Schreiben und Schrauben

Im Januar ist Zeit für Planung und Reparaturen bei den Landwirten im Kreis Kassel

Landwirt Ernst-Winfried Döhne aus Wolfhagen-Istha schaut bei einem seiner Schlepper unter die Haube.
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Reparaturen und Wartung gehören zu den Aufgaben im Winter: Landwirt Ernst-Winfried Döhne aus Wolfhagen-Istha schaut bei einem seiner Schlepper unter die Haube.

Mit jedem Jahr gibt es weniger landwirtschaftliche Betriebe. Was früher in der Region zum Alltag gehörte, ist heute nur noch für wenige Hauptberuf. Ein Jahr begleiten wir Landwirte bei ihrer Arbeit.

Kreis Kassel – Dokumentieren, planen, spekulieren, sich fortbilden – im Winter lernt der Landwirt seinen Schreibtisch besser kennen. Und nicht unbedingt das Sofa, wie manche vermuten würden, erklärt Landwirt Ernst-Winfried Döhne schmunzelnd. „Den ganzen Tag kann ich aber auch nicht am Schreibtisch sitzen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Es zieht den Wolfhager nach draußen. Nachmittags ist er daher oft unterwegs, wartet seinen Fuhrpark und pflegt Maschinen oder ist mit dem Heckenschnitt beschäftigt.

„Auch das sind typische Aufgaben im Winter“, sagt Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband. Bis Ende Februar müsse die Gehölzpflege erledigt sein, um die Brut- und Nistzeiten von Vögeln nicht zu beeinträchtigen. Dafür ist es aktuell aber etwas zu matschig. Döhne beschäftigt sich daher an diesem Tag mit seinen Maschinen. Eine Batterie muss gewechselt werden. „Technik und Wartung kostet ja schnell mal viel Geld, da versucht man, so viel wie möglich selber zu machen“, sagt Döhne.

Gehört heute mit zum Handwerkszeug: Ein Tablet mit mobiler Schlagkartei-App.

Ein Drittel seiner Arbeitszeit verbringt er im Schnitt am Schreibtisch – „aktuell ist es etwas mehr“. So hat er erst vor Kurzem seinen Sachkundenachweis in Pflanzenschutz aktualisiert. In Zeiten von Corona natürlich online. Weitere Schreibtischaufgaben: Die Planung des Anbaus und der Fruchtfolge und der Verkauf des Getreides. „Im Winter sind die Preise oft etwas besser“, erklärt Döhne. Landwirte mit Lagerkapazitäten wie er hätten dadurch einen Vorteil. Um einen guten Preis zu erzielen, handelt er auch an der Getreidebörse. Viele sähen dieses Spekulieren mit Lebensmitteln kritisch. Aber: „Wir Landwirte spekulieren immer – mit dem Wetter, der Politik, dem Ertrag. Hier verkaufe ich mein Risiko an andere.“

Die Bürokratie ist über die Jahre immer mehr geworden, insbesondere im Bereich der Pflichtaufgaben, sind sich Döhne und Wittich einig. Das hat auch mit der Frequenz von neuen Regeln zu tun. „Allein bei der Düngeverordnung gab es in den letzten drei Jahren vier Änderungen“, sagt Wittich. Döhne hat Verständnis für Dokumentation. „Natürlich muss man sich an gewisse Regeln halten. Wenn das logisch und faktisch nachvollziehbar ist, mache ich das auch gerne“, sagt Döhne. Aber manchmal sei das eben nicht so und die viele Bürokratie nerve etwas.

Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband

„Natürlich gab es auch früher schon Dokumentation, nur war das dann oft eine Zettelwirtschaft“, erklärt Döhne. Erst vor Kurzem habe er eine Schlagkartei seiner Familie aus dem Jahr 1935 gefunden. Eine solche hat er heute auch, allerdings findet die Buchführung über seine Felder heute digital statt. Neben Größe und Ort finden sich in dem Programm zum Beispiel auch Infos zu Saat, Dünger und Pflanzenschutzmittel. Zugreifen können auf die Daten nicht nur Mitarbeiter, sondern teils auch die Bordcomputer seiner Landmaschinen. Jetzt im Winter sei endlich Zeit, diese Datenbank zu pflegen und mit Informationen zu füttern. (Michaela Pflug)

Immer weniger landwirtschaftliche Betriebe 

Die Zahl der Betriebe in Stadt und Landkreis Kassel nimmt kontinuierlich ab. Laut dem Hessischen Statistischen Landesamt gab es 2016 noch 933 Betriebe. Zum Vergleich: 2007 waren es noch 1700 und 1979 gar 5124. Bald gibt es aktuellere Daten. Die Ergebnisse der siebten Landwirtschaftszählung seit Bestehen der BRD werden momentan ausgewertet. Ein weiteres Indiz für den Rückgang sind Anträge etwa für Förderungen und Prämien, die landwirtschaftliche Betriebe beim Landkreis stellen. „Im vergangenen Jahr gingen 1200 Anträge ein, 2010 waren es 1300 und vor 20 Jahren noch 1435.“

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