Ringen um Sitta

Hund beschlagnahmt: Halterin verklagt Veterinäramt des Landkreises Kassel

Beschlagnahmt: die zweijährige Hündin Sitta. Foto: Henne/privat

Kreis Kassel. Heidemarie Henne ist am Boden zerstört. Seit über acht Monaten kämpft die Frau aus Bodenfelde (Landkreis Northeim) um die Deutsch-Drahthaar-Hündin Sitta.

Das Veterinäramt des Landkreises hatte ihren und einen weiteren Jagdhund, der einem Mann aus Süddeutschland gehören soll, im September 2017 beschlagnahmt. Im Eilverfahren hat die Klägerin erwirkt, dass Sitta nicht versteigert werden darf – wo sich die Hündin derzeit befindet, weiß sie nicht. Denn das Veterinäramt geht davon aus, dass sie nur vorgibt, die Eigentümerin der Hündin zu sein.

„Ich habe am 11. September einen Anruf bekommen, dass ich so schnell wie möglich nach Grebenstein kommen soll.“ Henne, selbst Hundetrainerin, habe die Hündin einem Bekannten anvertraut, der das Tier für sie bei einer Jagdhundeprüfung in Hofgeismar vorstellen sollte. „Dass gegen den Grebensteiner ein beschränktes Hundehaltungsgebot ausgesprochen wurde, wusste meine Mandantin nicht“, erklärt Rechtsanwalt Stefan Braß aus Holzminden, der die Frau aus Bodenfelde vertritt. Der Bekannte sei in der Jagdhundeszene bekannt und seit vielen Jahren Züchter, Hundeführer und Wertungsrichter. „Ich kenne ihn seit über 20 Jahren“, sagt Henne, die selbst seit über 40 Jahren Hunde hält. Umso schockierter sei sie gewesen, als sie erfuhr, dass ihr Hund beschlagnahmt und an einen ihr unbekannten Ort gebracht wurde.

Rechtsanwalt Stefan Braß aus Holzminden und seine Klientin Heidemarie Henne aus Bodenfelde.

„Ich sollte Nachweise erbringen, dass Sitta mir gehört“, erzählt Henne weiter. Sie habe eine Ahnentafel, sowie Belege über Tierarztrechnungen und Impfbescheinigungen vorgelegt, doch damit habe das Drama erst seinen Lauf genommen. „Die Papiere wurden von der Polizei beschlagnahmt“, sagt Braß. Vorwurf: Urkundenfälschung. „Es war ein Missverständnis, das Verfahren wurde eingestellt“, erklärt er. Mittlerweile gebe es zwei Beschlüsse im Eilverfahren laut denen es sich bei den Vorwürfen des Veterinäramts nur um Vermutungen handele. Trotzdem weigere sich die Behörde, den Aufenthaltsort von Sitta bekannt zu geben. „So ein Verfahren habe ich von einer Behörde noch nicht erlebt“, empört sich Braß, der immer noch auf eine außergerichtliche Einigung hofft. Denn das Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht ist immer noch nicht verhandelt. Darauf beruft sich wiederum das Veterinäramt des Landkreises.

„Es gibt zwar Beschlüsse im Eilverfahren, aber wir haben das Hauptverfahren noch nicht verloren. Es gibt noch einige offene Fragen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage. Die Eigentumsnachweise seien nicht ordnungsgemäß geführt worden und es sei immer noch nicht geklärt, ob die Klägerin tatsächlich die Halterin der Hündin ist. „Es ist möglich, dass die Klägerin dazu benutzt wird, als Halterin zu fungieren“, sagt Kühlborn.

Aber warum wurden die Hunde überhaupt beschlagnahmt? Die Tiere waren in keinem schlechten Zustand, aber es gab einen Verstoß gegen die Haltungsvorgaben des Grebensteiners. Deshalb habe man sich gezwungen gesehen, die Tiere in Obhut zu nehmen, sagt Kühlborn. „Die Jagdhündin befindet sich jetzt in einer artgerechten Haltung.“ Das sieht Henne anders. Doch in einem Punkt sind sie der gleichen Meinung, denn sie sagen beide: „Wir haben gute Chancen, zu gewinnen.“ Wann das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht eröffnet wird, ist noch nicht bekannt – das kann noch einige Monate dauern.

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