurückgreifen und diese dann umwandeln.“ Deshalb werden sie auch oft „der kleine König der Lüfte“ genannt.

Weniger Brutplätze durch Renovierungen

Auch die Eier der Tiere können während der Brutzeit ein paar Tage allein gelassen werden, ohne dass ihnen etwas passiert. „Sie werden dann regelrecht kalt. Aber wenn die Altvögel wiederkommen, brüten sie einfach weiter.“

Hartmut Oeste ist jedenfalls sehr zufrieden mit seiner Entscheidung, den Tieren ein Zuhause zu bieten. „Ich finde es fantastisch, wenn ich sie abends höre oder beobachte, wie sie ins Haus und wieder hinaus fliegen.“ Und da es durch Hausrenovierungen immer weniger Möglichkeiten für die Mauersegler gibt, ihren Nachwuchs auszubrüten, „tue ich auch noch was Gutes damit“.

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