Gemeinde erhöht Grundsteuer auf 660 Prozentpunkte

Steuer-Gau in Helsa ist abgewendet: 900 Prozentpunkte vom Tisch

Wer hätte das gedacht: Die geplante Verdoppelung der Grundsteuer B auf 900 Prozentpunkte in Helsa ist abgewendet. 

Nachdem die Verwaltung monatelang signalisiert hatte, dass diese massive Erhöhung unumgänglich sei, hat das Gemeindeparlament in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die Erhöhung von 450 Prozentpunkten auf jetzt „nur“ 660 beschlossen. Mit diesem Wert gehört Helsa im Landkreis Kassel aber trotzdem noch zu den Spitzenreitern.

Für ein altes Fachwerkhaus in Wickenrode, Grundstücksfläche 885 Quadratmeter, bedeutet das eine monatliche Mehrbelastung von 1,89 Euro. Wer ein etwa fünf Jahre altes Einfamilienhaus besitzt, Grundstücksfläche 500 Quadratmeter, zahlt monatlich 16,72 Euro mehr als vorher.

„Wir haben eine Verdoppelung der Grundsteuer zwar verhindern können, was erstmal gut für die Bürger ist“, sagt Rathauschef Tilo Küthe. „Doch wir haben nicht gespart, sondern einfach nur verschoben.“ Der Haushalt mit den geplanten 900 Prozentpunkten Grundsteuer sei sauber und richtig dargestellt gewesen. „Das, was jetzt entstanden ist, ist einfach eine Verschiebung. Die Positionen werden uns in nächster Zeit wieder einholen, und wir werden schon bald über Anpassungen der Steuern sprechen müssen. Da kommt noch viel auf uns zu“, sagt Küthe.

Auch andere Gemeinden im Landkreis Kassel kämpfen zurzeit mit vielen Belastungen und haben deshalb Steuern bereits erhöht oder tun es wahrscheinlich noch. Die Gemeinde Fuldatal plant zum Beispiel, die Grundsteuer auf 675 Prozentpunkte zu erhöhen, die Stadt Liebenau hat bereits auf 690 erhöht. Ein Ausreißer nach oben ist Bad Emstal. Die Gemeinde plant, auf 890 Punkte zu erhöhen. Auch finanzstarke Kommunen wie Fuldabrück sahen keine andere Möglichkeit, als die Steuern anzuheben, um ihre Haushalte ausgleichen zu können.

Laut Michael Steisel, Sprecher der Bürgermeisterkreisversammlung, geht die Tendenz in den nächsten Jahren weiter nach oben. „Das wird alle Kommunen treffen, weil die Grundsteuer das einzige Mittel für die Städte und Gemeinden ist, feste Einnahmen zu generieren.“ Steisel vermutet, dass sich die Bürger im Landkreis Kassel bald auf Grundsteuerbeträge im vierstelligen Bereich einstellen müssen. „Das ist ein Trend, der sich schwappend über die ganze Region ergießen wird.“ Gründe dafür seien Belastungen wie die Kinderbetreuung, gestiegener Verwaltungsaufwand und neue Rahmenbedingungen im Haushaltsrecht.

Vor allem Schutzschirmkommunen haben bereits alle Sparmöglichkeiten durch, sagt Harald Kühlborn vom Landkreis Kassel. „Sie können ihre finanzielle Situation nur noch über Steuern verbessern.“

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Rubriklistenbild: © Dieter Schachtschneider

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