Landkreis sieht Schulen bei Ausbildung gut aufgestellt

DLRG beklagt immer mehr Badetote: 2018 sind 36 Menschen in Hessen ertrunken 

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In vielen Regionen Deutschlands schließen Bäder aus Kostengründen: Im Landkreis Kassel hat laut Sprecher Harald Kühlborn fast jedes Kind die Möglichkeit, in der Schule schwimmen zu lernen, weil es hier noch genug Bäder gibt.

Der Sommer 2018 war lang und heiß, die Flüsse, Seen und Schwimmbäder mit Badegästen voll. Laut DLRG sind im vergangenen Jahr 36 Menschen in Hessen ertrunken. Das sind 17 Badetote mehr als 2017.

DLRG-Sprecher Achim Wiese erklärt diesen Anstieg aber nicht nur durch das gute Wetter über viele Monate. „Das wäre zu einfach“, sagt er. „Vielmehr ist es ein Problem, dass die Schwimmfähigkeit immer mehr abnimmt.“ 60 Prozent der Zehnjährigen könnten nicht schwimmen. „Das liegt auch daran, dass die Wasserflächen, wo die Kinder üben können, durch Schließung von Bädern weniger werden“, sagt Wiese.

Für die Region gilt das nicht. „In fast allen Grundschulen des Landkreises wird Schwimmunterricht angeboten“, sagt Sprecher Harald Kühlborn. Die einzige Ausnahme bilde die Schule in Wolfhagen-Ippinghausen, wo es kein Schwimmbad in der Nähe gibt. Schulen, die direkt in ihrer Gemeinde kein Bad zur Verfügung haben, fahren in nahe gelegene Orte. Die Kaufunger zum Beispiel nutzen das Bad in Niestetal. 60.000 Euro zahle der Landkreis jährlich für die Benutzung der Schwimmbäder durch die Grundschulen.

Fragt man die Polizei, gab es im Jahr 2018 nur einen Menschen in Stadt und Landkreis Kassel, der wahrscheinlich ertrunken ist, weil er nicht oder nicht gut genug schwimmen konnte. Bei dem Verunglückten im Bugasee handelte es sich um einen 33-jährigen Flüchtling. Bei ihm geht die Staatsanwaltschaft von einem Ertrinkungstod aus, was aber abschließend nicht vollständig geklärt werden konnte.

Wegen gesundheitlicher Probleme ertrunken 

Unfälle in Gewässern gab es in der Region zwar mehrere – doch spielten dabei zum Beispiel gesundheitliche Probleme eine Rolle. Im August war ein 47-jähriger Mann aus Kassel in der Fulda bei Fulda-brück verunglückt. Die Obduktion ergab, dass er an einem Herzinfarkt gestorben war. Im Juli 2017 war ein Angler in der Fulda in Wahnhausen ertrunken. Laut Polizei war in dem Fall Alkohol im Spiel.

Für die DLRG spielt es dagegen keine Rolle, warum jemand im Wasser gestorben ist. Die Zahlen beziehen sich also auf alle Badeunfälle, bei denen Menschen ums Leben gekommen sind. „Ob derjenige an einem Herzinfarkt gestorben oder wegen eines Krampfes untergegangen ist – alle Tode, die im Wasser passieren, zählen wir“, sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese. „Ertrunken ist ertrunken.“

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Unbewachte Seen und Flüsse als Gefahr 

Der springende Punkt sei, dass 90 Prozent der Unfälle in unbewachten Seen und Flüssen geschehen. „Und genau das muss zu denken geben, darauf wollen wir aufmerksam machen.“ Binnengewässer führten die Ertrinkungsstatistiken an, denn sie würden in den seltensten Fällen von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, dort zu ertrinken, sei deutlich höher.

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Das sagen DLRG-Vereine in der Region

DLRG-Vereine in der Region sagen, dass es im Landkreis Kassel genügend Schwimmkurse für Kinder und auch für Erwachsene gibt. Ingo Radatz vom DLRG-Stadtverband Kassel empfiehlt Eltern, ihren Kindern nicht selbst das Schwimmen beizubringen, sondern einen Kurs zu wählen. „Zurzeit haben wir noch das Glück, dass wir genügend Ehrenamtliche haben, die Kurse geben.“ Personelle Engpässe würden die Vereine untereinander ausgleichen. 

Klaus Günther vom Ortsverein Lohfelden-Fuldabrück sieht das ähnlich. „Die Chance, einen Kurs zu besuchen, hat hier jeder“, sagt er. Etwa mit fünf Jahren könnten Kindern anfangen, das Schwimmen zu lernen. „Manchmal geht das auch früher, aber oft haben sie dann erst die nötigen motorischen Fähigkeiten und die Kraft“, sagt Günther. Infos zu Kursen gibt es auf den jeweiligen Internetseiten der DLRG-Ortsvereine.

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