Fernreisen wieder hoch im Kurs

Hohe Nachfrage nach Reisepässen: Antragsflut belastet Kommunen

Die Dominikanische Republik.
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Sommer, Sonne, Karibik: Die Dominikanische Republik ist wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses momentan bei Urlaubern sehr beliebt.

Reisen ist in Zeiten der Corona-Pandemie eine komplizierte Angelegenheit. Trotz zahlreicher Beschränkungen, Reisewarnungen durch das Auswärtige Amt sowie Testpflichten, scheinen viele Menschen im Landkreis Kassel so Urlaubshungrig zu sein, dass sie die Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen.

Kreis Kassel – Viele Kommunen im Landkreis verzeichnen aktuell ein extrem hohes Aufkommen an Passbeantragungen für spontan gebuchte Reisen. Im Bürgerbüro in Baunatal beispielsweise haben sich die Anträge für Reisepässe im Vergleich zu den Vorjahren mehr als verdoppelt, wie Stadtsprecherin Susanne Bräutigam mitteilt. Das Problem dabei sei, dass zunächst die Reisen gebucht und erst danach festgestellt werde, dass der Reisepass fehlt oder abgelaufen ist. „Wir appellieren deshalb an alle Bürger, die Gültigkeit des Passes vor der Buchung einer Reise zu prüfen und die Ausweisdokumente rechtzeitig zu beantragen“, so Bräutigam.

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liege bei etwa vier Wochen. Nur unter strengen Voraussetzungen sei es möglich, innerhalb von fünf Tagen einen Express-Pass zu beantragen, oder einen vorläufigen Reisepass, der sofort ausgestellt werden könnte. Wegen der hohen Nachfrage könnten Termine im Bürgerbüro bis zum Ende der Sommerferien nur noch dann vergeben werden, wenn Reiseunterlagen vorgelegt werden können.

Auch in Kaufungen verzeichnet die Verwaltung eine deutlich erhöhte Nachfrage, wie Bürgermeister Arnim Roß (SPD) erklärt. „Wir haben reagiert, indem wir kurzfristig in der Außenstelle Haferbachhalle in Niederkaufungen vermehrt während der Postöffnungszeiten Termine für Antragstellungen an Samstagen eingerichtet haben, was von den Bürgern auch sehr gut angenommen wird.“ In besonders dringenden Fällen biete die Gemeinde auch Notfalltermine an.

Auch die Stadt Vellmar empfiehlt aufgrund der hohen Nachfrage, die benötigten Reisedokumente rechtzeitig auf ihre Gültigkeit zu prüfen, sagt Stadtsprecherin Astrid Kneuer.

„Auf den Prozess der Ausweisausstellung haben wir als Gemeinde keinen direkten Einfluss, da die Bearbeitung und Anfertigung von der Bundesdruckerei ausgeführt werden“, erläutert Alexandros Souris aus Niestetal. Das zu späte Beantragen der Reisedokumente sei kein corona-spezifisches Problem, sondern habe es auch schon vorher gegeben. „Wir versuchen dann, unbürokratisch und schnell einen Termin zu geben.“

Warum so viele Menschen plötzlich Reisepässe benötigen, die für EU-Reisen nicht nötig sind, darauf hat Joachim Haub vom Reisebüro sonnenklar.TV in Baunatal und Kassel eine Antwort. „Momentan ist die Dominikanische Republik eines der beliebtesten Reiseziele, da das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht zu toppen sei. „Man bekommt die Karibik, zahlt aber nur so viel, als würde man nach Griechenland reisen. Das zieht viele Menschen an“, erläutert Haub. Auch die Malediven und Dubai seien aktuell beliebte Reiseziele.

Das bestätigt auch Susanne Winter vom Reiseland Baunatal. „Die Dominikanische Republik hat keine komplizierten Einreisebestimmungen, das schätzen viele Kunden.“ Auch Kreuzfahrten stünden hoch im Kurs.

Hintergrund Reisedokumente:

Als Reisedokument reicht bei Reisen innerhalb der EU und des Schengen-Raums ein Personalausweis oder ein vorläufiger Personalausweis. Er dient als Nachweis der Staatsangehörigkeit und Identität. In anderen Ländern gehört die Vorlage des Reisepasses zu den Einreisebestimmungen. Mit dem deutschen Reisepass kann man ohne Visum in mehr als 170 Staaten reisen. In dringenden Fällen kann ein Reisepass im Expressverfahren ausgestellt werden. Reicht die Zeit dafür nicht mehr aus, kann ein vorläufiger Reisepass beantragt werden, der von den Behörden direkt ausgestellt wird. Quelle: Auswärtiges Amt

Von Daniel Göbel

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