Nabu kritisiert Land Hessen 

Klima-Schutz für den Reinhardswald: Hessen hinkt bei Artenschutz hinterher

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Naturwald Reinhardswald 

Bis 2020 sollen auf  fünf Prozent der gesamten hessischen Waldfläche eine natürliche Entwicklung stattfinden. Davon ist Hessen aber noch weit entfernt. 

Es ist noch kein halbes Jahr her, dass im Reinhardswald die Naturwaldfläche von 449 auf 1057 Hektar erweitert wurde. In ganz Hessen waren es im April 6800 Hektar Naturwald, die dazukamen, damit Hessen Forst überhaupt das FSC-Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft tragen darf.

„Dennoch wird auch damit das Land das Ziel der Hessischen Biodiversitätsstrategie verfehlen“, sagen die Umweltschutzverbände Nabu und BUND. Laut Biodiversitätsstrategie soll bis 2020 eine natürliche Waldentwicklung auf fünf Prozent der gesamten Waldfläche Hessens stattfinden.

Bisher sind aber nur 3,8 Prozent Naturwald erreicht. „Im Kommunal- und Privatwald lassen sich die Lücken bis 2020 nicht mehr schließen“, stellt Mark Harthun, stellvertretender Landesgeschäftsführer des Nabu-Landesverbandes, fest.

Bislang kein Konzept vom Land

Tatsächlich verfolgt das Land aktuell kein stichhaltiges Konzept, wie sich das Ziel noch erreichen lässt. Die Landesregierung begrüße etwaige Bemühungen seitens der kommunalen und privaten Waldbesitzer, heißt es lediglich auf HNA-Anfrage.

 Tatsächlich gibt es 418 Städte und Kommunen mit Waldbesitz sowie 60 000 private Waldbesitzer in Hessen. Sie alle müssten in irgendeiner Form tätig werden. „Es wäre aber ein Armutszeugnis der Politik, darauf zu hoffen, dass private oder kommunale Waldbesitzer dies von alleine umsetzen“, sagt Harthun. 

Mark Harthun vom Nabu Hessen

Immerhin ginge es noch um rund 10 000 Hektar Wald, die fehlten. Stattdessen solle das Land die Ziele der Biodiversitätsstrategie einfach selbst im Staatswald umsetzten. „Das wäre kostengünstiger und auch fachlich deutlich besser, weil die Gebiete dann größer und zusammenhängend wären.“

Aktuell verfolgen Bund und Land allerdings eine andere Strategie. Angesichts der hohen Baumverluste in den Wäldern Hessens durch dieextreme Trockenheit der vergangenen beiden Jahre (Hessen Forst spricht von 100 Millionen neu zu pflanzender Bäume auf einer Fläche von insgesamt 10 000 Hektar), wurde erst kürzlich ein 200 Millionen Euro schwerer Zwölf-Punkte-Plan zur Wiederaufforstung auf den Weg gebracht. 

Über 50 Millionen für den Wald

Über 50 Millionen Euro werden demnach allein die kommunalen und privaten Waldbesitzer bis 2023 an Hilfen erhalten. „Und es ist völlig ungewiss, ob diese Wiederaufforstungen auch wirklich klimafest sein werden. Möglicherweise vertrocknen sie schon wieder im nächsten heißen Sommer“, sagt Harthun. 

So solle das Land nun zusätzlich weitere 10.000 Hektar Staatswald aus der wirtschaftlichen Nutzung nehmen, um acht sogenannte Klimaschutzwälder mit einer Größe zwischen 1000 und 1500 Hektar einzurichten (siehe Infokasten). 

Damit könne nicht nur das Ziel der Biodiversitätsstrategie eingehalten werden, auch ließe sich so auf großen Flächen beobachten, welche Baumarten und damit ganze Waldökosysteme sich auf ganz natürliche Weise in einem immer heißer und trockener werdenden Klima entwickeln und durchsetzen. „Wie in einem Freiluftlabor, von dem letztlich auch die Forstwirtschaft etwas wird lernen können.“

Hessen Forst, private wie auch kommunale Waldbesitzer sollten selbstverständlich weiter eine Unterstützung erhalten. „Wir regen lediglich an, angesichts der hohen Steuerausgaben parallel auch das Klimawald-Konzept zu verfolgen, statt alles auf ein gewagtes und sehr teures Aufforstungs-Experiment zu setzen“, sagt Harthun.

Die dabei entstehenden Verluste für Hessen Forst in Höhe von fünf Millionen Euro pro Jahr durch Ertragseinbußen seien im Vergleich zum jetzt laufenden 200-Millionen-Euro-Programm noch moderat. 

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