Fachkräftemangel wirkt sich aus

Erziehermangel auch im Landkreis Kassel spürbar - die Suche ist schwierig

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Der Erziehermangel ist für die Kommunen im Landkreis Kassel eine Herausforderung. 

Im Altkreis Kassel fehlen Erzieher: Viele Kommunen spüren bereits die Auswirkungen des Fachkräftemangels.

Deutschlandweit sind zusätzlich rund 106.000 Erzieher nötig, um Kinder in Kitas ausreichend zu versorgen.  Das geht aus dem Ländermonitoring der Bertelsmann-Stiftung hervor. Viele Kommunen im Altkreis Kassel spüren diesen Fachkräftemangel ebenfalls.

Aktuelle Situation in den Kommunen

In Niestetal ist der Mangel an Erziehern spürbar, so Hauptamtsleiterin Heike Pflüger. „Aufgrund des sehr leeren Arbeitsmarktes in diesem Fachgebiet ist eine Nachbesetzung von Stellen relativ schwierig“, sagt sie. Aktuell fehlten keine Fachkräfte in Niestetal, allerdings beschäftige sich die Gemeinde aufgrund stetig steigender Kinderzahlen ständig mit dem Thema. Es gibt in Niestetal sechs kommunale Kindergärten, für einen weiteren laufen die Planungen.

In Nieste sei es bisher kein Problem gewesen, Stellen zu besetzen, so Bürgermeister Edgar Paul. Dort gibt es einen kommunalen Kindergarten. Allerdings komme es immer mal zum Ausfall von Kräften wegen Mutterschaft. „Es ist dann schwierig, für befristete Stellen wen zu finden“, so Paul. Bisher habe man die Stellen aber immer nachbesetzen können.

„Der Erziehermangel macht sich auch in Lohfelden bemerkbar“, sagt Birgit Wissemann vom Gemeindevorstand Lohfelden: „Wir bekommen weniger Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen“, und bei kurzfristigen Einstellungen finde man keine Interessenten. Derzeit fehlten in den fünf kommunalen Kindergärten keine Fachkräfte.

In Fuldatal wird die Verfügbarkeit von pädagogischen Fachkräften immer schwieriger, berichtet Michael Thöne vom Gemeindevorstand. Heutzutage suchten sich die Fachkräfte ihre Arbeitgeber aus und nicht mehr umgekehrt. „Derzeit sind wir in der glücklichen Situation, dass keine Stellen unbesetzt bleiben müssen“, so Thöne. Falls sich in den fünf kommunalen Kitas ein zusätzlicher Einstellungsbedarf ergebe, werde es jedoch schwer.

In Baunatal ist die Versorgung mit Erziehern laut Sprecherin Susanne Bräutigam noch gut, aber es sei zu beobachten, dass die Anzahl der Bewerber auf offene Stellen geringer wird. Fachkräfte für den kurzfristigen Bedarf zu finden, sei schwieriger geworden. Baunatal habe 16 Kitas und sei derzeit auf der Suche nach Erziehern für die pädagogische Anleitung und Betreuung von Integrationskindern. Michael Plätzer, Bürgermeister in Schauenburg, berichtet, dass der Erziehermangel derzeit kein Problem in den kommunalen Kindergärten darstelle.

Über die Ursachen des Erzlehrermangels kann man nur spekulieren

Über die Ursachen des Erziehermangels lässt sich nur spekulieren. Die Ausbildung zum Erzieher sei zeitaufwendig und anspruchsvoll, so Pflüger. Zudem habe sich der Personalaufwand aufgrund des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz deutlich erhöht – eine Erhöhung der Ausbildungsquote hat es laut Pflüger vorab jedoch nicht gegeben. 

Auch Wissemann nennt den Anspruch auf Betreuung ab dem ersten Kindergartenjahr als möglichen Grund für den Erziehermangel. Außerdem gebe es bisher keine beziehungsweise wenig Aufstiegsmöglichkeiten. Thöne berichtet, mögliche Ursachen könnten der gesellschaftliche Wandel, Spannungsfelder, zunehmendes individuelles Anspruchsdenken und Erwartungshaltungen sein – sowohl bei den Eltern, den Kindern und den Fachkräften. Ferner könnte die geringe Wertschätzung des Erzieherberufs – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – die Situation negativ beeinflussen.

„Neben dem üblichen Ersatzbedarf haben sich die Bedürfnisse der Eltern geändert“, sagt Bräutigam. Immer mehr Eltern schickten ihre Kinder vor dem dritten Lebensjahr in die Kita. Auch der Wunsch nach einer ganztägigen Betreuung sei gestiegen – bis 2025 soll es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder geben.

Die Ausbildung zum Erzieher müsste attraktiver werden

Die Ausbildung müsse attraktiver werden, finden Pflüger und Wissemann. „Hierzu zählt sicher eine Gleichstellung mit anderen Ausbildungen“, sagt Pflüger.

„Wir sind gespannt, ob die Fachkräfteoffensive des Bundes den Erziehermangel nachhaltig neutralisieren wird“, sagt Thöne. Kita-Fachkräfte fühlten sich in unserer Gesellschaft noch zu wenig wertgeschätzt, so Bräutigam: „Es braucht eine angemessene Bezahlung, die dem Wert der frühen Bildung entspricht.“

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