Unglücke vermeiden

Gefahren im Fluss: Polizei und DLRG sehen Schwimmen in der Fulda kritisch

Schwimmen in der Fulda: Das Bild zeigt den 19-jährigen Justin beim Sprung in den Fluss. Das Bild entstand nahe der Espe-Mündung bei Simmershausen. Baden ist hier grundsätzlich erlaubt.
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Schwimmen in der Fulda: Das Bild zeigt den 19-jährigen Justin beim Sprung in den Fluss. Das Bild entstand nahe der Espe-Mündung bei Simmershausen. Baden ist hier grundsätzlich erlaubt.

Auf der Suche nach Abkühlung zieht es viele nicht nur an Seen und in Freibäder, sondern auch an Flüsse wie die Fulda in Kassel. Dort lauern allerdings Gefahren.

Kreis Kassel - Im Landkreis Kassel gibt es einige Stellen – etwa an der Espe-Mündung bei Simmershausen und unter der Bergshäuser Brücke – wo Hitzegeplagte die Fulda zum Schwimmen und für Wassersportaktivitäten nutzen. Das Baden im Fluss ist zwar erlaubt, aber nicht ungefährlich, wie die Wasserschutzpolizei erklärt.

Wie gefährlich Baden in Flüssen sein kann, zeigt ein aktueller Fall: In der vergangenen Woche kamen drei Jugendliche beim Schwimmen im Rhein bei Duisburg ums Leben. Zwei der Mädchen, 13 und 14 Jahre alt, wurden zunächst vermisst. Mittlerweile ist wohl klar: Zwei Leichen, die in den Niederlanden angespült wurden, wurden von den Eltern identifiziert. Eine 17-Jährige war am Tag des Unglücks am Mittwoch noch aus dem Fluss geborgen worden, sie starb nach Wiederbelebungsversuchen im Krankenhaus.

Badebetrieb der Region Kassel hat zugenommen

Die Strömung spiele bei der Fulda eine eher untergeordnete Rolle, sagt Alexander Lorch, Chef der Wasserschutzpolizei in Kassel. „Die Fließgeschwindigkeit liegt zwischen 0,5 und einem Meter pro Sekunde.“ Lorch spricht dennoch von Gefahren, etwa durch „Überschätzung der eigenen Fähigkeiten“. Mancher Schwimmer denke, den Fluss leicht durchqueren zu können, „weil man ja das andere Ufer sieht“. Für Bootsführer seien Schwimmer aber wegen der Sonneneinstrahlung oft nur schwer zu erkennen. Lorch berichtet, gerade erst einen Vater mit seinem dreijährigen Kind beim Durchschwimmen der Fulda entdeckt zu haben. „Das Kind hatte nur Schwimmflügel an.“

Deutlich zugenommen hat nach Beobachtung der Polizei der Badebetrieb an der Fulda insbesondere in der Stadt Kassel. Aber auch in Höhe der Espe-Mündung bei Simmershausen – dort gibt es einen Holzsteg und eine Fahrradstation am R 1 – und am Verleih für Stand-Up-Paddling unter der Bergshäuser Brücke werde gerne gebadet.

Als besondere Gefahrenbereiche gelten laut Lorch Schleusen und Wehranlagen, etwa an der Neuen Mühle sowie bei den Orten Wahnhausen und Wilhelmshausen. „Da muss man mit starken Strömungen rechnen“, sagt Lorch. „Da gilt auch ein Badeverbot.“ Ein Verbot greife genauso in der Nähe von Brücken. Das Baden sei 100 Meter oberhalb und unterhalb der Bauwerke nicht erlaubt, so der Polizeihauptkommissar.

Schwimmen in der Region Kassel: Von Brücken springen ist nicht erlaubt

Das regele der Paragraf 8.10 der Binnenschifffahrtsstraßenordnung. Deshalb sei es auch absolut nicht gestattet, von Brücken aus ins Wasser zu springen. Als Beispiel für einen solchen Gefahrenpunkt nennt Lorch die überdachte Holzbrücke am Radweg R 1 südlich von Bergshausen. Da komme es immer wieder vor, dass jemand ins Wasser springt.

Schwierigkeiten gebe es zunehmend durch Stand-Up-Paddler, sagt er weiter. In Höhe der Fulle Marie unter der Bergshäuser Brücke seien aufgrund des dortigen Verleihs viele Stand-Up-Paddler zu sehen. „Rein rechtlich gelten diese als Fahrzeuge“, sagt Lorch. Für diese gelten genau wie für Boote Ausweich- und eine Beleuchtungspflicht bei Dunkelheit.

Keine größeren Badeunfälle in der Region Kassel

Alexander Lorch weist darauf hin, dass die Wasserschutzpolizei bei Gefahr eingreifen müsse. „Wir versuchen, das den Leuten zu erklären“, sagt er. Bei der Streifentätigkeit spreche man die Personen an. Und werden Verstöße auch sanktioniert? Das Springen von einer Brücke sei zunächst eine Ordnungswidrigkeit. Es könne aber auch in besonderen Fällen ein Verwarnungs- oder Bußgeld von 35 bis 200 Euro erhoben werden.

Unterm Strich zieht Lorch aber eine positive Bilanz. „Es hat in den vergangenen beiden Jahren keine größeren Badeunfälle an der Fulda gegeben.“ (Sven Kühling)

Vor der Stadtschleuse in Kassel endet seit Jahren die Fahrt für größere Boote aus beiden Fulda-Richtungen im Stadtgebiet. Nun beginnt der Bau einer neuen Schleuse.

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