Höchste Abgabe im gesamten Landkreis Kassel

Teures Wohnen in Helsa: Grundsteuer soll auf 900 Prozent steigen

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In Helsa müssen Bürger bald deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die Grundsteuer - also der Hebesatz - wird auf 900 Prozent steigen. Das wird sich bald auf die Kosten fürs Wohnen in der Gemeinde auswirken.

Das wird teurer: Die Bürger in Helsa müssen wohl ab 2019 die höchste Grundsteuer im ganzen Landkreis Kassel zahlen. Der Hebesatz soll - um das Doppelte - auf 900 Prozent erhöht werden.

Laut Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel, liegt der durchschnittliche Hebesatz der Grundsteuer B im Kreis bei 449 Prozent. „Helsa ist also unangefochten auf Platz 1“, sagt Kühlborn. Spitzenreiter in Hessen ist Lautertal im Odenwald mit 1050 Prozent.

Das Helsaer Parlament wird über den Vorschlag der Gemeindeverwaltung zwar erst in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag diskutieren und beraten. Doch da die SPD-Mehrheitsfraktion auf HNA-Anfrage ankündigte, diesen Vorstoß mitzutragen, ist die Sache quasi entschieden.

Grundsteuer soll Haushalt in Helsa ausgleichen

„Ich schrecke auch davor zurück, die Grundsteuer so sehr zu erhöhen“, sagt Bürgermeister Tilo Küthe (SPD). „Aber es geht einfach nicht anders.“ Im Haushalt der Gemeinde sei ein Fehlbetrag von 710.000 Euro auszugleichen. „Diesen Betrag können wir nur mit dem neuen Hebesatz von 900 Prozent erreichen.“

Für ein altes Fachwerkhaus in Wickenrode mit einer Grundstücksfläche von 885 Quadratmetern bedeutet das zum Beispiel eine monatliche Mehrbelastung für den Bürger von 4,04 Euro. Für ein fünf Jahre altes Einfamilienhaus mit einer Grundstücksfläche von 500 Quadratmeter bezahlt der Besitzer 35,83 Euro mehr im Monat.

Der Landkreis Kassel in der Kostenübersicht: Hier wird gezeigt, wie hoch die Hebesätze für die Grundsteuer in der Region sind.

„Wir haben bei der Haushaltsplanung schon alles weggelassen, was wir können und machen nur das Allernotwendigste“, sagt Küthe. Viele Dinge blieben auf der Strecke, die dringend gemacht werden müssten. „Da geht es nicht um Wünsche, sondern um Notwendigkeiten. Das macht alles keinen Spaß mehr.“

Der Betrag, der der Gemeinde Helsa im Jahr 2019 fehlt, setzt sich wie folgt zusammen: 

  • 550.000 Euro weniger Gewerbesteuereinnahmen
  • 75.000 Euro weniger Schlüsselzuweisungen
  • 170.000 Euro mehr Kosten für Kindergärten 
  • 140.000 Euro mehr Abgaben für die Kreis- und Schulumlage

Zur anstehenden Reform der Grundsteuer könnte Mitte Januar 2019 eine wichtige Entscheidung fallen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat dazu ein Spitzentreffen in Berlin geplant.

Auch in Fuldabrück wird Grundsteuer erhöht

Helsa ist nicht die einzige Kommune, die an der Steuerschraube dreht: Auch in Fuldabrück wird die Grundsteuer erhöht. Noch nicht entschieden ist das Thema in Niestetal. Dort hatte die Gemeindevertretung eigentlich im Oktober eine Einigung zur Anhebung auf 450 Punkte erzielt, den entsprechenden Satzungsbeschluss aber kürzlich von der Tagesordnung genommen. Jetzt wird möglicherweise über eine noch höhere Anhebung diskutiert. Die Stadt Vellmar bringt ihren Haushalt erst im Februar ein, plant aber, die Grundsteuer zu erhöhen. Auch in Söhrewald wird die Grundsteuer wohl steigen: Die Gemeinde plant, sie von 470 auf 650 Prozent zu erhöhen.

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